Astrid Fritz liest bei den Weidener Literaturtagen aus ihrem historischen Roman "Die ...
Die heile Welt einer jungen Frau bricht zusammen

Mit ihrem neunten historischen Roman, "Die Himmelsbraut", entführte Astrid Fritz ihre Zuhörer in die Zeiten der Reformation. Bild: Kunz
Die junge, lebenslustige Antonia wird im Jahr 1520 nach dem Tod der wohlhabenden Eltern in ein Kloster gesteckt. Es ist die Zeit der Reformation. Martin Luther hat drei Jahre zuvor seine Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche angeschlagen. Seine Flugschriften über die Freiheit des Christenmenschen revolutionieren nicht nur die Kirche, sondern auch die Gesellschaft. Astrid Fritz, Erfolgsautorin von inzwischen neun historischen Romanen, hat ihrem neuen Buch den Titel "Himmelsbraut" gegeben. Sie las daraus am Freitagabend bei den Weidener Literaturtagen in der Buchhandlung Stangl vor zahlreichem Publikum.

Ausladend malt die Autorin die Idylle in einem Dorf im Norden des Schwarzwaldes in warmen Farben. Die jüngste Tochter des Gutsherrn ist verliebt, und über der romantischen Landschaft hängt der Himmel erst einmal voller Geigen. Als ihr Freund Phillip Antonia von einem gewissen Martin Luther und dessen Flugschriften über die unhaltbaren Zustände in der katholischen Kirche erzählt, ahnt das Mädchen nicht, dass die Lehre dieses Mannes sein Leben verändern wird. Von der behüteten Jugend wird Antonia nichts bleiben. Das Zuhause wird ihr genommen, sie verliert ihren Liebsten.

Die Zeit steht auf Sturm

Die Autorin lässt gleich zu Anfang die Verwerfungen sichtbar werden, die sich mit der Reformation in Deutschland zeigen. Da brüllen die Gottesdienstbesucher den Pfarrer nieder, da wird ein Ablassprediger überfallen und beinahe gelyncht. Die Zeit steht auf Sturm. Auch im Kloster, in das Antonia als Novizin eingewiesen wird, gibt es keine heile Welt: Die Priorin führt ein tyrannisches Regime, verbirgt nur mühsam Leidenschaften, die sich mit der Regel des Ordensgründers Benedikt von Nursia ganz und gar nicht vertragen.

Luthers Lehre hat auch in die Volksgemeinschaft die Fackel der Revolte getragen. Angeheizt durch den Prediger Thomas Müntzer bewaffnen sich die Bauern und greifen nun die Burgen und Klöster an, die sie als Leibeigene bauen mussten.

Und dennoch: Die junge Frau lässt sich nicht irritieren und setzt sich zur Wehr gegen die Verhältnisse und vor allem gegen die Priorin. Denn im Konvent der Benediktinerinnen lebt auch ihre Schwester, die ihr Leben schon früh Gott geweiht hat. Das aber unter Umständen, die um das Leben der Novizin fürchten lassen. Hingabe bis zur Magersucht, weltfremdes Entrücktsein: Antonia will das nicht zulassen. Im Hintergrund steht immer die Hoffnung, dass sie ihren verschollenen Freund Phillip wiedersehen kann. Sie wird ihren Überzeugungen nicht untreu werden. Denn längst hat auch sie erkannt, dass sie eine Zeitenwende erlebt. Die alte Ordnung bricht zusammen, weil die Menschen frei leben wollen. Leibeigenschaft soll ebenso ein Ende haben wie Armut und Not des Volkes, das von den Vögten der herrschenden Klasse ausgepresst wird. Die Menschen werfen die Fessel der Angst ab, mit denen die Kirche sie gebunden hat.

Am Ende siegt die Liebe

Der Aufruhr entlädt sich in einem Blutbad. Die Liebe, von der es heißt, dass viele Wasser der Trübsal sie nicht auslöschen können, wird aber am Ende siegen und Antonia und Phillip zusammenführen.

Astrid Fritz schreibt inzwischen an ihrem zehnten Roman. Er trägt den Titel "Aschenkreuz" und wird im Juni erscheinen.
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