18.06.2012 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Auf den Spuren von Bischof Georg Weig Von Ottenrieth nach Qingdao

Also doch: Die Welt ist ein Dorf. Und die St.-Michaels-Kathedrale in Qingdao über ein paar Ecken tatsächlich "verwandt" mit der Weidener Josefskirche. Nach unserem Artikel über die große Ähnlichkeit der beiden Gotteshäuser (NT vom 12. Juni) meldete sich Ernst Weig, Steuerberater mit Büro in Weiden, bei der Redaktion. Ein "sehr entfernter" Verwandter von ihm war Bischof Georg Weig. Der ließ die imposante Kirche in China einst erbauen.

von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Nach einem Ausflug nach Beratzhausen, wo er auf eine Bischof-Weig-Gedenktafel stieß, konnte der Steuerberater Lücken in seiner Ahnenforschung stopfen. Demnach wurzelt der Weig'sche Familienstammbaum in Ottenrieth (Waldthurn), bevor er sich unter anderem nach Pleystein und Beratzhausen verzweigt. Dort, in dem Markt im Landkreis Regensburg, kam am 14. Dezember 1883 Georg Weig zur Welt, Sohn eines Pleysteiners und einer Beratzhausnerin.

Vorbild Josefskirche?

Als Mitglied der Steyler Missionare ging der Oberpfälzer später nach China, war dort Präfekt der Apostolischen Präfektur in Qingdao, dem ehemaligen deutschen Kolonial-Handelsstützpunkt Tsingtao. Während seiner Herrschaft entstand von 1932 bis 1934 die Michaelskirche. Wirklich nach dem Vorbild der Josefskirche? Konkrete Hinweise darauf kann Steuerberater Ernst Weig nicht liefern. Wegen der familiären Spuren des kirchlichen Auftraggebers in die nördliche Oberpfalz scheint dies jedoch alles andere als ausgeschlossen.
Oder sogar mehr als wahrscheinlich, wie ein anderer Weig-Experte meint. Purer Zufall, dass dieser ebenfalls aus Beratzhausen kommt - und mittlerweile in Weiden wirkt: HAW-Präsident Prof. Dr. Erich Bauer. 1982 veröffentlichte er seine Diplom-Arbeit über Weig, die der Markt noch immer in Buchform vertreibt. Titel: "Georg Weig - Bischof von Tsingtao: ein Oberpfälzer in China". Über die "Oberpfälzer Schiene" seien sicher Baupläne hin- und hergewandert, glaubt Bauer. "Bei den Fenstern zum Beispiel bin ich mir ganz sicher. Bei der Orgel ziemlich."

In China war Bischof Weig übrigens als "Wei Changlu" bekannt. 1941, sieben Jahre nach der Weihe der Michaelskirche in Qingdao, erlag er einer Krankheit. Begraben ist er in "seiner" chinesischen Kathedrale.

Noch eine ganz andere, noch frühere Spur als die der Familie Weig führt vom östlichen Landkreis Neustadt/WN nach China - eine "eventuelle geographisch-menschliche Verbindung", wie Bernhard M. Baron sagt. Der ehemalige Weidener Kulturamtsleiter erinnert an Johann Baptist Anzer, geboren 1851 in Weinrieth (Markt Tännesberg), einem weiteren Steyler Missionar. Anzer war Bischof der deutschen China-Mission in der Provinz Shangdong, in der auch Qingdao liegt. Der Oberpfälzer, der das Lyzeum in Regensburg besucht und 1976 die Priesterweihe empfangen hatte, war im Jahr 1900 in China in den Boxeraufstand verwickelt. 1903 erlag er in Rom einem Schlaganfall.
"Nur hier könnte der Schlüssel bzw. die verbindende Kirchen-Idee liegen", sagt Baron über Anzer, den Siegfried Poblotzki 1977 im Heft "Oberpfälzer Heimat" (Band 27) porträtiert hat. Möglich, dass der Bischof im übertragenen Sinne Grundsteine gelegt und Wege geebnet hat. Ob er die Josefskirche je gesehen hat, muss jedoch bezweifelt werden: Die Weidener Kirche wurde erst ab 1899 erbaut und 1901 geweiht.

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