01.04.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ausverkaufte Max-Reger-Halle: Die Well-Geschwister auf der Suche nach sich selbst und dem ... Eine schrecklich nette Familie

Die Geschwister Bärbi, Burgi, Moni, Stofferl, Karl und Michael Well (von links) trugen ihren gespielten Familienzwist mit einer Fülle von Instrumenten aus. Bild: Höller
von Autor LYProfil

Eine Großfamilie kann herrlich Konflikte austragen. Besonders schön ist es, wenn sie das - wie die 15 Kinder der Well-Familie - auf hohem musikalischen und kabarettistischen Niveau so fulminant tut. Dieser "Probenabend in der Max-Greger-Halle", wie ihn Moni und Michael Well titulierten, war eine Mischung aus Hausmusik, bissigen Kommentaren und Kabbeleien unter Geschwistern. "Fein sein, beinander bleibn" lautet der Titel des Bühnenprogramms, mit dem sechs der 15 Well-Geschwister am Sonntagabend das Publikum in der ausverkauften Max-Reger-Halle begeisterten.

Die CSU hat nachgelassen

Wer aber dachte, dass die "Wellküren" in Kombination mit zwei Dritteln der legendären "Biermösl Blosn" politisch gesehen doppelt so scharf schießen, hatte sich getäuscht. Die CSU und Warsteiner Bier bleiben die beliebten Ziele, aber: "Die CSU ist auch nicht mehr das, was sie mal war unter Strauß und Stoiber." Und wie konnte es obendrein passieren, dass ausgerechnet Franz Wittenbrink, der Neffe des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel, das Programm konzipiert hatte? Ganz einfach: Weil er als eines von 13 Geschwistern die Freuden und Leiden einer Großfamilie mindestens so gut kennt.

Burgi, Bärbi, Moni, Michael, Stofferl und Karl - für "Biermösl"-Bruder Hans mit an Bord - sind musikalische Tausendsassas: Kein Instrument ist vor ihnen sicher, nicht mal die Nonnentrompete und der Brummtopf. Well-Mutti Traudl hatte mit ihren 94 Jahren keine Zeit, um aus Oberbayern ins entfernte Weiden zu reisen - "eine Ü90-Party wartete auf sie", erklärten ihre Kinder. Von ihr haben sie gelernt, dass Volksmusik in jeder Lebenslage hilft und sogar bei Empfängnisverhütung.

So beherrschen alle Wells mehrere Instrumente, können etwa auf dem Alphorn "We will rock you" zum Besten geben. Die Geschwister reisten virtuos musikalisch durch die Welt der Pharmaindustrie, durch die vergangenen 50 Jahre im Freistaat und erörtern nebenbei die Frage, "wer denn die Oma nimmt". Überhaupt, die Familiengeschichten: Nachdem der Stofferl vor mehr als 50 Jahren seinen Platz als Nesthäkchen an Moni abgeben musste, hatte ein Schürhaken seinen Weg auf die Nase des damals Dreijährigen gefunden. "Wer war's und wieso? Und helfen auch Globuli dagegen?" Diese Fragen wurden freilich nicht abschließend geklärt, aber herrlich unterhaltend diskutiert.

Warten aufs Einkaufscenter

Den dazugehörigen Streit trugen die Wells mit ihren Instrumenten aus, verknüpften den Hochzeitsmarsch von Wagner mit dem von Mendelsohn, reihten einen "40-Cent-Rap" an Mozarts "Don Giovanni". Anspielungen an Weiden hatten sie obendrein elegant eingeflochten: Die Unendlichkeit, das ist das Warten aufs Einkaufscenter. Und dann Politik live: Die Pause nutzten die Wells, um die Wahlergebnisse aus München und Regensburg zu besorgen und dem Publikum durchzugeben.

Eine Wohltat für die Besucher war es übrigens zu erfahren, dass Bob Dylan ein Oberpfälzer ist - "Blowing in the wind", das klinge ja schon richtig danach. Sie selbst stammen von einer schottischen Familie ab. Den tänzerischen Beweis erbrachten sie zum Schluss - "All's Well, that ends Well", um es mit Shakespeare zu sagen. Nach zwei Stunden Programm und zwei Zugaben war die Well-Hausmusik leider vorbei.

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