13.04.2018 - 14:28 Uhr
Oberpfalz

Ausverkaufter Vortrag von Heribert Prantl in Weiden Prantls Blick auf Befindlichkeiten

Mit der Sprache kann kaum einer so umgehen wie Heribert Prantl. Er nutzt sie, um Mahnungen zu formulieren, macht Worte zu Alarmsirenen und baut Sätze, die so treffend sind, dass man sie gerahmt an die Wand hängen möchte. Ein Oberpfälzer, der trotz großer Karriere seine Herkunft nie verborgen gehalten hat.

Restlos ausverkauft war der Vortrag von Heribert Prantl in der Weidener Buchhandlung Rupprecht. Bild: Schönberger
von Autor HOUProfil

Er kommt aus einem konservativen Elternhaus in Nittenau, war schon mit 15 Lebensjahren freier Mitarbeiter des Verlags Der Neue Tag in Weiden und Schwandorf, wurde Journalist und legte auch eine exzellente Prüfung beim Studium der Rechtswissenschaften ab. Ein Multitalent, dieser Heribert Prantl. Vor 30 Jahren holte ihn die Süddeutsche Zeitung nach München. Was er dann für die SZ schrieb, machte in bundesweit bekannt. Jetzt steht er kurz vor seinem 65. Geburtstag.

Prantl nach langer Zeit wieder in Weiden. Kein Platz frei in der Buchhandlung Rupprecht. "Die Kraft der Hoffnung" hat er diesen Abend genannt. So lautet auch der Titel von Prantls neuestem Buch. Eines von sehr vielen. In Nachtarbeit verfasst. NT-Verleger German Vogelsang ist da. Neben ihm ehemalige Weggefährten aus dem Lokaljournalismus.

"Im Reich des Irrsinns"

Der Oberpfälzer, den Ex-Kanzler Gerhard Schröder einmal als Instanz bezeichnete, geht auf Treibjagd im Zeitgeschehen. Er sieht sich angesichts von Donald Trump "im Reich des Irrsinns", macht eine Vielzahl anderer Autokraten auf der politischen Bühne namhaft und bilanziert: "Vielleicht gibt es schönere Zeiten. Aber dies ist unsere Zeit." Mit Leuten, "von denen man geglaubt hat, ihre Zeit sei schon vorbei." Der Autor, Professor und Doktor, schreibt der AfD ins Stammbuch, dass ihr Erscheinen für einen "historischen Rückschritt in der deutschen Gesellschaft" gesorgt habe. Prantl sieht "das junge alte Europa" bedroht und plädiert energisch für die Europäische Union. Gleichwohl, so lässt er anklingen, müssten die Menschen in diesem Staatenverbund endlich spüren, das "Europa für sie da ist und nicht für die Banken."

Da ist jemand, dem die Zukunft Sorge bereitet. "Die Kraft der Hoffnung beginnt damit, dass man dem Unheil nicht einen totalen Zugriff erlaubt", macht Prantl deutlich. Hoffnung also. Für jeden wichtig. "Denn sie kann Anlass geben, über den eigenen Schatten zu springen." In jeder auch noch so prekären Situation.

Der Mann kann nicht nur schreiben. Er ist auch in der Lage, faszinierend zu reden. Heribert Prantl animiert zum Gebet. "Es ist lebendiger als die Kirchen, die es lehren." Er lenkt den Blick auf eine zunehmend älter werdende Gesellschaft, erinnert sich seiner hochbetagten Mutter Julie und kommt schließlich auf Regensburg zu sprechen. Dort, wo die Dogmatik klerikaler Führer eine Heimat fand.

90 fesselnde Minuten

Auch für Heribert Prantl ist diese Stadt irgendwie Heimat. Weniger aus Glaubensgründen. Aber es fällt die Bemerkung: "Glauben entbindet nicht vom Denken." Und vor allem: "Dogmatik ist keine Basta-Wissenschaft." Damit meint er vornehmlich einen, der erst Bischof in Regensburg war und später Kardinal wurde. Oft hoch zu Ross. Heute nicht mehr im vatikanischen Dogmatiker-Führungsamt.

90 fesselnde Minuten. Eine Bergtour auf Gipfel momentaner Befindlichkeiten. Mit einem Seilschaftsführer, der die Haken tief in den Fels schlägt und Routen vorgibt. Prantl signiert Bücher, macht sich auf den Heimweg nach München. Im Gepäck hat er geräucherte Bratwürste.Kriegt er dort nicht. Muss der Oberpfälzer aber dann und wann haben.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp