Ballhausorchester in der Max-Reger-Halle
Viagra gegen matte Gatten

Alte Schlager und Evergreens aber auch neuere Titel standen auf dem Programm des Ballhausorchesters in der Max-Reger-Halle. Bild: Otto

Frack nach Maß, weiße Weste, dazu eine Fliege. Akzentuierte Aussprache, sichere Kopfstimme und genäselte frivole Ansagen - Peter Wittmann und das Ballhausorchester inszenieren sich nah an den Vorbildern der 20er und 30er Jahre.

Doch bevor am Mittwochabend der Vorhang in der Max-Reger-Halle für ein beschwingtes Galakonzert aufgeht, begrüßt der "singende Kardiologe" das Publikum aus dem Off. Und eröffnet damit den Reigen alter Schlager, Hits, Evergreens und neuerer Titel, die man unter anderem auch aus dem Repertoire von Max Raabe und seinem Palast-Orchester kennt.

Kakteen und gute Freunde

Wie Raabe wecken die Musiker Erinnerungen an die goldenen Zeiten der berühmten Comedian Harmonists, an das Lebensgefühl auf schillernden Boulevards. An elegante Gentlemen und begehrenswerte Frauen. An Kakteen und gute Freunde. An Wochenend' und Sonnenschein.

Peter Wittmann gibt als Frontmann nicht nur den Sänger, sondern auch den schlagfertigen und eindeutig zweideutigen Conférencier, der mitunter einen kecken Tanzschritt aufs Parkett legt. In seinen Ansagen baut der Entertainer mit einem Augenzwinkern auch immer wieder Weidens Vergangenheit ein. So erinnert er ein wenig spöttisch an die Zeiten, als es in Weiden auch noch Nachtclubs und leicht bekleidete Mädchen gab. Oder feurige Spanierinnen, wie die am Hammerweg wohnhafte "Schöne Isabella aus Kastilien". Auch für den betagteren Filou gibt es Hoffnung, in Form von Viagra: "Ehefrau'n kams zu statten, die einen matten Gatten hatten."

Ohnehin geht es viel um Mann und Frau. Um das, worüber man nicht spricht, aber in Anspielungen herrlich frivol thematisieren kann. Dabei denken die Musiker aber nicht nur an die Männer. Für die Frauen gibt es Haut zu sehen, in Form der Wade von Klarinettist und Saxofonist Georg Obermaier.

Insgesamt kann sich Wittmann auf die Musiker im Rücken verlassen. Allesamt ausgezeichnete Instrumentalisten und hervorragend aufeinander eingestellte Musiker, geben sie den Songs des Repertoires erst den richtigen Drive.

Drei Zugaben

Das Publikum ist wie immer begeistert vom Ballhausorchester und macht auch bereitwillig mit, als es ums Mitsingen geht. Kein Wunder, dass die Besucher die Künstler nicht so schnell von der Bühne gehen lassen wollten. Erst nach drei Zugaben war Schluss.

Ein Veranstaltungstipp für Fans: Ein Wiedersehen mit Peter Wittman und dem Ballhausorchester gibt es spätestens 2018. Dann hat die Kulturbühne das Ensemble für das Neujahrskonzert verpflichtet.
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