Beginn der Literaturtage mit ausverkauftem Poetry Slam in der Tiefgarage - Wortakrobat Pierre ...
"Sprache kann begeistern, wenn man sie benutzt"

Im "Underground", der Tiefgarage des City Centers, ging es am Freitag beim vierten Poetry Slam um große Emotionen. Über Liebe, erste Drogenerfahrungen und Kindheitserinnerungen philosophierten beim Dichterwettstreit sechs Teilnehmer und wetteiferten um die Gunst des Publikums.

Die beiden Moderatoren Felix Römer und Christian Ritter erklärten den 500 Zuhörern zunächst die Spielregeln: Erlaubt sind alle Themen, die Spaß machen, die vorbereiteten - und selbstverfassten - Texte stehen im Mittelpunkt. Besonders schwer für die Slammer: weder Verkleidung noch andere Hilfsmittel sind zugelassen. Allein der Einfallsreichtum der Künstler ist ausschlaggebend.

Auch das Publikum musste seine Kreativität unter Beweis stellen: Über den Preis für den Gewinner mussten die Zuhörer bestimmen. In Tüten, die durch die Reihen gingen, durften sie für den Sieger persönliche Gegenstände sammeln. In den Tüten fanden sich dann Utensilien wie Tupperdosen oder Kassenzettel - ein Potpourri aus Unnützem. Über die Reihenfolge der Auftritte entschied Glücksfee Buchhändlerin Alexandra Stangl.

Slammerin aus Weiden

Mit ihrer Kurzgeschichte "Anti-Potenz-Irokese" startete Daniela Plößner aus Weiden, "die Lokale unter den Slammern", in den Dichterwettstreit. Anschließend gab die Würzburgerin Pauline Füg ihr nachdenkliches Gedicht "Von Weggabelungen" zum Besten. Der deutschsprachige Poetry-Slam-Meister von 2012, Pierre Jarawan, berichtete in "Mein Kindergartentrauma" von seiner seit Kindheit stark ausgeprägten Grammatik-Akribie.

Der Berliner Volker Strübing fand bei einem Konzertbesuch Inspiration für seine Erzählung "Frühling, Frühling, oi oi oi", bei dem es um den Vergleich des Frühlings mit einem Handy ging. Die bayerische U-20-Meisterin im Poetry Slam 2012, Fatima Moumouni, rügte humorvoll aber auch skeptisch Veganer und deren Einstellung zur Revolution. Multifunktionssatiriker Volker Surmann ereiferte sich in "Die Tafeln von Deutschland" über die Aussagekraft der Beschilderungen an Autobahnen. Mit ihren humorvollen Beiträgen qualifizierten sich Strübing, Moumouni, Surmann und Jarawan für das Halbfinale.

Alltags-Geschichten

Die kurze Pause tat der Stimmung keinen Abbruch. Während Strübing munter über eine vermasselte Verabredung in "Wie ich mal eine Frau küssen wollte" mit Gangster-Rap-Einlagen die Zuhörer zum Lachen brachte, schlug Moumouni mit ihrem Gedicht "Tag nach dem Sturm" ernste Töne an. Überzeugen konnte Surmann mit seiner humorvollen Erzählung über seine ersten Drogenerfahrungen in "Lost in space" sowie Jarawan mit einer amüsanten Geschichte über seinen Vater und Batman im "Abc des Träumens".

Die beiden schafften dann auch den Sprung ins Finale.Beim "Ganz-Körper-Schnick-Schnack-Schnuck" (Schere, Stein, Papier) machten die beiden Finalisten untereinander aus, wer als Erster vors Publikum treten musste. Surmann machte sich über den Umgang mit dem Smartphone und den Fortschritt lustig. Fazit: "Die unnützeste App auf deinem Handy bist du." Naturkatastrophen, sein Opa, er selbst und die Schönheit der Sprache standen beim Vortrag Jarawans im Mittelpunkt: "Sprache kann in ihrer Einfachheit begeistern, wenn man sie benutzt." Die Zuhörer entschieden dann am Ende der beiden Kurzgeschichten mit Applaus über den Sieg: Pierre Jarawan erhielt den meisten Jubel und konnte mit seinem Humor und seiner Sprachakrobatik die Zuhörer für sich gewinnen. "Ihr habt eine sehr schöne Tiefgarage hier in Weiden, vielleicht kaufe ich mir hier einen Parkplatz, dann komme ich öfter her", freute sich Jarawan über seinen Sieg. "Hier hast du den Krempel", so Moderator Römer bei der Übergabe des Preises. Beim Blick in die Gewinnertüten fand sich bestimmt die ein oder andere Anregung für den nächsten Auftritt.
Beim buntgemischten Programm regte so manch tiefgründiger Beitrag zum Nachdenken an. Die humorvollen Beiträge kamen beim Publikum aber am besten an. Musikalisch begleitete das Strompost Kollektiv mit Jazz und modernem Songwriting durch den Abend. Die vier Musiker bereicherten mit ihren Stücken die stimmungsvolle und humorgeladene Atmosphäre in der bis zum letzten Platz besetzten Tiefgarage.

Der Slam geht weiter

Der Poetry Slam gehört mittlerweile zu einer festen Einrichtung der Weidener Literaturtage. Wie Buchhändlerin Alexandra Stangl verriet, wird auch im nächsten Jahr wieder in der Tiefgarage des City Centers "geslamt". Auch Felix Römer und Christian Ritter werden beim Dichterwettstreit wieder mit von der Partie sein.
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