Bernd Schroeder beendet Weidener Literaturtage mit einer Lesung aus seinem neuen Werk "Auf ...
Ein Blick in die bayerische Seele

Mit der Lesung von Bernd Schroeder in der Regionalbibliothek gingen am Samstag die Weidener Literaturtage zu Ende. Der Autor nahm die Zuhörer in seinem Buch "Auf Amerika" mit in die bayerische Provinz der Nachkriegszeit und zeichnete ein authentisches Sittengemälde. Bild: Wilck
Der prügelnde Lehrer, der Tratsch im Dorfwirtshaus, die Postfrau, die alles wusste, der Hochzeitslader, der von Hof zu Hof zog - es waren Menschen und Situation, die klar und deutlich vor den Augen der Zuhörer vorbeizogen. Es waren Bilder, die mit einer einfachen, aber zugleich wuchtigen Sprache erzeugt wurden.

Ein Sittengemälde der (ober-)bayerischen Provinz von vor 60 Jahren, die es in dem Maße heute zwar nicht mehr gibt, von der sich aber zweifellos mancherorts noch Reststrukturen erhalten haben. Mit der Lesung aus seinem neuesten Roman "Auf Amerika" beendete Bernd Schroeder am Samstagabend in der Regionalbibliothek die 29. Weidener Literaturtage.

Autobiografische Züge

Gut eineinhalb Stunden lang nahm der Autor die zahlreichen Zuhörer mit in die Vergangenheit - in seine eigene Geschichte. "Roman" ist deswegen wohl auch eine Charakterisierung für das Buch, die nicht ganz zutrifft. Die autobiografischen Züge sind in den Zeilen nicht zu leugnen: Schroeder, der 1944 im heute tschechischen Aussig geboren worden ist, wuchs im oberbayerischen Fürholzen auf.
Die Szenerie im Buch - erzählt aus der Sicht eines Flüchtlingsjungen - spielt zwar im oberbayerischen Dorf Hausen, ist aber beliebig übertragbar - ganz egal, ob auf Fürholzen oder andere bayerische Dörfer in der Nachkriegszeit. Schroeder blickte während der Lesung tief in die bayerische Seele, erzählte vom Dorf, das stets christlich-sozial wählte, in dem ein klares Männer-Frauen-Bild herrschte, in dem durch Tratsch und Klatsch immer neue Wahrheiten entstanden, in dem man als Protestant als "Heidenkind" galt. Eine ledige Kindsmutter wurde "Ami-Schickse" geschimpft.

Und das alles erzählte Schroeder in einer schnörkellosen, in einer authentischen Sprache, die die Zuhörer faszinierte. Eine "Handlung" im klassischen Sinne, auch das wurde in den gut 90 Minuten deutlich, hat "Auf Amerika" nicht.

Vermeintliches Landidyll

Vielmehr sind es einzelne Szenen und Begebenheiten, die sich zu einem kompakten Bild zusammenfügen, die eine literarische Gesamtschau des (manchmal auch vermeintlichen) Landidylls ergeben. Ein Porträt zwischen einem Hauch Nostalgie, Wehmut und harter Realität, aber weit entfernt von Verklärung und Abrechnung. Die Klammer um das Buch bildet der Knecht Veit, dessen Gestalt und Geschichte Schroeder während der Lesung in einzelnen Kapiteln immer wieder andeutete.

Das große Geheimnis - gibt es das überhaupt? - welches Veit und Amerika verbindet, wurde in der Regionalbibliothek an diesem Abend natürlich nicht gelüftet. Die von Schroeder gelesenen Kapitel machten aber Lust auf das ganze Buch.
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