11.05.2017 - 17:18 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bernhard M. Baron wird 70 Literaturdetektiv auf Malta

Heute wird auf Malta ein Geburtstag in kleinem Kreise gefeiert, der weit mehr öffentliche Aufmerksamkeit verdient hätte - vor allem hier in Bayern. Bernhard M. Baron, der ehemalige Kulturamtsleiter von Weiden, wird 70 Jahre alt - der "Kultur-Baron", wie ihn viele wegen seiner umtriebigen Aktivitäten im Dienste der bayerischen Kultur und Literatur nennen.

Geboren im Markt Luhe (Kreis Neustadt/WN), lebt der Vater von drei Söhnen und Großvater von sechs Enkeln zusammen mit seiner Frau Mary Baron-Muscat, die Malerin ist und mit der er seit 40 Jahren verheiratet ist, auf der Insel Malta. Immer wieder aber reisen sie gemeinsam nach Bayern und in die Oberpfalz, und nie verliert Baron die bayerische Literaturgeografie, die Autoren seiner Heimat aus dem Blick. Archivbild: Wilck
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Weiden/Malta. 25 Jahre lang leitete Baron das Weidner Kultur- und Tourismusbüro. In dieser Zeit prägte er entscheidend das Kulturleben seiner Heimatstadt, das zuvor noch etwas verschlafen war. Mit seinem Namen sind verbunden die "Weidener Sommer-Serenaden" im Max-Reger-Park oder die Touristik-Straße "Goldene Straße", die die historische Reichsstraße von Karl IV. von Nürnberg über Weiden, Bärnau und Pilsen nach Prag kulturell wiederbelebte.

Einer seiner größten Verdienste aber war sicherlich die Initiierung der "Weidener Literaturtage" im Jahr 1985, die er bis zum Mai 2007 kuratierte und organisierte. Rund 400 namhafte deutsche und internationale Schriftsteller gaben sich hier über die Jahre hinweg ein Stelldichein und verliehen dem Literaturort Weiden überregionale Bedeutung. Besonderes Kennzeichen der Literaturtage sind Lesungen an Schulen oder Veranstaltungen in öffentlichen Räumen wie am Bahnhof oder in Kaufhäusern, also eine Demokratisierung der Literatur.

Mehrere Auflagen

Überregionale Beachtung fand auch Barons Weidener Literaturgeschichte "Weiden in der Literaturgeographie" aus dem Jahr 1992, die inzwischen mehrere Auflagen erfahren hat und anderen Städten als Anregung diente. Baron hat den Begriff "Literaturgeographie" geprägt. Dankbar sind ihm mit Sicherheit die vielen bayerischen, speziell Oberpfälzer Autoren, denen er auf dem Literaturportal Bayern, für das er seit 2012 ehrenamtlich schreibt, Miniaturdenkmäler in Form von literarischen Porträts setzte. Ausschlaggebend ist für Baron dabei nicht die derzeitige Stellung des jeweiligen Autors im Literaturbetrieb, sondern dessen Verbindung zu Bayern und die Frage, inwieweit er - auf welche Art auch immer - eine Bereicherung für die Literatur der Region darstellt.

Für das Literaturportal, eine Plattform der Bayerischen Staatsbibliothek, schreibt Baron überdies literarische Städteporträts, in denen nachzulesen ist, welche Schriftsteller auf die eine oder andere Art und Weise mit dem jeweiligen Ort zu tun hatten. Auch als Beirat der Literaturzeitschrift "Literatur in Bayern" unterstützt Baron regionale Autoren und misst die Literaturgeographie Bayerns ab. Seit Jahren gehört er überdies zu den Stammautoren des Jahrbuchs "Oberpfälzer Heimat", des Lesebuchs "Heimat - Landkreis Tirschenreuth" und des "Oberpfälzer Heimatspiegels".

"Oberpfälzer Cicerone"

Immer blickt Baron, den Hellmuth Karasek auch "Oberpfälzer Cicerone" nannte, auch über die Landesgrenzen hinaus. Bereits vor dem Jahr 1989 pflegte er intensive Kontakte zu tschechischen Schriftstellern wie etwa zu dem Lyriker und Romancier Jiri Grusa, der später tschechischer Botschafter und Internationaler PEN-Präsident wurde.

Intensiv tauschte sich Baron mit Autoren wie Erich Loest aus, dem "knorrigen Sachsen", wie er ihn nennt. Loest streifte noch in den letzten Kriegstagen 1945 als "Werwolf" durch die Wälder im Oberpfälzer Grenzland. In der DDR wurde er später wegen "revolutionärer Gruppenbildung" zu jahrelanger Haft in Bautzen verurteilt. Gemeinsam suchten Baron und Loest die Kriegspfade im Jahr 1985 anlässlich der Weidner Literaturtage noch einmal auf.

Mehrfach ausgezeichnet

Für sein Engagement wurde er mehrfach ausgezeichnet: Friedrich-Baur-Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (1995), Nordgaupreis des Oberpfälzer Kulturbunds (1998), Kulturpreis für Sprache und Dichtung des Bezirks Oberpfalz (2000), Silberne Bürgermedaille der Stadt Weiden (2007) oder der Kulturpreis Brückenbauer des CeBB (2008). Im Januar 2011 schließlich wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Seine Liebe aber gehört - neben seiner Frau - vor allem der Oberpfalz. Sie ist für ihn eine "klassische Literaturlandschaft im Literaturland Bayern, die nur viele Pseudoakademiker in der weiß-blauen Hauptstadt nicht wahrnehmen wollen." Aber vielleicht irrt er sich ja auch, und die Oberpfalz ist als Literaturland, nicht zuletzt auch dank seiner Bemühungen, selbst in München inzwischen ein Begriff.

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