19.04.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Besucher bleiben aus, das Geld wird immer knapper: Schauspielweiden sieht sich vor dem Scheitern Ein Drama mit unsicherem Ausgang

Stephan Brunner (Mitte), hier in einer Szene der aktuellen Produktion "Henry/Georg/ Krieg" mit den Schauspielkollegen Katja Rosin (links) und Andreas Schulz, blickt einigermaßen ratlos in die Zukunft seiner Truppe. Bild: Wilck
von Redaktion OnetzProfil

"Wenn man unter ökonomisch komfortablen Bedingungen arbeiten will, sollte man kein Theater machen." Diese Einsicht gab Stephan Brunner, einer der Köpfe von Schauspielweiden, bereits im März 2012 im Interview mit der Kulturredaktion zu Protokoll. Schon damals war die finanzielle Zukunft der Truppe nicht rosig. Trotzdem: "Bisher hat es sich gerechnet, nach diesem Muster Theater zu machen", war damals sein Fazit. Und heute? "Ein Drama", fasst Brunner die Lage zusammen, in der sich Schauspielweiden derzeit befindet. Wie so oft bei künstlerischen Unternehmungen fehlt vor allem eines: Geld.

Schauspielweiden versteht sich als mobiles Stadttheater und kommt einmal im Jahr in die Max-Reger-Stadt, um an ungewöhnlichen Orten ideenreiche Profi-Inszenierungen auf die Beine zu stellen - im Josefshaus-Keller, im Ex-Hertie, in einer Tiefgarage oder, aktuell, in der ehemaligen Kirche St. Augustin. Die Schauspielweiden GbR hat in Weiden ihren Sitz, die Produktionen sind passgenau für die Stadt inszeniert und gehen nicht auf Tournee in andere Städte, und mit Stephan Brunner ist neben den vielen Helfern hinter der Bühne zumindest einer der Gründerväter ein echter Eingeborener.

"Ich bin als Weidener süchtig, hier gutes Theater zu machen", sagt Brunner. Und der Zuspruch sein eindeutig: "Wir bekommen viele E-Mails, in denen sich Zuschauer für 'Theater mit Niveau' bedanken und sich freuen, dafür nicht mehr nach Nürnberg fahren zu müssen." An Selbstbewusstsein mangelt es dank solch positiver Rückmeldungen nicht. "Seit acht Jahren produzieren wir in Weiden Bundesliga-Theater, und das kostet eben auch mehr als zweite und dritte Liga." Für die aktuelle Inszenierung, die Shakespeare-Adaption "Henry/Georg/Krieg", beziffert er das Budget auf 25 000 Euro. "Eine teure Produktion, und das sieht man ihr auch an", räumt Brunner ein, "aber Qualität bedeutet immer auch Risiko." Andreas Deutz, ebenfalls im Produktionsteam von Schauspielweiden, betont: "Auch die Technik, die wir benutzen, ist natürlich ein Kostenfaktor, nicht nur die Gagen und Unterbringung für die Schauspieler."

Es droht die "Insolvenz"

Problematisch wird das anspruchsvolle Unterfangen erst deshalb, weil das Publikum offenbar schwächelt: Bei den bisher sechs Aufführungen der aktuellen Inszenierung blieben die Besucherzahlen hinter den Erwartungen zurück - eine Samstagsvorstellung fand vor 13 Interessierten statt, für rund 100 wäre Platz gewesen. Nicht einmal Schulklassen seien vor den Ferien gekommen, sagen die beiden. "Bisher sind es insgesamt rund 200 Zuschauer, am Ende müssten es aber mindestens 650 sein, damit wir die Kurve kriegen", rechnet Brunner vor. "Als Basis der Kalkulation dient unsere Shakespeare-Produktion 'Der Kaufmann von Venedig', die 2011 im Augustinerseminar rund 700 Leute anlockte." Man habe sich offenbar verkalkuliert - den Vorwurf müsse man sich gefallen lassen.

Nach Ostern folgen noch vier Vorstellungen, die laut den Verantwortlichen die Lage höchstens dann leicht entschärfen könnten, wenn sie ausverkauft wären. "Wenn die Leute nicht kommen, dann müssen wir, übertrieben formuliert, Insolvenz anmelden und die nächsten Jahre damit verbringen, unsere Schulden abzutragen."

Der Produzent sieht als Ursache des Dilemmas in Weiden und Umgebung eine "Sättigung im Theaterbereich", nicht zuletzt durch die Präsenz des Landestheaters Oberpfalz. Deutz hingegen vermutet mangelnde Großwerbung: "Wir müssten die Möglichkeit bekommen, öffentlich mit Transparenten und Bannern sichtbarer zu sein." Beide aber sind sich einig: Eine anspruchsvolle Inszenierung sollte finanziell auch dann abgesichert sein, wenn die Besucherzahlen schwächeln.

10 000 Euro fehlen

Und dann bringt Brunner das Problem aus seiner Sicht auf den Punkt: "Niemand bekennt sich von offizieller Stelle zu Schauspielweiden." Er betont zwar, dass gerade Weidens Oberbürgermeister Kurt Seggewiß und die Sponsoren aus der Wirtschaft sehr verlässliche Partner seien, aber das reiche nicht aus, um das Projekt am Leben zu halten. "Nur mit einer festen Förderung von 10 000 Euro pro Jahr, zusätzlich zu Spenden und Sponsorengeldern, könnten wir solide arbeiten", so sein Fazit, "dann wären jährlich sogar zwei Produktionen machbar. Wir werden weiter kämpfen."

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