09.06.2017 - 14:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Daniel Knorr mischt die Documenta in Kassel und Athen auf Avantgarde-Künstler mit Weidener Verbindung

Die Documenta in Kassel gilt als bedeutendste Kunstschau der Welt. In der 14. Auflage steckt auch ein Stück Weiden drin.

Daniel Knorr nebelt ab sofort Kassel ein. Der 49-Jährige mit Weidener Biografie gilt als einer der aufregendsten Künstler der 14. Documenta, die an diesem Wochenende in Kassel beginnt.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

An diesem Samstag öffnet das Ausstellungsgelände seine Pforten mit einer spektakulären Installation. 163 Tage lang soll täglich 10 Stunden lang weißer Rauch vom Zwehrenturm am Kasseler Kunsttempel Fridericianum aufsteigen. Der Qualm soll eine Friedensbotschaft sein und an Aleppo ebenso erinnern wie an die Bücherverbrennung der Nazis. Das Ganze nennt sich "Expiration Movement" und stammt von Daniel Knorr, der damit laut "Spiegel Online" "einer der bekanntesten Künstler der diesjährigen Documenta werden dürfte".

Dieser Daniel Knorr hat als Jugendlicher in Weiden gelebt und 1988 am Kepler-Gymnasium Abitur gemacht. "Seine Eltern flohen 1982 als Touristen von Rumänien nach Deutschland, 9 Monate später durfte der damals 14-jährige Daniel dann nachkommen", heißt es in einem stattlichen Wikipedia-Steckbrief des 49-Jährigen.

Ob er heute noch Verbindungen nach Weiden hat, ist nicht bekannt. Sein Lehrer im Leistungskurs Kunst, Wolfgang Neugebauer, hat ihn nach der Schule aber nie ganz aus den Augen verloren und als "außerordentlich begabt" in Erinnerung. Immer wieder begegnete er Knorr im Fernsehen oder in Fachzeitschriften. "Es kommt ja nicht oft vor, dass einer ein international bekannter Künstler wird." Eine seiner ersten Werkschauen hatte Knorr im Café "Salü" in der Judengasse - damals mit Gemälden.

Heute lebt er in Berlin. Zuvor hat er in München an der Akademie für Bildende Künste studiert. In München machte er 1994 erstmals mit einer Installation Furore. Er ließ Ausstellungsbesucher über ein halbes Kilo Kokain, das in Panzerglas eingeschlossen war, laufen. Es folgte ein Stipendium im US-Staat Vermont. Danach lebte Knorr von 1995 bis 1997 in New York. 2005 gestaltete der gebürtige Bukarester den rumänischen Pavillon auf der Biennale in Venedig. Zudem hat er Ausstellungen von Wien über Stockholm, Neuseeland, Los Angeles, China bis Neapel im Lebenslauf installiert.

2017 dürfte er endgültig in der Champions-League der zeitgenössischen Kunst angekommen sein. Arte, Die Zeit, die Süddeutsche, der Tagesspiegel, der Deutschlandfunk - alle rissen sich zuletzt um Knorr. Spätestens seit er im April die Schwester-Ausstellung der Kasseler Documenta in Athen bestückte. In der griechischen Hauptstadt hat er auf den Straßen Schrott gesammelt. In einem riesigen Raum quetscht er ihn in einer roten Druckerpresse zwischen leere Buchdeckel. Die daraus entstehenden Müll-Bücher können Documenta-Besucher kaufen. "Eine Archäologie der Gegenwart", schwärmt das Fachmagazin "Art".

In Kassel sind inzwischen auch Nicht-Kunstinteressierte auf den schillernden Avantgardisten aufmerksam geworden. Bei den Probeläufen zu seiner Rauch-Aktion riefen besorgte Anwohner die Feuerwehr an. Darüber schmunzelt Wolfgang Herzer vom Kunstverein. "Das erinnert mich an Joseph Beuys in seiner Weidener Zeit. Er hatte Friedrich Herlt damals vom magischen weißen Rauch aus der Firma Bauscher erzählt."

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