28.02.2018 - 16:58 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Das Armida-Quartett schlägt den Bogen vom Barock zur Moderne Auferweckung von Meisterwerken

Das Armida-Quartett hat schon 2014 bei den Meisterkonzerten begeistert. Am Freitag, 9. März (20 Uhr) spielen die Musiker erneut in der Max-Reger-Halle. Diesmal hören wir drei Stücke aus Bachs "Kunst der Fuge", das Quartett e-Moll op. 59/2 von Beethoven und das 2. Quartett F-Dur op. 92 von Prokofjew. Die Kulturredaktion sprach mit dem Quartett.

Seit dem spektakulären Erfolg beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD 2012, hat sich die Karriere des jungen Berliner Streichquartetts rasant weiter entwickelt. Bild: FelixBroede
von Peter K. DonhauserProfil

Zwei "klassischen" Quartetten stellen Sie Bach voran, der die Instrumentierung der "Kunst der Fuge" offen gelassen hat. Welche Ideen haben Sie zu dieser Zusammenstellung angeregt?

Armida-Quartett: Fuge und vierstimmiger Satz sind eine einzigartige Verbindung; strengste Komplexität und Gleichberechtigung treffen auf einen unendlichen Spielraum der Kombinationen. Einen derartigen Satz empfindet man gemeinhin als "komplett". Die Fuge stellt dieser Vollständigkeit eine gleichrangige Eigenbehauptung der einzelnen Stimmen gegenüber. Das ist wie geschaffen für das Prinzip "Streichquartett": Wie können wir vier eigene Individuen sein und doch ein Klangkörper werden? Wie finden wir Freiheit in festen Regeln? Wieviel "Eigenheit" braucht "Einheit"? Die "Kunst der Fuge" ist quasi die Essenz dieser Fragen.

1916 hat Prokofjew mit der "Symphonie Classique" op. 25 gezeigt, wie gut er mit der Musik eines Joseph Haydn vertraut ist. Serviert er uns im 2. Quartett Wiener Schnitzel oder russischen Borstsch?

Prokofjews Idee war die "Verbindung von unberührter östlicher Folklore mit der klassischsten aller klassischen Formen" - er sammelte Einflüsse der karbadinischen Volksmusik und ließ sie in einem tatsächlich klassisch dreisätzigen Quartett aufgehen - das Ergebnis ist eine wahre Farbenpracht, eine Rarität; und um beim kulinarischen Bild zu bleiben: prickelnd, vollwertig und gut abgeschmeckt!

Zwischen den drei Stücken liegen zwei Jahrhunderte Kompositions- und Aufführungstradition: Bach (1742), Beethoven (1806), Prokofjew (1941). Wie beeinflusst das ihre Interpretationen?

Wir haben uns in den letzten Jahren sehr intensiv mit den Stilmitteln diverser Epochen beschäftigt; wir haben viel neue Musik gelernt, haben Wiener Klassik studiert, haben einen Postgraduate in Historischer Aufführungspraxis belegt. Sicher fließt all dies Wissen in unsere Interpretationen mit ein. Dazu kommt noch ein sehr wichtiger Aspekt: Wir versuchen dem Stück einen ganz realen, aktuellen Bezug zu geben, es gewissermaßen "zum Leben zu erwecken".

Wir möchten keine museale Musik, die großen Meisterwerke sind auch heute brisant, bewegend, mitreißend, tröstend. Genau das versuchen wir herauszuarbeiten und in unseren Interpretationen erlebbar zu machen.

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter % 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/87290, www.nt-ticket.de und Abendkasse.

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