07.05.2017 - 17:22 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Das Cuarteto Casals begeistert mit sensationellen Interpretationen Intellekt mit Leidenschaft

Von Peter K. Donhauser

Die Interpretationen von (von links) Abel Tomàs und Vera Martinez-Mehner (Violinen), Arnau Tomàs (Violoncello) und Jonathan Brown (Viola) ragen selbst in einem Umfeld der Spitzenklasse profiliert heraus. Beim Cellisten ist der frühklassische Bogen gut zu erkennen. Bild: Kunz
von Peter K. DonhauserProfil

Weiden. Zum Abschluss der Saison 2016/17 hat der Förderkreis für Kammermusik am Freitag das Cuarteto Casals aus Madrid in die Max-Reger-Halle eingeladen, mit bewährter Quartett-Literatur im Gepäck und auf dem I-Pad - Mozart, Brahms und Bartók. Würden die Spanier sichere, ausgetretene Bahnen oder mutig neue Pfade beschreiten?

Technisch souverän

Das jüngste gespielte Opus, das dritte der sechs Bartók-Quartette ist immerhin 90 Jahre alt, sein kompositorisches Konzept verneigt sich vor den Errungenschaften Beethovens, benutzt natürlich die harmonische Diktion des 20. Jahrhunderts. Die "Casalisten" eliminieren alle Spuren der gefürchteten Sprödigkeit des Werks, spüren seinen impressionistischen Klangfarben nach, beleuchten folkloristische Einflüsse. So leidenschaftlich, so technisch souverän muss Bartóks Intellekt zum Leuchten gebracht werden! 52 Jahre früher (1875) hatte Brahms sein drittes Quartett op. 68 in B-Dur vorgelegt. Es erntet bisweilen gönnerhaftes Schulterklopfen für sein gründlich-gekonntes Handwerk, für seine innovativen Formmodelle und wird dann leider mit pappig-behäbiger, Zigarren paffender Betulichkeit kredenzt. Ganz anders das Casals-Quartett: Die fabelhaften Vier haben die Partitur mit Röntgenlaser durchleuchtet und führen strikte Klangregie. Sie haben den Zigarrenrauch mit spanischer Luft ausgetrieben, glasklar sehen wir Motive und Themen im Vorder- wie Hintergrund der Klangbühne agieren. Die für Streicher so unangenehmen Klavier-Dreiklang-Brechungen erscheinen mühelos luftig, das Werk von poetischer und einem Schuss ironischer Fantasie (Schlusssatz) marmoriert.

Noch einmal 91 Jahre früher ist Mozarts KV 458 in B-Dur datiert. Die brillanten Musiker stellen es an den Anfang des Programms. Aber zuerst demonstrieren sie den Beginn des Mozart-Quartetts mit modernem Tourte-Bogen: Wir hören einen zentrierten, punktuellen, gerichteten Klang. Dann dasselbe mit einem frühklassischen Bogen, wie er in Leopold Mozarts Violinschule abgebildet ist. Dieselben Instrumente klingen auf einmal wolkiger, sensibler, klarer sprechend, farbenreicher, und so hören wir das ganze Opus: Dissonanzen werden nicht verharmlost, sondern in ein Spot-Light gestellt, Vibrato so überzeugend als Ausdrucksmittel eingesetzt wie selten.

"Saitensprung" bei Zugabe

Die vor Ehrfurcht geronnene "Wunderkind-Patina" Mozarts ist abgebeizt. Wolfgang Amadeus zeigt seine sensible, emotionale, "menschliche" Seite. Er darf tiefsinnig, berührend warmherzig, erfrischend spontan, witzig und rotzfrech sein. Eine moderne, historisch informierte Darstellung des "Jagdquartetts" auf allerhöchstem Niveau! Der Himmel lacht, die Erde jubiliert! Als Zugabe der zweite Satz aus Beethovens op. 135, leider vorzeitig beendet durch den "Saitensprung" der Violin-E-Saite von Martinez-Mehner.

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