Das „Duo d’Accord(s)“
Vom Taxifahrer zu „Charlie Hebdo“

Die Franzosen Hervé Glatigny und Isabelle Günther sangen im "Bistrot Paris" Chansons. Erst seit eineinhalb Jahren proben sie zusammen. Bild: esa

Die Liebe, Probleme Jugendlicher und immer wieder Paris - das "Duo d'Accord(s)" führte eine abwechslungsreiche Mischung französischer Chansons auf. Isabelle Günther und Hervé Glatigny sangen am Samstagabend über 40 französische Stücke im "Bistrot Paris". Die meist ruhigen, nachdenklichen, selten rockigen Chansons erfreuten frankophile Zuhörer, die Mitglieder des Französisch-Stammtischs und Französischlehrer.

Die Reihenfolge der Titel legte das Publikum fest: Die Zahl, die ein Gast zur Bühne rief, korrespondierte mit einem Titel. Deshalb war der erste gleich ein Solo für Glatigny: "La fleur aux dents" (Joe Dassin). Der Gitarrist und Sänger lebt seit 20 Jahren in Weiden und arbeitet in einer Galerie. Er kündigte die Chansons mit französischem Akzent an, erzählte, welcher Musiker mit wem eine Liaison hatte oder in welchem Film zu sehen ist.

Et voilà, beim zweiten Titel legte die Fremdsprachenkorrespondentin Günther los. Mit ungewöhnlich heller, hoher Stimme interpretierte sie "Joe le taxi" - und die ersten Zuhörer stimmten ein. In dem Text heißt es, dass Taxifahrer Joe Rumba hört - auch das Publikum im "Bistrot Paris" vernahm zwischendurch weniger französische Klänge: Im Untergeschoss war eine Veranstaltung der Tanzschule Vezard. Leider drangen lateinamerikanische Rhythmen immer wieder nach oben und mischten sich mit dem Dreivierteltakt der französischen Chansons.

Seine Wandelfähigkeit zeigte Glatigny in "Dans la salle bar-tabac dans la rue des Martyrs". Die Zuschauer lachten, als der Franzose mit kratziger Stimme inbrünstig sang. Er führte mit Günther nicht nur Klassiker von Edith Piaf oder Jacques auf, sondern interpretierte auch neuere Chansons wie "Je veux" von Zaz. Das Publikum hörte Stücke vom Belgier Jacques Brel oder der spanischen Band Mecano. Auch ein Schlaflied und das durch die Attentate auf die Redakteure von "Charlie Hebdo" bekannt gewordene "Les loups sont entrés dans Paris" interpretierte das Duo. Nach dreieinhalb Stunden erntete es viel Applaus für sein fünftes Konzert.
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