15.09.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Der englische Musikwissenschaftler Will Frazer holt Max Reger in die multimediale Gegenwart Max Reger Maximum

Zu Regers 100. Todesjahr legte Susanne Popp 2016 das Buch "Werk Statt Leben" vor und setzte damit einen Meilenstein für die Bewertung Regers auf aktuellem wissenschaftlichem Stand. Will Fraser (London) hat mit "Maximum Reger" noch eins draufgesetzt: Sage und schreibe sechs DVDs erweitern die schrift- und bildgebundene Information des Buches anschaulich und lebendig. Reger zum Hören, zum Sehen, zum Greifen nah.

Sechs DVDs, 50 Aufführungen, 1000 Minuten Reger in Wort, Schrift, Audio und Video. Repro: Dotzauer
von Peter K. DonhauserProfil

Reger in regem Diskurs

Schon die Quantität, doch nicht nur sie, verdient Hochachtung: 1000 Minuten Spielzeit, über 50 gefilmte Aufführungen - viele davon aus Weiden - sowie drei DVDs, die chronologisch Regers Lebensstationen abbilden. Hierbei treffen wir zwei Protagonisten des Max-Reger-Instituts, Susanne Popp (im Gespräch mit der Sopranistin Frauke May) und Jürgen Schaarwächter. In einer Art platonischem Dialog erschließen sie Regers Entwicklung. Die Gespräche sind treffend garniert mit Bildern, Noten und Musikvideos. Besonders gefällt die Überblendung von historischen zu aktuellen Fotos, beispielsweise aus dem Weidener Umfeld Regers. Klug und erhellend sind die dezent eingestreuten Musikanalysen.

Mit Blick auf eine internationale Verbreitung sind die DVDs deutsch wie englisch, Untertitel sind in beiden Sprachen wählbar. In einem Rutsch sollte man die drei biografischen DVDs aber nicht ansehen: Die Konzentration auf das dialogische Format nutzt sich doch etwas ab, mehr Abwechslung hätte gut getan.

Eine einzigartige Kompilation formieren die 50 gefilmten Aufführungen. Im Unterschied zu Schallplatte und CD gibt es keine Abspaltung des Tons vom Bild, die Musiker treten aus der optischen Anonymität heraus, das ist wie im richtigen Konzert-Leben, gerade Regers komplexer Musik tut dies besonders gut. Bei der Wiedergabe ist auch 5.1-Surround wählbar, die Aufnahmen erklingen dann in bestechend klarem, plastischem Sound, der vor allem den Orgelaufnahmen besondere Raumwirkung verleiht.

Glückliches Händchen

Alle Interpreten aufzuführen, fehlt hier der Platz: Man hat bei der Auswahl großenteils ein glückliches Händchen bewiesen: Von den Pianisten seien genannt Reger-Klavier-Experte Markus Becker, Rudolf Meister und Oliver Kern. Dabei ist das Aris- und das Diogenes-Quartett, der Cellist Julius Berger, die Organisten Bernhard Buttmann (arg nüchtern wie es Reger eben nicht war), Graham Barber und Bernhard Haas, letzterer legt die Messlatte hoch, spielt souverän auswendig, ohne Assistent, registriert exemplarisch transparent.

Gut ausgewählte Orgeln, darunter die Weimbs in der Michaelskirche Weiden und die grandiose Sauer im Dom zu Bremen (Haas), sind zu hören, alle Dispositionen sind angegeben. Das Booklet bildet das Werkverzeichnis Regers ab, die eingespielten Stücke sind gut zu finden. Die Auswahl gibt zwar einen brauchbaren Querschnitt, man vermisst aber vokale Ensemblemusik für kleine Männerchöre oder große gemischte Besetzungen wie zum Beispiel Volksliedsätze oder die "Geistlichen Gesänge" op. 138.

Will Frasers DVDs kann man jedem Reger-Freund wärmstens ans Herz legen. Zusammen mit Susanne Popps Buch wird aus "Maximum Reger" ein "Optimum Reger". Ausschnitte davon sind zu sehen beim Reger-Filmeabend am Freitag, 6. Oktober (19.30 Uhr), im Alten Schulhaus (Schulgasse 3a) in Weiden.

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Weitere Informationen:

www.fuguestatefilms.co.uk

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