Der Weidener Autor Raimund A. Mader legt mit "Glasberg" sein Krimi-Debüt vor - Buchvorstellung ...
Brutaler Doppelmord erschüttert die Oberpfalz

Schreibt über ein halb fiktives, verfremdetes Weiden: Gymnasiallehrer und Romanautor Raimund A. Mader. Bild: hfz
Mit einem Doppelmord eröffnet Raimund A. Mader seinen Erstlingskrimi "Glasberg" (324 Seiten, ¤ 9.90, Gmeiner Verlag). Morde kommen ins Krimis zwar nicht selten vor, spielen in diesem Buch aber eine besondere Rolle, da sie in der Oberpfalz, genauer in Weiden stattfinden. Hier lebt und arbeitet Mader (geboren 1952 in Bad Tölz) als Gymnasiallehrer.

Am 15. Juli (20 Uhr) stellt er sein Buch in der Weidener Regionalbibliothek vor, am 17. Juli (20 Uhr) liest er im Taubnschusterhaus in Eschenbach. Karten gibt es an den Abendkassen. Die Kulturredaktion führte mit ihm dieses Interview.

Es heißt ja oft, dass Lehrer beruflich so eingespannt sind. Wie haben Sie es trotzdem geschafft, neben Ihrem Beruf noch einen Krimi zu schreiben?

Mader: Ich habe dem Buch eine Widmung vorangestellt, in der ich meiner Frau für die "geschenkte Zeit" danke. Dies nicht von ungefähr, denn es war vor allem unsere gemeinsame Zeit, die durch das Schreiben vielfach etwas kurz kam. Meist habe ich die Stunden, nachdem unsere kleine Tochter im Bett war, genutzt, um an dem Buch zu arbeiten. Auch in den Ferien war natürlich Zeit, sich dem Schreiben zu widmen. Mehr als drei Jahre habe ich für diesen Erstlingsroman gebraucht habe.

Warum haben Sie sich gerade das Genre des Kriminalromans für Ihr literarisches Debüt ausgesucht?

Mader: Ich habe seit meiner frühesten Jugend Freude an der Lektüre von Krimis gehabt und kann mich - man möge mir das glauben - noch an die Situation erinnern, als mir vor vielen Jahren die Bibliothekarin in der Stadtbücherei von Bad Tölz einen dünnen Krimi in die Hand drückte und dabei zu meiner besorgten Mutter sagte: "Den kann er schon lesen."

Seit jenen Kindheitstagen habe ich mich quer durch die Welt der Krimis gelesen und bin mittlerweile bei den schwedischen Autoren um Mankell gelandet. Neben dieser "reinen Liebe" ist es aber auch die eher starre Struktur dieses Literaturgenres, die es einem Anfänger erleichtert, erste eigene Schritte zu tun.

In "Glasberg" geht es um einen brutalen Doppelmord, der in Weiden geschieht: Ein bekannter Politiker und seine schwangere Tochter werden kaltblütig ermordet. Gab es einen aktuellen oder historischen Anlass dazu?

Mader: Mir geht es in dem Roman nicht um Tagesaktualitäten. Dennoch ist der Ausgangspunkt für die Handlungsstruktur tatsächlich an einem Ereignis, einem historischen Vorgang, festzumachen: So gelang es Schülern des Eschenbacher Gymnasiums gegen Ende der 60er Jahre, in den Tagen und Monaten des "Prager Frühlings", einen Austausch mit einem Gymnasium in der damaligen Tschechoslowakei zu initiieren.

In meinem Roman spielt dieser Austausch eine zentrale Rolle. Der Gedanke, dass das Böse unabdingbarer Teil der menschlichen Existenz ist, soll, gerade vor dem Hintergrund von Freundschaft und jugendlicher Offenheit und Toleranz, besonders deutlich werden. An diesem Punkt beginnen sich Realität und Fiktion zu durchdringen. Was, wenn ein "unsäglicher" Vorfall während dieses Schüleraustausches zu Konsequenzen führt, die in ihrer Bösartigkeit bis in die Gegenwart hineinreichen?

Warum spielt der Roman ausgerechnet in Weiden? Sie hätten sich ja auch eine andere Ortschaft ausdenken können?

Mader: Weiden ist die Stadt, in der ich mich seit etwa zehn Jahren beruflich sehr wohl fühle, in der sich ein entscheidender Teil meines Lebens auch abspielt. Meine Figuren in einer mir vertrauten Umwelt agieren zu lassen, erwies sich deshalb als nahe liegend.

Dennoch ist das Weiden des Romans ein bewusst verfremdetes Weiden. Reale Elemente werden genommen und in neuer Funktion genutzt. Ziel ist es ja nicht, einen detailgetreuen Regionalkrimi zu schreiben, sondern einen Roman, der notwendigerweise in einer bestimmten Region spielt.

Auffallend ist, dass viele Personen und Orte beim Namen genannt werden. Einige sind verschlüsselt, andere deutlich erkennbar. Absicht oder künstlerische Freiheit?

Mader: Wohl beides. Ich habe in diesem Zusammenhang meine künstlerische Freiheit sehr bewusst genutzt, um ein Geflecht aus realen Elementen, wie zum Beispiel dem Mord an Olof Palme oder der "Affäre Klankermeier" und den Verbrechen in meiner fiktiven Welt zu erzeugen. Ein Spiel mit Realität und Fiktion. Manches dabei wird von allen potenziellen Lesern als solch ein Spiel wahrgenommen werden, manches allerdings nur von einem Weidener Publikum. Grundsätzlich gilt jedoch immer, dass alle Bausteine der Romanwelt, Orte oder Personen, natürlich frei erfunden sind.

Im Roman tauchen einige Weidener Ungenauigkeiten auf, wie zum Beispiel das Kreiskrankenhaus, 50 000 Einwohner oder "Oberpfälzer Kurier". Glauben Sie nicht, dass man Ihnen hier mangelnde Recherche vorwerfen könnte?

Mader: Hier halte ich es mit Henning Mankell, der sagt: "Die Freiheit des Romans beinhaltet auch, dass man einen See verlegen, eine Straßenkreuzung verändern und eine Entbindungsstation umbauen kann ..." Ähnlich gehe auch ich vor. Gerade die Abweichung von offenkundigen, leicht recherchierbaren Gegebenheiten unterstreicht die Tatsache, dass es sich um ein bewusst verfremdetes Weiden handelt, in dem die Personen bei all ihrer Realitätsnähe doch nur erfundene Figuren sind.

Wie brisant schätzen Sie die Passage über die sexuelle Beziehung eines Lehrers zu einer Schülerin ein?

Mader: Hier geht der Roman auf ein Tabuthema ein, auf etwas, das im realen Schulalltag nicht passieren darf. Dennoch ist natürlich gerade der Bruch von gesellschaftlichen, moralisch gültigen Regeln, von Konventionen, immer das Thema von Kriminalromanen. Die Ordnung seiner Welt aus den Angeln zu heben, ist ein Anliegen des Kriminalromans, ein anderes ist es, diese Ordnung wieder herzustellen.

Solange diese Thematik nicht in reißerischer, voyeuristischer Art und Weise verwendet wird, scheint mir dies in Ordnung. Im "Glasberg" ist das Verhalten des Lehrers und der Schülerin eingebettet in die Zusammenhänge des Gesamtromans, erfüllt somit eine Funktion für die Handlungsstruktur. Letztlich muss der Roman die Freiheit besitzen, das zu beschreiben, was denkbar ist.

Einer der ermittelnden Beamten trägt den selben Namen wie der Direktor Ihrer Schule? Weiß er davon, dass Sie Ihn literarisch verewigt haben?

Mader: In der Tat habe ich meinen Schulleiter gebeten, seinen Namen verwenden zu dürfen. Er hat mit Souveränität und Gelassenheit darauf reagiert und sich wohl auch ein kleines bisschen darüber gefreut, nun literarisch "verewigt" zu sein.
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