19.03.2017 - 18:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Die Singphoniker führen auf die Höhen und in die Abgründe Wiens: Launige Melange aus Schubert und Kreisler

Von Peter K. Donhauser

In einem außergewöhnlichen Konzert in der Max-Reger-Halle ehrten die Singphoniker das Schaffen der Komponisten Franz Schubert und Georg Kreisler. Bild: kzr
von Peter K. DonhauserProfil

Weiden . Diese Sechs bilden die Truppe: Johannes Euler, sein Countertenor verleiht dem Ensemble die silberglänzende Klangkrone. Daniel Schreibers schlank-fokussierter Tenor korrespondiert hervorragend mit dem Counter, ohne diesen führt sie im Gesamtklang. Henning Jensen, der 2. Tenor intoniert weicher, Bass-Bariton Michael Mantaj und Bass Christian Schmidt locker-füllig. Letztere vermitteln die beste Sprachverständlichkeit. Berno Scharpf greift wendig in die Tasten.

Ein Dream-Stimm-Team

Die Münchener Singphoniker sind am Freitag Gäste beim Förderkreis für Kammermusik. Ihr Programm in der Weidener Max-Reger-Halle kreist um Georg Kreisler (1922-2011) und Franz Schubert (1797-1828. Die umfassende, fast etwas reichliche Moderation beleuchtet Biografie und gesellschaftliches wie politisches Umfeld der beiden Wiener. Schon in Schuberts einleitendem a-cappella-Lied "Sehnsucht" zieht die vokale Fünffaltigkeit ihre höchsten Trümpfe: Bis hin zu den beiden Zugaben erleben wir einen traumhaft homogenen, makellos intonierten, schwebenden und obertonreichen Ensembleklang. Tenorales Macho-Testosteron steht hingegen auf der roten Liste. Jede Silbe, jeden Vokal, jeden Schweller gestalten sie so einheitlich als wären sie eine Person. Die Vokalsätze entwickeln eine suggestiv-beschwörende Dichte und Aussage. Dieses feinnervige Format (nicht die spätere Liedertafel) ist genau das richtige für Schuberts intime Kunst für private Kreise. Die recht oft melancholischen Texte behandeln die Themen Natur, Traum, biedermeierliche Idylle, Sehnsucht und Liebe. Höhepunkte sind das "Dörfchen", "Wehmut" und "Ruhe, schönstes Glück der Erde".Das Programm verordnet uns allerdings ein Kneipp-Wechselbad: Neunmal ein Schubert, dann ein Kreisler, jeweils an die drei Minuten. Diese Dramaturgie überzeugt nicht restlos: Kaum sind wir in Schuberts Musik und Poesie eingetaucht, geht es unter die Kreisler-Dusche und gleich zum Seminar mit Moderation, die nur manchmal konkreten Bezug auf die gesungenen Texte nimmt. Wann wollen, dürfen, sollen wir da applaudieren?

Verlorener Wortwitz

Zudem erweist sich die Verständlichkeit der Lieder mit begleitenden Tonsilben oder Klavier mit offenem Deckel als problematisch. Da geht einiges an Kreislers legendärem Wortwitz verloren. Textabdruck wäre ratsam gewesen. Das Eis knackt der "Kärntner Männerchor" an, erst der "guade oide Franz" bricht es. Klugerweise versuchen die Sänger nicht, Kreislers Stimme oder Dialekt zu imitieren; sie interpretieren ihn in Hörweite mit den "Comedian Harmonists".

Hochstimmung bei dem in anarchistischem Vergnügen badenden "I hab koa Lust" und dem "Herrlichen Weib", das sich der Leistungsgesellschaft entzieht und einfach nur schön und verführerisch ist - wie so oft auch Frau Musica. Als Zugabe und Nachspeise frisch "Vergiftete Tauberln" aus dem Max-Reger-Park.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.