Dirigent Florian Helgath, Solisten und das "ChorWerk" Ruhr begeistern mit Rossinis "Petite ...
Frohbotschaft à la Rossini

Donnernden Applaus gibt es für ein atemberaubendes Erlebnis beim Förderkreis für Kammermusik. 33 Profi-Sänger des "ChorWerk Ruhr" bescheren ein Konzert mit höchster Chorkultur. Bild: Gabi Schönberger
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
04.02.2018
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Von Peter K. Donhauser

Weiden . In Vielzahl strömen am Freitag Freunde und Fans der Weidener Meisterkonzerte in die Max-Reger-Halle, obwohl das Programm untypisch für die Konzertreihe war: Geistliche Musik, die man eher in einer Kirche verorten würde, Rossinis "Petite Messe Solennelle". Der Abend gerät zu einem triumphalen Erfolg aller Musiker, an ihrer Spitze Dirigent Florian Helgath.

Famose Interpretation

Gioachino Rossini (1792-1868), der hochgeachtete Opernkomponist, näherte sich der altehrwürdigen Gattung Messe mit Respekt vor der Tradition, im Vollbesitz des kompositorischen Handwerkszeugs, im Glauben an die religiöse Frohbotschaft, nicht zuletzt mit überzeugender Selbstsicherheit. Wie sein Nachwort zur Messe beweist, kommunizierte er aufrecht, optimistisch und ein wenig ironisch mit seinem Schöpfer. Weder sein 71-jähriges Leben noch kirchliche Autoritäten hatten ihn 1863 gebeugt oder frömmelnd auf den Betschemel nieder gezwungen.

Die famose Interpretation der Musiker spiegelt diese Haltung Rossinis: Wir erleben 85 Minuten große Musik, klar, direkt, transparent, nie mit Effekten aufgebrezelt, nie mit Weihrauch aus den Arsenalen des Cäcilianismus geschwängert. Helgath und sein Team haben sich akribisch vorbereitet, um reiche Klangfarben gerungen, sie haben die heikle Intonation der chromatischen und enharmonischen Harmonien von allen Sünden erlöst.

Ein Glücksfall ist das hochsensibel spielende Klavierduo Yaara Tal & Andreas Groethuysen. Die beiden teilen sich bei den Solopassagen den Klavierpart auf, zeigen dann - ohne Dirigat - die hohe Kunst der Liedbegleitung. Ein Schmankerl ist das gleich nach 16 Takten in eine (manchmal arg Sequenzen-freudige) Fuge mündende Prélude religieux, das auch aus Bachs Wohltemperiertem Clavier - dynamisch bearbeitet von Max Reger - stammen könnte. Immer wieder steuert Max Hanft mit perfekter Balance Schweller-Künste des Harmoniums bei.

Ein Glücksgriff sind die vier Solisten: Im Quartett erdet sie der voluminöse und klare Bass Michael Volle, er singt mit geradezu episkopaler Würde. Goldmetallisch schimmernd der bewegliche Tenor Tilman Lichdi. Berührend die warmen und ausdrucksstarken Stimmen von Anke Vondung (Alt) und Gabriela Scherer (Sopran).

Höchste Chorkultur

Ein atemberaubendes Erlebnis höchster Chorkultur bescheren die 33 Profi-Sänger des "ChorWerk Ruhr": Bewegender Ausdruck, perfekte Homogenität der Stimmen, penible Artikulation (das Kirchenlatein wird italienisch gesprochen, richtig bei Rossini), reiche Dynamik vom mehrfachen Piano bis zum Fortissimo. Die virtuosen Fugen wie im "Cum Sancto Spiritu" singen sie "con spirito", swingend-zügig und doch beseelt, nie klebrig, phänomenal die Durchhörbarkeit.

Ein Talent: Florian Helgath beherrscht die Kunst des Chordirigierens überragend. Mit lockerer Konzentration ruft er die Ergebnisse der Probenarbeit ab, inspiriert, begeistert seine Mitmusiker, vermittelt die Botschaft an Kopf und Herz der Hörer. Applaus in Erdbebenstärke.
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