15.04.2018 - 16:58 Uhr
Oberpfalz

Dominique Horwitz und das Arte-Ensemble in der Max-Reger-Halle Meisterwerke gekonnt interpretiert

Witzig ist der vorgetragene Prolog zum ersten Musikstück, den der Erzähler des Abends, der Schauspieler Dominique Horwitz vorträgt, dann eröffnet Erwin Schulhoffs "Suite für Kammerorchester" in der Bearbeitung von Andreas N. Tarkmann das ungewöhnliche Programm.

Einen großen Konzertabend bietet das Arte-Ensemble zusammen mit dem Schauspieler Dominique Horwitz in der Weidener Max-Reger-Halle. Bild: Kunz
von Reinhold TietzProfil

Einem festlichen "Prolog" folgt "Ragtime" als feinsinnige Variante des Titels. Und so geht es weiter. Kein Wunder, dass der Zuschauerraum der Max-Reger-Halle gut besetzt ist. Auf Einladung des Weidener Förderkreises für Kammermusik gestalten Kathrin Rabus (Violine), Albert Sommer (Kontrabass), Guido Schäfer (Klarinette), Malte Refardt (Fagott), Matthias Höfs (Trompete), Emil Haderer (Posaune), Andreas Boettger (Schlagzeug) und Markus Becker (Klavier) den Abend. Rhythmisch präzise werden verschiedene Tänze in neuen Klangfarben und neuartiger Spielweise der Instrumente dargeboten. So "Valse", "Boston" und der nachfolgende "Tango", ebenso "Shimmy", anschließend "Step" und zum guten Ende "Jazz" - also die Stilrichtung, die den Musikstil in der damaligen Zeit immer wieder beeinflusste. Das absolut gekonnte Spiel des Arte-Ensembles führt die diversen Musikcharaktere überzeugend vor. Umso tragischer, dass ein solch begabter Komponist 1942 sein Leben im Konzentrationslager lassen musste.

"Mäßig bewegt"

Im Programm folgt nun das "Quartett für Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier" von Paul Hindemith. Ute Sommer tritt als Cellistin zu den anderen Interpreten. Nachdenklich in der Sinngebung beginnt das Werk "Mäßig bewegt", wobei sich die Instrumentalisten gegenseitig in Melodien und deren Begleitung abwechseln. Dominantes Instrument ist das Klavier, das die musikalischen Ideen in ihrer neuen Wertigkeit der Intervalle vorbereitet wie darstellt. Ebenso bemerkenswert ist das Spiel der Klarinette, das im Zusammenklang mit den beiden Streichinstrumenten immer besondere Klangwirkungen hervorzaubert.

"Bunte Töne"

Das wirkt sich besonders im 2. Satz aus, der "Sehr langsam" erklingen soll und in getragenen Passagen wie in leidenschaftlichen Stimmungsausbrüchen beeindruckt. Kompliziert in seiner Struktur ist das Finale mit seinen verschiedenen Tempoangaben, die in unterschiedlichen Episoden eine glaubhafte Entwicklung von musikalischen Aussagen vorführen. "Bunte Töne" benennt ein Konzertbesucher zu Recht danach die Wirkung des Werks.

Nach der Pause erklingt "Die Geschichte vom Soldaten" von Igor Strawinsky. Sie entstand 1917 in einem kleinen Ort in der Schweiz, in dem der Komponist seit 1914 lebte. Deshalb die kleine Besetzung. Horwitz erzählt den witzigen Kampf zwischen Soldat und Teufel, das Arte-Ensemble spielt passend zu den jeweiligen Vorfällen, ob es sich um eine "Szene am Bachufer", einen "Marsch des Soldaten" oder andere Vorkommnisse handelt. Nach einem Empfang sogar beim König wird der Soldat am Ende vom Teufel geholt. Vom Ausruf des Soldaten "oh wie wohl ist mir" bis zum Triumphmarsch des Teufels reicht die Palette.

Dominique Horwitz bildet dabei mit seiner zu allen Ereignissen passenden Sprechweise die ideale Erweiterung der vielfältigen musikalischen Darstellung durch die Musiker. Diese umfasst virtuose Geigensoli ebenso wie Bläserchoräle, die wohlklingend wie dissonant (im "Triumphmarsch des Teufels") erklingen. Der Beifall ist riesengroß und berechtigt. Zweifellos ist es ein Risiko, drei Werke aus dem 20. Jahrhundert an einem Abend vorzustellen. Aber die erweiterte Tonalität passt in der gekonnten Vorstellung durch die Ausführenden zum Charakter jeder einzelnen Idee. Und so soll es sein.

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