21.11.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Duruflé und Höller in St. Michael Beeindruckendes und inniges Requiem

Der Franzose Maurice Duruflé hat zweifelsohne eine der ergreifendsten Vertonungen der lateinischen Totenmesse geschaffen. Bei dem Konzert in St. Michael ist dies hör- und spürbar.

Die Kantorei Weiden dicht gedrängt auf der Empore der Michaelskirche
von Harald BäumlerProfil

Basierend auf den gregorianischen Themen des Requiems spiegelt Druflé gebetsgleich die Gefühle der Menschen im Angesicht ihres unbegreiflichen, aber auch tröstlichen Schicksals wider. Der Komponist hat aufgrund seines hohen Selbstanspruchs nur wenige Werke hinterlassen, diese aber von auserlesener Güte.

Es war in der Kirche St. Michael hör- und spürbar, mit welcher Tiefe der Vorbereitung sich die Kantorei Weiden unter Leitung von Hanns-Friedrich Kaiser auf dieses Requiem eingelassen hatte. Zuverlässig brachten sie die verzwickte Harmonik intonationssicher dar und leuchteten die Dynamik in ihrer vorgegebenen Extremhaftigkeit aus. Die verschiedenen Stimmgruppen agierten in den polyphonen Strukturen hervorragend durchhörbar und ließen auch die einstimmigen Stellen als solche überzeugend genießen.

Für die beiden Vokalsolisten hat Duruflé keine großen Glanzpartien geschrieben, sondern die Soli behutsam in den Gesamtkontext eingebettet. Manuel Kraus sang mit raumfüllender Bass-Stimme sowohl den "Hostias"-Teil als auch im "Libera me". Im "Pie Jesu" agiert neben der Altistin ein von Duruflé als "ad libitum" bezeichnetes Violoncello. Gut, dass Kaiser diesen Part besetzt hat, denn Janusz Skutella ließ sein Cello herzerwärmend singen, während sich Karin Steer für einen eher robusten Interpretationsansatz entschied.

Organistin Ute Neger hatte einen ordentlichen Notenberg zu bewältigen, was ihr sicher gelang. Zusammen mit ihrer persönlichen "Orchestrierung" des Werks in Form zahlloser Klangfarbenmischungen aus dem scheinbar unerschöpflichen Farbtopf der Max-Reger-Gedächtnis-Orgel leistete sie einen unverzichtbaren Beitrag zum Gelingen des Konzertes. Nicht zu vergessen die Leistung von Hanns-Friedrich Kaiser, der das Requiem mit seinen ungezählten Takt- und Tempowechseln zu jeder Zeit sicher leitete und den Konzertauftakt an der Orgel mit einer beeindruckenden Ciacona aus der Feder von Karl Höller setzte. Am Ende spürten die Zuhörer in einem Moment der Stille den Klängen nach, bestimmt auch in der Unsicherheit, ob nach einem Requiem geklatscht werden darf oder soll. Letztlich setzte sich die Überzeugung durch, dass sie die Leistung der Musiker nur durch starken Applaus würdigen können.

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