13.03.2018 - 15:06 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Ehepaar Teutsch schenkt Tachauer Heimatmuseum Familienexponate aus Perlmutt Glänzendes Geschenk

Das Tachauer Heimatmuseum ist um einen großen Schatz reicher. Was als Ausstellung auf Zeit gedacht war, wird das Museum nun auf Dauer schmücken: Schimmernde Ketten, Bilderrahmen, Spiegel und natürlich Knöpfe aus Perlmutt.

Schmuckkästchen, Handspiegel, Knöpfe in allen Größen und kleine Kunstwerke aus Perlmutt gehören zu der umfangreichen Sammlung an Familienexponaten, die Karl Teutsch junior (rechts) und seine Frau Evelyne (links) dem Tachauer Heimatmuseum geschenkt haben. Zur Freude von Museumsleiter Sebastian Schott und Kulturamtschefin Petra Vorsatz. Die Ausstellung ist aktuell auf unbestimmte Zeit verlängert. Bilder: Schönberger (3)
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Zu verdanken ist das einem sehr traurigen Umstand und einem darauf folgenden großzügigen Entschluss: Nachdem Karl Teutsch senior im Dezember im Alter von 95 Jahren verstorben ist, hat sich sein Sohn Karl Teutsch junior entschlossen, dem Tachauer Heimatmuseum die ursprünglich als Leihgabe überlassenen Exponate aus Familienbesitz zu schenken.

Im August 2017 hatte er noch gemeinsam mit seinem Vater - der Senior ist vielen als ehemaliger Direktor der Vereinsbank Weiden noch bestens in Erinnerung - die Sonderausstellung im Tachauer Heimatmuseum eröffnet. "Kunsthandwerkliche Objekte aus Holz und Perlmutt der Tachauer Werkstätten Teutsch und Seitz aus den 1920er bis 1940er Jahren", lautete der Titel. Es handelt sich um ein Stück Kulturgut, das er in würdevolle Hände abgeben möchte, sagte Karl Teutsch junior bei der offiziellen Übergabe am Montag. "Bei Dr. Sebastian Schott weiß ich es in guten Händen", versicherte er dem Leiter des Tachauer Museums.

Dabei umfasst der geschenkte Schatz "noch wesentlich mehr als das, was momentan in den Vitrinen zu sehen ist", sagte Kulturamtschefin Petra Vorsatz. Viele Stücke, die Karl Teutsch junior und seine Ehefrau Evelyne dem Heimatmuseum geschenkt haben, müssen erst noch katalogisiert werden. Schon jetzt in den Vitrinen zu sehen ist unter anderem ein in kunstvoller Handarbeit gefertigtes Kreuz aus Perlmutt. "Davon gibt es nur ein einziges Pendant, das mein Großvater für den Veitsdom in Prag gestiftet hat", erzählt Karl Teutsch aus der wechselvollen Familiengeschichte.

Sein Urgroßvater Johann Teutsch hatte von der k.-und-k.-Monarchie den Auftrag erhalten, zur Industrialisierung der damals sogenannten Notstandsgebiete beizutragen, zu denen auch Teile von Böhmen zählten. Deshalb kam er um 1885 von Wien nach Tachau und gründete dort die Tachauer Knopffabrik Johann Teutsch und Söhne. "Mein Großvater Karl Teutsch und seine Frau Maria übernahmen den Betrieb etwa 1920 und haben ihn weiter ausgebaut." Die Firma nannte sich später Karl Teutsch und Co.

Sie machte nicht nur gute Geschäfte mit Holzperlen, die für Gebetsschnüre vor allem in den Libanon und die Türkei exportiert wurden. Daneben florierte das Geschäft mit Perlmutt-Knöpfen. Das Perlmutt stammte übrigens aus Südsee-Muscheln, die als Schiffsballast in Deutschland ankamen. Zu Hunderttausenden wurden die Knöpfe in alle Welt versandt. Davon zeugen auch Briefumschläge, die ebenfalls im Tachauer Heimatmuseum zu sehen sind. Sie belegen Handelsbeziehungen nach Syrien, Ecuador, Israel, in den Libanon und so weiter. "Das zeigt, dass die Globalisierung keinesfalls erst in den letzten 20 Jahren entstanden ist", schmunzelt Schott.

Der Zweite Weltkrieg setzte dem jedoch ein Ende. Vor der Aussiedlung 1948 gelang es Maria Teutsch und ihrem Sohn Karl, einen Teil der Perlmuttgegenstände aus Privatbesitz von Tachau nach Bärnau zu bringen, wo die Familie einen Zweigbetrieb besaß. "Das waren Nacht- und Nebelaktionen", erzählt Karl Teutsch. "Vieles ist dort geblieben."

Einige Jahre nach Kriegsende nahm seine Großmutter Maria die Knopfproduktion in kleinem Rahmen wieder auf. Doch die Konkurrenz aus dem asiatischen Raum sorgte dafür, dass die Produktion Mitte der 50er Jahre endgültig eingestellt werden musste. Ihr Sohn Karl machte Karriere bei der Bank, dessen Sohn Karl wiederum schlug die Laufbahn als Sonderschullehrer ein und unterrichtete vor seiner Pensionierung in Nabburg. Doch auch wenn an den Familienstücken viele Erinnerungen hängen. Seine Frau und er möchten, dass sich möglichst viele Menschen an den Exponaten aus Perlmutt erfreuen. Sie sind überzeugt: "Im Tachauer Heimatmuseum sind sie bestens aufgehoben."

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