08.02.2018 - 20:00 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Englischsprachige Tragödie „Romeo and Juliet“ lockt viele Schüler in die Max-Reger-Halle Ansturm auf den Klassiker

"It was the nightingale, and not the lark": Vogel ist Vogel, würde wohl der unbedarfte Zuhörer meinen. Stimmt nicht ganz, denn gerade diese Vögel - Nachtigall und Lerche - haben eine besondere Bedeutung für das Schicksal der beiden Liebenden auf der Bühne.

von Holger Stiegler (STG)Profil

Am Mittwochabend ist es nicht irgendein Liebespaar, das in der Max-Reger-Halle zu sehen ist: Es ist wohl das berühmteste in der Literaturgeschichte: "Romeo and Juliet" von William Shakespeare, nicht in deutscher, sondern in der englischen Originalsprache von der "American Drama Group Europe" in Kooperation mit dem "TNT Theatre Britain". Die Kulturbühne beschreitet damit einen neuen Weg, der pädagogisch und kulturell eine enorm wichtige Richtung einschlägt und auf eine Langzeitwirkung hoffen lässt. Jungen Menschen, in erster Linie Schülern, wird englischsprachiges Theater praktisch frei Haus geliefert (bei lediglich sechs Euro Eintritt gilt dies auch noch), verbunden auch mit der Hoffnung, dass das jüngere Publikum auch bei anderen Angeboten vor Ort den Weg ins Theater findet.

Frisch und spannend

Der Zuspruch für das Shakespeare-Drama ist enorm: Rund 600 Schüler sowie auch einige Erwachsene finden den Weg zum Theater. Manche kommen im gesamten Klassenverbund, oder aus eigenem Antrieb. Nicht nur von Weidener Gymnasien, auch vom Gymnasium Eschenbach sowie der dortigen Wirtschaftsschule reisen 100 Schüler mit ihren Lehrkräften an.

Was das Theaterpublikum in der Halle erlebt, kann sich hören und sehen lassen: Unter der Regie von Paul Stebbings gelingt dem sechsköpfigen Schauspielerensemble eine frische und spannende Umsetzung des Shakespeare-Stoffes inklusive zahlreicher Elemente der Burlesque, also ganz in der Tradition Shakespeares.

Einfaches Bühnenbild

Sowohl akustisch wie auch inhaltlich bemühen sich die Akteure um eine verständliche Darbietung, die auch weniger englisch-affine Zuschauer in den Bann zieht. Dass es im Auditorium bei Schülervorstellungen so ruhig zugeht, ist sicherlich nicht der Regelfall.

Die tragische Geschichte der Liebenden aus Verona, die überzeugend von Jerome Dowling und Aimee Hislop dargestellt werden, endet bekanntlich in der Katastrophe, ist deswegen aber keineswegs langweilig. Neben dem durch die Bank beeindruckenden Ensemble mit wechselnden Rollen ist dies auch das Verdienst der musikalischen Einfälle sowie des spartanischen, aber doch multifunktionalen Bühnenbildes - auch die Balkonszene fehlt natürlich nicht.

An einigen Stellen muss der Shakespeare-Klassiker gekürzt werden, um die Bühnentauglichkeit herzustellen. Ein Unterfangen, das glückt und somit der Inszenierung das richtige Tempo gibt. Auch die Besucher sind begeistert. "Die Sprache ist deutlich und verständlich, der Stoff ist sehr gut aufbereitet", urteilt Julia Schott von der Q 11 des Weidener Kepler-Gymnasiums.

Gerade das einfache Bühnenbild biete die Chance, sich auf Text und Schauspieler zu konzentrieren, betont Kepler-Schülerin Hanna Lautenschlager. "Öfter mal ein englischsprachiges Theater in Weiden zu sehen, wäre schon gut", pflichtet Klassenkameradin Paula Thiede bei. Dass die Einschätzungen der drei Schülerinnen auch die Gesamtheit der Besucher teilt, macht der Schlussapplaus deutlich: der fällt lang und laut aus.

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