Ensemble Vocapella unter Tristan Meister
Max Regers "piquefeine" Männerchöre

Die 30 Sänger vom "Ensemble Vocapella Limburg" singen Max Regers Werke für Männerchor. Bild: Rondeau

Limburg/Weiden. Bürgerlichen Sängervereinigungen waren im Verbund mit Turnern und Schützen Grundpfeiler der wilhelminischen Gesellschaft. Auch Max Reger hat zu dieser Chorgattung Beiträge geliefert, zum ersten Mal 1898 für den Weidener Liederkranz.

Tristan Meister nimmt sich mit seinem preisgekrönten "Ensemble Vocapella Limburg" dieser Literatur an und hat die erste CD einer Serie vorgelegt. Für die wissenschaftliche Begleitung sorgt Alexander Becker vom Max-Reger-Institut Karlsruhe.

Rotierende Quintenzirkel

Die 30 Sänger sind zu Recht namentlich genannt. Sie sind wie der Dirigent musikalisch im Stall der Limburger Domsingknaben groß geworden, in knapp 40 Kilometer Luftlinie zu Wiesbaden, wo Reger ab 1890 acht Jahre lang studierte und arbeitete. Er lässt die Chromatik blühen und den Quintenzirkel schwindelerregend schnell rotieren. Intonation und Stimmhaltung der "Vocapellisten" wirft das nicht aus den Gleisen. Auch Stimm- und Dynamikumfang, die Reger fordert, überschreiten schier die Grenzen: Sie reichen vom Kontra A im Bass bis zum hohen H, vom dreifachen Piano zum gleichen Forte, und das womöglich noch auf dem tiefen D. Bei diesen fast unmenschlichen Kontrasten deuten sich dann doch Grenzen des Ensembles an, gerade bei magisch-mystisch-sphärischen Klängen nutzen sie nicht alle klanglichen Möglichkeiten. Auch wäre mehr Differenzierung zwischen voller und reduzierter Besetzung wie im "Lebewohl" reizvoll.

Viele "piquefeine" (Reger) Volksliedsätze sind auf der CD vertreten. Der "Tod als Schnitter", ein seltener fünfstimmiger Satz aus WoO VI/7 lässt den Atem stocken. Das Gegenstück stammt aus WoO VI/9 "Es ist nichts mit alten Weibern", "Miff, muff, mäff", spotten die Bässe. Reger schrieb dazu, dass "dieser odiose Text bombenfidel, aber mit tiefstem sittlichen Bewusstsein" zu singen sei. Weiter enthalten sind die Werke ohne Opuszahl WoO VI/6 und die Männerchöre op. 38, darunter auch der bekannte Text "Wie ist doch die Erde so schön" von Robert Reinick.

Transposition und Tausch

Eigentlich hatte Reger einen "ausgeprägten Widerwillen gegen die landläufige Liedertafelei". Die Volkslieder wollte er "durch feinere Harmonisierung mundgerechter machen". In diese Richtung zielen auch die "Sechs geistlichen Lieder nach Gedichten von Eichendorff". Das sind vierstimmige Sätze für Gemischten Chor aus der Feder von Hugo Wolf, von Reger umgearbeitet für Männerchor. Er zog alle Register: Transposition, Stimmtausch und -kreuzung, selten auch Veränderung der Stimmführung. Die Chromatik der Originale kam ihm offenbar entgegen. Ein düsteres Highlight bilden "Resignation" und "Letzte Bitte".

"Subtilste Ausführung" verlangt Reger, wenn diese Werke gelingen sollen, Tristan Meister und seine Lehrlinge beherrschen dieses Handwerk.

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Die CD gibt es bei "Rondeau Production Leipzig" (16,95 Euro) oder bei iTunes.
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