Erneut beschert das Armida-Quartett Berlin ein herausragendes Quartett-Erlebnis
Weltklasse in Weiden

Was für ein Abend! Das Amida-Quartett auf höchsten Niveau in der Weidener Max-Reger-Halle. Bild: Gabi Schönberger
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
11.03.2018
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Ihr Klang, ihre Sinnlichkeit, ihre Perfektion bei Beethoven - Smetana und Kurtág hatten schon 2014 beim Förderkreis für Kammermusik fasziniert. Das Armida-Quartett hat seither nicht auf Lorbeeren gechillt, sondern seine Qualitäten verfeinert, sein Profil scharf gestellt.

Eine der Trumpfkarten dieses grandiosen jungen Quartetts - 2012 honoriert mit dem 1. Preis beim ARD-Wettbewerb - ist seine historisch informierte stilistische Wandlungsfähigkeit, auch geprägt durch die harte Schule des ungemein belesenen Reinhard Göbel. So darf man sich Bachs "Kunst der Fuge" BWV 1080 nähern.

Historisch informiert

Gleich beim allein gespielten Thema leuchten alle Künste der Klanggestaltung mit dem Bogen auf: Wie auf Darmsaiten nur mit dem Bogengewicht, ohne pressenden Druck saugt Johanna Staemmler blühende Töne aus ihrer Violine, deren Obertonreichtum füllt den Raum, jeder ist individuell schattiert, von Leben, von Affekt durchpulst. Die Kollegen stehen ihr nicht nach: Der souveräne Primarius Martin Funda (Beethoven wird ihn in heikle, schwindelnde Höhen jagen), die selbstbewusste Bratschistin Teresa Schwamm, der klar grundierende Cellist Peter-Philipp Staemmler mit seinem wunderbar warm und füllig klingenden erst drei Jahre alten Violoncello. Fern jeder Schulmeisterlichkeit erklingen Contrapunctus I in luzider Größe, IV in sprudelnder Lebendigkeit, XI mit visionärer Harmonik, alle musiziert in exemplarisch-demokratischer Vier-Gleichwertigkeit.

Vorbildhaft und hilfreich die Einführung von Johanna Staemmler (mit Hörbeispielen) in Prokofjews Quartett F-Dur op. 92 über kabardinische Themen. Genüsslich beleuchten die Armidas den typischen Tonfall Prokofiews, seinen skurrilen (Satz Nr. 1) bis sarkastischen Humor (3), die in weitem Oktavabstand geführten Melodien. Innig gelingt das Liebesduett (2), geräuschhaft, kernig und deftig stampfen Bauerntänze durch das Finale.

Vielschichtiger Beethoven

Nach der Pause Beethovens "Rasumowsky-Quartett" e-Moll op. 59/2. Kongruent zu dessen Persönlichkeit mit ihren manisch-depressiven Zügen, den unvermittelten Sprüngen zwischen Stimmungen setzen die Vier auf extreme Kontraste. Sie modellieren kleinste Details, spielen mit grobem Forte oder fast unhörbarem Pianissimo, das aber immer Substanz behält. Sie zeigen sich mal als vier Solisten mal wie ein homogenes Vokalensemble. Sphärisch klar die perfekt ausgestimmten Akkorde, kein "Cache-Misère" mit wabernden Vibrato-Schleiern (2). Im Piano-Schatten irrlichternde Rhythmen (3). Cholerisch-furiose Virtuosität (4). Immer scheint als Motto präsent "Wer (überragend) spielen will, muss (ebenso) hören", und das weit über Intonation oder Timing im Zusammenspiel hinaus zu Klang und Aussage.

Vier Lorbeerkränze für diese berührende Beethoven-Interpretation! Man kann auch Romantik: Als Zugabe Smetanas e-Moll-Quartett, 3. Satz.
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