Faszinierende Adaption von Agatha Christies „Die Mausefalle“ durch Oberpfalztheater
Mörder tappt im Dunkeln

Strahlende Gesichter nach der Hochspannung: Das Ensemble des Oberpfalztheaters hatte unter der Regie von Christian Höllerer (zweiter von rechts) den Agatha-Christie-Klassiker "Die Mausefalle" in Szene gesetzt und vor allem zu Gehör gebracht. Bild: stg
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
28.04.2017
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Krimis für die Ohren gibt es meist im Radio oder auf dem Tonträger. Nicht in Weiden: Da bringt das Oberpfalztheater "Die Mausefalle" als Hör-Theater auf die Bühne.

Wenn ein Theaterstück seit 65 Jahren ununterbrochen im Londoner West End läuft, dann muss es schon etwas ganz Besonderes sein. Dass es sich dabei um einen Krimi handelt, verwundert nicht weiter, haben doch die Briten zahlreiche populären Krimiautoren hervorgebracht: Arthur Conan Doyle, Edgar Wallace, Wilkie Collins - und natürlich Agatha Christie, die "Grande Dame" des Mordes.

Jetzt haben sich die Schauspieler vom Oberpfalztheater und Regisseur Christian Höllerer (Assistenz: Sandra Schmidt) des Kultstückes "Die Mausefalle" angenommen und als faszinierendes Hör-Theater im Alten Eichamt serviert. Und dabei demonstrieren sie auch, wie spannend Agatha Christie auch abseits von Miss Marple und Hercule Poirot sein kann.

Es ist schon ein gewisses Wagnis, auf das sich die Besucher in drei ausverkauften Vorstellungen einlassen. "Hör-Theater" heißt hier konkret, dass man die Schauspieler zwar sprechen und sich bewegen hört, sie aber in dem Raum nur erahnen kann. Dort ist alles abgedunkelt, auch die Schauspieler tragen dunkle Kleidung und haben sich dunkle Kapuzen übergeworfen. Lediglich vier Kerzen (und die Displays der E-Reader) bringen etwas Licht hinein in die Gemäuer von "Monkswell Manor", wo das Stück im England des Jahres 1950 spielt. Das Wesentliche an diesem Theaterabend ist für das Auge unsichtbar, vielmehr gilt es, genau zuzuhören und mitzufiebern.

Tatort Gästehaus

In London wird eine Frau ermordet. Der Täter ist flüchtig, die Polizei hat die Fahndung aufgenommen. An diesem Tag eröffnen Mollie (Tanja Seebauer) und Giles Ralston (Johannes Zange) ihre kleine Pension Monkswell Manor. Sie erwarten ihre ersten vier Gäste Christopher Wren (Markus Pleyer), Mrs. Boyle (Petra Beyer), Major Metcalf (Walter Elberskirch) und Miss Casewell (Maria Ahke), die bei starkem Schneefall nach und nach eintreffen. Später stoßen noch Mr. Huber (Georg Hammerl) und Detective Sergeant Trotter (Frank Stüdemann) hinzu. Und auch Spur des Londoner Frauenmörders führt direkt hierher. Das Gästehaus wird zur "Mausefalle", in der aufgrund eines Schneesturms nicht nur weitere Mordopfer, sondern auch der Mörder selbst gefangen sind. Jeder ist verdächtig, aber: Wer ist das nächste Opfer, wer der Mörder?

Das Stück lebt in dieser Inszenierung natürlich von den Stimmen, denen es durch die Bank gelingt, den einzelnen Rollen einen individuellen Charakter zu verleihen - ganz egal, ob Markus Pleyer als schräger Christopher Wren oder Petra Beyer als herrische Mrs. Boyle. Jeder Charakter ist so besetzt, dass es ein Freude ist, sich auf dieses Theatererlebnis einzulassen. Als Erzählerin, die die Dialoge verbindet, agiert Sabine Hrach. Viel Wert hat Regisseur Höllerer auf Authentizität der Geräusche gelegt: Das Pfeifen des Windes, das Zuschlagen der Tür, das Begehen der Treppe, das Wählen der Telefonscheibe, die BBC-Stimme aus dem Radio, alles immer wieder untermalt mit typischer Hörspiel-Musik. Für die Umsetzung sind Thomas Grundler und Hildegard Schmucker verantwortlich.

Auf falscher Fährte

Gut eineinhalb Stunden lang werden falsche Fährten gelegt, entwickeln sich Psychospielchen, nimmt das undurchsichtige Katz-und Maus-Spiel seinen Lauf - bis schließlich die überraschende Auflösung erfolgt. Dass das Stück in London seit vielen Jahrzehnten so erfolgreich läuft hat seinen Grund auch darin, dass nach jeder Aufführung das Publikum aufgefordert wird, die Lösung nicht zu verraten. Daran hält sich auch der Verfasser dieser Zeilen - verbindet dies aber mit dem Appell, es nicht bei den nur drei Aufführungen des Stückes zu belassen.
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