31.03.2017 - 08:22 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

FCB-Austellung mit vielfältigem Rahmenprogramm Sogar Uli Hoeneß interessiert's: "Auge" kommt nach Weiden

Die FC-Bayern-Ausstellung "Verehrt, verfolgt, vergessen" kommt in die Stadt. Das Programm darum ist vielfältig: Klaus Augenthaler diskutiert, eine Stadtführung zeigt das jüdische Weiden, ein Violinkonzert bietet Zeit zum Durchatmen. Da wird sogar Uli Hoeneß hellhörig.

Der frühere Fußball-Weltmeister Klaus Augenthaler wird am 24. April im Kulturzentrum Hans Bauer an einer Diskussionsrunde zu Fremdenfeindlichkeit und Gewalt unter Fußballfans teilnehmen. Das Ganze findet im Rahmen der FCB-Ausstellung statt, die vom 19. bis zum 30. April in Weiden zu sehen ist. Archivbild: dpa
von Julian Trager Kontakt Profil

Der FCB-Präsident werde immer dann auf eine Veranstaltung aufmerksam, wenn ein ehemaliger Bayern-Profi auftritt, sagt Ewald Zenger vom Stadtjugendring Weiden. Auch bei ihm hätten sich Mitarbeiter aus dem Büro von Hoeneß gemeldet. "Die wollten wissen: Was machen die und wer macht das?" Zenger habe ihnen dann alle Unterlagen der Veranstaltung geschickt. Beim FC Bayern fand man seine Pläne gut. "Das Büro hat grünes Licht gegeben."

Erinnern an Nazi-Opfer

Der Stadtjugendring hat die Wanderausstellung "Verehrt, verfolgt, vergessen - Opfer des Nationalsozialismus beim FC Bayern" nach Weiden geholt. Vom 19. bis 30. April wird sie im Kulturzentrum Hans Bauer zu sehen sein. Mit der Ausstellung erinnert der Münchener Fußballclub an 56 Vereinsmitglieder, die während der Nazi-Diktatur aus religiösen oder politischen Gründen fliehen mussten. Oder ermordet wurden.

Fünf Weidener Organisationen - Aktionsbündnis "Weiden ist bunt", Stadtjugendring, FC-Bayern-Fanclub "D'Weidna", jüdische Gemeinde, Gesellschaft für christliche Zusammenarbeit - haben sich zusammengetan und eine vielfältiges Rahmenprogramm erstellt.

Unter anderem kommt Fußball-Weltmeister Klaus Augenthaler. "Ein Glücksfall", sagt Zenger. "An solche Leute kommt man nur durch persönliche Kontakte ran." Die FCB-Legende diskutiert mit Simon Müller von Ultras der "Schickeria München" und Patricia Meyer vom Stadtjugendring über Fremdenfeindlichkeit und Gewalt unter Fußballfans. "Sie werden darüber reden, was schief läuft."

Kritisch über Fußball sprechen auch Publizist Alex Feuerherdt und der Weidener Historiker Michael Brenner in ihren Vorträgen. Feuerherdt setzt sich in seinem Blog "Lizas Welt" mit Politik und Fußball auseinander. "Ein hochinteressanter Mann. Der legt den Finger in die Wunde", sagt Ewald Zenger. Der Blogger wird erklären, warum die Vereine Mitschuld am Judenhass im Fußball haben. Brenner beleuchtet die Geschichte der Juden im Sport zwischen den Weltkriegen.

"Es ist wichtig, darüber zu reden, denn gerade im Fußball passieren ekelhafte Dinge, obwohl im Sport eigentlich andere Sachen wie Teamgeist und Integration zählen", sagt der Geschäftsführer des Stadtjugendrings. "Trotzdem erlebt man dort viel Rassismus."

Zeitzeugen sprechen

Viel erlebt haben auch die Holocaust-Überlebenden Alexander Fried und Dorothea Woiczechowski. Im Kulturzentrum Hans Bauer werden sie über ihr Leben mit Schülerinnen der Sophie-Scholl-Schule sprechen. "Ein zauberhaftes Paar, das so gut erzählen kann", schwärmt Zenger.

Etwas Besonderes werde die Stadtführung durch das jüdische Weiden. "Wir wollten ein bisschen Lokalkolorit ins Rahmenprogramm packen", erklärt der Stadtjugendpfleger. Historiker Sebastian Schott führt durch die Weidener Altstadt und erzählt die jüdischen Geschichten, die hinter einzelnen Gebäuden stecken. "Es ist beeindruckend, wie viele jüdische Familien in Weiden gelebt haben", sagt Zenger. "Das ermöglicht einen anderen Blick auf die Heimat."

Paris, Oslo, Weiden

Eröffnet wird die Ausstellung mit einem Vortrag von Dr. Jörg Skriebeleit von der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Danach findet in St. Michael ein Violinkonzert von Liv Migdal statt. "Wir wollen das schwere Thema auch mit einem Kulturprogramm begleiten. Dass man auch mal durchatmen kann", teilt Zenger mit. Von der jungen Musikerin ist er begeistert: "Als ich sie zum ersten Mal spielen gehört habe, habe ich gedacht, mich beamt's weg." Die Geigerin ist weltweit unterwegs, trat unter anderem bereits in Paris, Oslo, Warschau oder Tel Aviv auf.

Finanziert wird die Veranstaltung von "Demokratie leben". Zenger dankt: "Sonst könnten wir uns das Rahmenprogramm nicht leisten."

Programm

Die Ausstellung ist vom 19. bis 30. April am Montag bis Freitag jeweils von 14 bis 19 Uhr, zugänglich. Am Wochenende ist sie von 13 bis 15 offen. Jeden Tag (Unter der Woche: 15 und 17 Uhr; am Wochenende: 13.30 Uhr) wird der Film "Kick it like Kurt" gezeigt, der von FCB-Ehrenvorsitzenden Kurt Landauer handelt.

Mittwoch, 19. April

18 Uhr: Eröffnung im Kulturzentrum Hans Bauer, 20 Uhr: Violinkonzert in St. Michael mit Liv Migdal (Eintritt 10 Euro). Tickets im Vorverkauf beim Stadtjugendring (0961/62400) und bei der jüdischen Gemeinde (0961/32794).

Sonntag, 23. April, 14 Uhr

Stadtführung durch das jüdische Weiden mit Dr. Sebastian Schott. Treffpunkt: Macerata-Platz, Ziel: Kulturzentrum Hans Bauer.

Montag, 24. April, 19 Uhr

Diskussionsrunde mit Klaus Augenthaler im Kulturzentrum Hans Bauer Karten (2 Euro) ausschließlich per E-Mail unter aw[at]dweidna[dot]de. Da das Kulturzentrum nur 100 Besucher fasst, sind die Plätze begrenzt.

Mittwoch, 26. April, 9 Uhr

Geschlossenes Zeitzeugengespräch mit Alexander Fried und Dorothea Woiczechowski.

Freitag, 28. April, 19 Uhr

Vortrag "Kick it out! Antisemitismus im Fußball" von Alex Feuerherdt.

Sonntag, 30. April, 17 Uhr

Vortrag von Professor Dr. Michael Brenner im Kulturzentrum Hans Bauer: "Von Hakoah Wien bis zum FC Bayern: Juden im europäischen Sport zwischen den Weltkriegen." (jut)

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