21.02.2018 - 17:24 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Fernsehjournalist Christian Sievers liest in der Weidener Buchhandlung Rupprecht Einfache Wahrheiten gibt es nicht

In vielen Wohnzimmern ist er zu Hause und verkündet per "heute" oder "heute-journal" meist die schlechten Botschaften aus der ganzen Welt. In der Weidener Buchhandlung Rupprecht legt Christian Sievers auf eher unterhaltsame Art seinen Fokus auf die Geschichten hinter den Nachrichten.

ZDF-Fernsehjournalist Christian Sievers stellte in der Buchhandlung Rupprecht sein Buch "Grauzonen" vor
von Holger Stiegler (STG)Profil

Manches muss man lernen: Dass Flip-Flops bei Pressekonferenzen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu völlig normal sind oder dass im Zoo von Gaza wegen "Tierknappheit" aus einem Esel schon mal schnell ein Zebra werden kann. Solche und viele weitere Episoden vermittelt der ZDF-Nachrichtenmann bei seiner Lesung den zahlreichen Zuhörern. Sievers - ein fernsehbekanntes Gesicht - lockt natürlich das Publikum an, im Gepäck hat er sein Buch "Grauzonen - Geschichten aus der Welt hinter den Nachrichten".

Sympathisch und charmant kommt er daher, wenn er über sein Faible für Buchhandlungen, über den Prozess des Buchschreibens und auch über die Freude eines "1:30"-Fernsehmanns, der plötzlich in Schriftform Platz zum Erklären hat, erzählt. Vieles hat Sievers erlebt, viele Geschichten sind ihm widerfahren, die interessant sind, aber es eben nicht in die Nachrichten geschafft haben. Das mag an einigen Stellen vielleicht etwas oberflächlich oder wenig tiefschürfend klingen, setzt sich aber zu einem großen Puzzle zusammen und schafft das ganze Bild.

"Verrückt wie wunderbar"

Es sind immer wieder Zwischentöne, die der Journalist präsentiert, abseits von Kategorisierungen nach dem Motto "schwarz oder weiß". Grauzonen eben, wie sie für das Buch titelgebend sind. In der einer Welt, die gleichermaßen "verrückt wie wunderbar" sei, gebe es zu "jeder Wahrheit wieder die andere Wahrheit". Natürlich gebe es eine mittlerweile auch weit verbreite Sehnsucht nach einfachen Wahrheiten und noch einfacheren Lösungen. "Diese Sehnsucht setzt voraus, dass man die Augen vor der Welt verschließt", betont Sievers. Er plädiert dafür, dass man Kompliziertes nicht gleich als etwas Unangenehmes ansehen sollte. Hier sei es auch Aufgabe der Journalisten, dies zu vermitteln.

Sievers spannt in Weiden einen großen Bogen - von seinen ersten journalistischen Versuchen als Praktikant beim Radiosender RIAS 2 in Berlin über eine Zwischenstation bei einem US-Fernsehsender in New Haven ("Das amerikanische Fernsehen ist faszinierend und abstoßend zugleich") und der Moderation des "Morgenmagazins" bis hin zur Zeit als Auslandskorrespondent in Tel Aviv und Nachrichtensprecher in "heute". "Wobei ich den Begriff Nachrichtensprecher eigentlich nicht mag. Das klingt so, als würde man Sachen ablesen, die andere geschrieben haben", erklärt Sievers. Die Realität sei aber eine andere, denn gerade im "heute-journal" seien alle Texte von den "Sprechern" selbst geschrieben und recherchiert. Viele Erlebnisse berichtet Sievers aus seiner Zeit in Israel und im Nahen Osten, den Versuch, einen unerklärlichen Konflikt zu erklären, macht er erst gar nicht. "Bei der Diskussion über das Thema Naher Osten treffen Weltbilder", so Sievers. Ähnlich aufgeladene Themen - das könne man immer wieder in Reaktionen von Zuschauern sehen - seien Donald Trump und die AfD.

Eigene Version der Welt

Kritisch setzt sich der Journalist mit Facebook und dessen "Nachrichtenvermittlung" auseinander. "Der Facebook-Algorithmus sorgt dafür, dass jeder seine eigene Version der Welt serviert bekommt", sagt Sievers. In einer Welt, in der es so viele Nachrichten und so wenig Zeit gebe, sei dies nicht gerade beruhigend. Eine nicht unbedingt neue, aber trotzdem wichtige und unverzichtbare Regel bei der Verbreitung von Nachrichten gibt Sievers den Zuschauern mit auf den Weg: "Vor der Schnelligkeit und Schönheit kommt die Richtigkeit!"

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