04.10.2017 - 18:36 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Gut gelaunter Start in die "Sünde"-Konzertsaison mit "Mockemalör" Ein Stück Glück

Das Experiment ist geglückt. Wieder einmal. Obwohl, von einem Versuch kann eigentlich gar keine Rede sein, eher davon, dass die Veranstalter des "sündikat" in ihrer nunmehr dritten Herbstsaison kaum noch wegzudenken sind aus dem Oberpfälzer Kulturleben.

von Autor HLLProfil

Von Michael Höllerer

Wie im Vorjahr beheimatet, versteckt, als wäre das alles noch ein Geheimtipp, im Hinterhof des alten Josefshauses, ist nun die Zeit gekommen, die Konzert-Formel zu verfeinern: Mit einer Bühnen-Lichtinstallation, welche auch in einer Kunstgalerie gut aufgehoben wäre und einem "noch besseren Sound", so die "Sünde"-Macher. Der lässt vergessen, als er an diesem Montagabend so klar und lebendig in die Ohren dringt, dass man sich eigentlich nur im Kellerraum eines des Untergang geweihten, bald abrissreifen Gebäudes befindet.

Eine Wortschöpfung

Und der Ursprung dieses Sounds - auch er, an diesem Premierentag, ein Glücksfall. "Mockemalör" aus Berlin stehen auf der Bühne des Pop-Up-Clubs, etymologisch also erst einmal so etwas wie ein Widerspruch. Der Band-Name ist eine Wortschöpfung aus dem alemannischen "Mocke", was so viel heißt wie Stück oder Einheit und die Schwarzwälder Herkunft von Sängerin Magdalena Ganter verrät, sowie dem von jedem schon verspürten Malheur, ach, dem Unglück.

Doch davon keine Spur. Nicht nur deshalb, weil ein brandneuer Song, den das Trio zum allerersten Mal zum Besten gibt, ausgerechnet "Glück" heißt, sondern weil die Band mit Drummer Martin Bach und dem Pianisten Simon Steger auch ein solches Glücksgefühl zu vermitteln weiß, ob in ihren leisen oder auch den lauten Tönen. Im Mittelpunkt aber, wortwörtlich, Magdalena Ganter, dauerlächelnd. Trotz ihres theatralischen Talents kann sie nicht verheimlichen, wie sehr es ihr Spaß macht, ihre Musik live zu spielen. Aber natürlich gelingt es der Sängerin auch mühelos, immer wieder gesanglich in neue Rollen zu schlüpfen, welche die Lyrik ihrer Lieder untermauern. Ob sie nun wie ein Kind mit großen Augen, beseelt und aufgeregt von ihrem Glauben an Riesen erzählt, die da über und unter uns leben, oder mit plötzlich zerzaustem Haar, erschöpft und doch überdreht, davon singt, nun alles absagen und alles aus dem Fenster schmeißen zu wollen.

Und die Musik? Es wird viel geschrieben über Bands und die verschiedenen musikalischen Schubladen, aus denen sie sich bedienen. Zumindest bei "Mockemalör" ist das hinfällig, denn egal welche Stilelemente sie in einem Moment bemühen mögen, und welche anderen im nächsten, alles ist doch eine Einheit - ob wohl dafür die ersten beiden Silben ihres Band-Namens stehen? Ein beinahe klassisch anmutendes Stück für Klavier wird zum energetischen Song mit ausgefeilten Percussion-Momenten, soeben spielt Ganter noch leise auf dem Akkordeon, nur um kurz darauf auf die große Pauke neben ihr zu schlagen.

Chansonhafter Augenblick

Alles ist also möglich: Der Anflug von elektronischer Musik, plötzlich eine verzerrte E-Gitarre und dann wieder ein chansonhafter Augenblick, bei dem das Publikum gar nicht anders kann, als singend und summend mit einzustimmen.

Großes Glück im Unglück also: Während draußen, kalt und ungemütlich, der Regen von Neuem beginnt, wird es da im Innern ganz warm und heimelig, unter der Decke des kleinen Keller-Clubs, in dem alle, die Enge nur nach außen hin vorschützend, gerne näher zusammenrücken.

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