06.02.2018 - 14:40 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Hans-Günter Brodmann erweckt John Coltranes "A Love Supreme" zu neuem Leben Wiederauferstehung eines epochalen Meisterwerks

Seit 2012 ist Hans-Günter Brodmann Professor für Jazz-Drums an der Nürnberger Musikhochschule. Mit 62 Jahren erfüllt sich der Musiker einen langgehegten Wunsch: Anlässlich des 50. Todesjahres von John Coltrane bringt er mit seinem Quartett die Musik von Coltranes Meisterwerk "A Love Supreme" auf die Bühne.

"Coltrane lives": Chris Kunz (Tenorsaxofon), Martin Kasper (Klavier), Johannes Göller (Kontrabass) und Hans-Günter Brodmann (Schlagzeug) erwecken beim Jazz-Zirkel Weiden am Samstag, 10. Februar, im "Bistrot Paris" John Coltranes legendäres Quartett zu neuem Leben. Bild: exb
von Louis ReitzProfil

"A Love Supreme" gehört zu den Meilensteinen der Jazz-Geschichte. Coltrane selbst spielte es nur einmal live auf einer Bühne beim Festival in Antibes 1965. Nur wenige Musiker, darunter John McLaughlin, Carlos Santana, Wynton Marsalis und Joe Lovano, wagten sich bisher an eine Neuinterpretation dieser vierteiligen Suite, konnten die Intensität des Originals aber nie erreichen. Im Interview erläutert Brodmann, welche Eindrücke die Musik von John Coltrane bei ihm hinterlassen hat.

John Coltrane und Miles Davis, das waren für unsere Generation die Leuchttürme im modernen Jazz. John Coltrane war über Jahrzehnte die Lichtgestalt eines jeden Saxofonisten. Was fasziniert Sie als Schlagzeuger an Coltranes Musik?

Hans-Günter Brodmann: Als ich zum ersten Mal die Platten von John Coltrane hörte, kam er mir vor wie ein Prediger. Erst später wurde mir bewusst, dass er ein tief religiöser Mensch war, der mit seiner Musik und seinen Texten den Herrgott preist. Ich war von Anfang an von dieser Musik ergriffen.

Welche besondere Beziehung haben sie zu "A Love Supreme"? Warum ist die Suite auch noch heute zeitgemäß?

Seit ich in den 1970er Jahren als junger Drummer mit Jazz in Berührung kam, war für mich John Coltranes 1964 veröffentlichtes Studioalbum "A Love Supreme" so etwas wie ein unantastbares Heiligtum. Musik in seiner reinsten Form als Medium für menschliches Empfinden wie etwa Respekt, Würde, Schmerz, Trauer, Hoffnung.

Dann spielte hier Elvin Jones Schlagzeug, einer meiner Götter. Er war für mich wie ein Vulkan, eine unerklärbare Urgewalt. Am Klavier saß McCoy Tyner und den Bass spielte Jimmy Garrison. Das Stück ist auch heute noch zu Stein erweichen. Mir fallen dazu Begriffe wie Tiefgang, Mystik oder Universum ein. Hier steht nicht die Technik oder ein musikalisches Zurschaustellen im Vordergrund, es handelt sich eher um eine mystische Erfahrung, die bisher noch immer unerreicht ist. Ich kenne nichts, was daran heranreicht. Es ist energetische Musik in höchster Ausprägung.

Wie verändern sich die Stücke mit Ihrem Quartett? Bauen Sie auch aktuelle Strömungen ein, erweitern Sie das Instrumentarium?

In meiner langjährigen Laufbahn habe ich alle möglichen Stile durchlaufen. Manche Sachen musste man nicht verändern, ich habe aber auch in der klassischen Musik ganz andere Sachen produziert. Aber dieses Projekt war mir eine Herzensangelegenheit. Die Suite wurde bisher nur selten gespielt. Ich wollte wissen, ob man diese Spiritualität wieder erreichen kann. Ich wollte nichts mit dem Dampfhammer verändern. Wir wollen das natürlich nicht "nachspielen" oder kopieren und auch keine modische Trends einbauen.

Wie kam es zum aktuellen Quartett, spielen Sie damit auch andere Musik, etwa Eigenkompositionen ?

Ich habe mir das vor zwei Jahren im Urlaub in der Toskana ausgedacht. Coltranes Album "Crescent" ist bereits die geistig musikalische Vorstufe von "A Love Supreme". Deshalb spielen wir die Stücke dieses wunderbaren Albums im ersten Set und die Kompositionen von "A Love Supreme" im zweiten Set. Dafür waren aber regelmäßige Proben notwendig, deshalb mussten die Musiker aus der Region kommen. Das ist etwas anderes, als über bekannten Standards zu improvisieren.

Ihre Mitstreiter gehören einer jüngeren Generation an und haben sicherlich eine ganz andere musikalische Sozialisation. Wie stehen diese zur Musik von Coltrane? Sie haben alle bei uns an der Jazzabteilung studiert und ich weiß genau, was jeder einzelne spielt. Der jüngste ist um die 20, der Pianist 40, aber jeder ist mit der Jazzhistorie bestens vertraut. Heute ist das Musik-Angebot unüberschaubar, aber das was von Bestand ist, hört auch die junge Generation. Früher hatte man natürlich mehr Zeit, Schallplatten konzentriert zu hören. Man war früher neugieriger und toleranter, heute läuft alles eher in Richtung „Mainstream“.

Wie sind Sie zum Jazz gekommen?

Ich stamme aus Schönwald und habe autodidaktisch mit dem Trommeln angefangen. Led Zeppelin, Pink Floyd und King Crimson waren meine ersten Erfahrungen, aber im Galeriehaus in Hof kam für mich die Offenbarung. Dann folgte ein klassisches Schlagzeug-Studium in Nürnberg und ich spielte auch experimentelle moderne Klassik, aber der Jazz war immer mein Ding. Einen großen Einfluss auf meine Laufbahn als Musiker hatten auch Alfred Hertrich und Werner Weinelt, die mir die wichtigsten Schallplatten zeigten und die Hofer Szene prägten.

Beim Jazz-Zirkel-Weiden spielten sie vor 40 Jahren mit der Gruppe "Aequinox". Sie waren damals gerade 23 Jahre alt und Jazz-Rock war angesagt. Haben Sie dazu noch Erinnerungen?

Erst vor Kurzem habe ich eine alte Kassette aus dieser Zeit entdeckt. Wir repräsentierten damals in Hof die junge "Underground" Szene, aber das war ganz am Anfang meiner Aktivitäten. Ich freue mich schon auf unser Konzert in Weiden. Am Tag vorher spielen wir noch im Jazz-Studio Nürnberg. Bei unserer letzten Probe waren alle begeistert und voller Tatendrang. Es wäre schön, wenn wir dieses Projekt auch in Zukunft noch öfter präsentieren könnten.

Am Samstag, 10. Februar, spielt das Hans-Günter-Brodmann-Quartett um 20 Uhr im "Bistrot Paris" (Sebastianstraße 2, Weiden).

___

Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0, www.nt-ticket.de sowie Abendkasse.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.