Herbert Schuch spielt eine weit gefächerte Werkauswahl am letzten Abend der Weidener ...
Griffe hinter die Tastatur

Der österreichische Komponist Thomas Larcher vermeidet in seinem Klavierstück "Naunz" fast immer extreme Tonreibungen, bringt aber den Flügel mit Griffen hinter die Tastatur auch zu eigenwilligen Klängen. Jedoch werden Melodien und vollgriffige Akkorde nicht vernachlässigt. Sie schaffen ein hochinteressantes Werk, dem man gerne noch öfter begegnen möchte. Wie Larcher selbst sagt, sind seine Stücke "Umsetzungen realer Gedanken". Und die jeweiligen Empfindungen werden individuell vom Denken jedes einzelnen Hörers in dessen Lebenswelt übersetzt. Weil nun die Spielweise von Herbert Schuch sehr überzeugend gestaltet ist, fällt es dem Hörer umso leichter, sich auf die Gedankengänge eines Komponisten einzulassen.

Fesselnd umgesetzt

So legt Schuch die "Geistervariationen" WoO 24 von Robert Schumann insgesamt in ruhiger und dennoch flüssiger Manier aus, als nachdenkliche Begegnung mit Erscheinungen am Rand des realen Lebens, die in fünf Abänderungen mit jeweils eigenem Charakter angesprochen sind. Und genau das kann er fesselnd umsetzen. Das Anfangsthema der "Klaviersonate D-Dur" KV 576 von Wolfgang Amadeus Mozart könnte man als Jagdfanfare auffassen. Aber erstmal bekommt das Thema von Mozart weit über die Jagd hinausgehende Tonsequenzen verpasst, dann vermag Herbert Schuch so intelligent die Tonfolgen in neue Tonsituationen einzubetten, dass man versteht, dass Jagd höchstens einen Teilaspekt des gedankenreichen ersten Satzes darstellt. Ein wunderbar leiser Schluss krönt das Werk: Von Mozart genial erdacht, von Schuch hervorragend zum perfekt sanften Klingen gebracht. Nach der Pause ein Höhepunkt romantischer Klavierliteratur: Die "Klaviersonate B-Dur" D 960 von Franz Schubert, ein umfangreiches Werk, das eine Fülle von musikalischen Bekundungen beinhaltet. Eine großartig ruhige Melodie leitet ein und über in andere gesanglich geprägte Passagen, die dem Ablauf innere Ruhe geben, welche sich durch Schuchs Interpretation dem Hörer vermittelt. Noch verhaltener gerät das folgende Andante sostenuto, in dem ein einziges Forte jeder Menge von dreifachem Piano gegenübersteht.
Dementsprechend innig ist die Aussage des Satzes. Der schnellste Satz der Sonate, das stets eilende Scherzo schließt sich an. Breit angelegt ist das Finale mit träumerisch wirkenden wie rhythmisch wippenden Passagen, die glaubhaft und verständlich herausgearbeitet sind.Der mit Recht nicht enden wollende Beifall veranlasst Herbert Schuch, noch zwei Zugaben anzufügen und darin seine weit gefächerte Musikalität noch bewundernswerter erscheinen zu lassen.

"La Campanella"

Von Franz Liszt spielt er die Konzertetüde "La Campanella" in mitreißender virtuoser wie musikalischer Deutung. In der Klavierfassung, die Ferruccio Busoni zu dem Choral "Nun komm, der Heiden Heiland" von Johann Sebastian Bach verfasst hat, fasziniert seine strenge wie glaubhaft aufeinander abgestimmte Fugen-Darstellung.
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