Hofer Symphoniker bereiten in Max-Reger-Halle Weihnachtsgeschenk
Dirigent Johannes Wildner beschert emotionale Momente

Gastdirigent Johannes Wildner schenkte mit den Hofer Symphonikern in der Max-Reger-Halle Weiden ein außergewöhnliches Konzertereignis am Vorabend des Weihnachtsfestes. Bild: Kunz

Heiter und beschwingt stimmen die Hofer Symphoniker auf das Weihnachtsfest ein. Selbst der diffizil-avantgardistische Max Reger gerät zur leichten musikalischen Kost. Gastdirigent Johannes Wildner aus Wien serviert mit warmherzigem Humor eine stimmige Melange zum Abschluss des Max-Reger-Jahres - zum 100. Todestag des Komponisten.

Keine Minute lang empfinden es die Zuhörer in der nahezu ausverkauften Max-Reger-Halle am 23. Dezember als Nachteil, dass die Hofer Symphoniker seit 2001 auf einen Chefdirigenten verzichten.

Johannes Wildner wirkt auf internationaler Bühne, hier natürlich auch für die Wiener Symphoniker. Er verbindet sein einfühlsames Dirigat mit österreichischem Charme. Wildner hebt den Auftritt in Weiden über die Vielzahl der "weihnachtlichen Konzerte". Ohne sein authentisch-leidenschaftliches Einbringen wäre es wohl nur eine ganz ordentliche, genormte Veranstaltung geworden, deren Hauptgänge die oft gehörte Nussknacker-Suite von Peter Tschaikowsky und ein Potpourri von Engelbert Humperdincks "Hänsel und Gretel" darstellen. Ganz nett.

Fröhliche Spiellaune

Die Persönlichkeit Johannes Wildner entwickelt aus diesem Festtags-Routine-Menü jedoch ein höchst emotionales Konzert-Erlebnis. Mit frohgemuter Leidenschaft inspiriert er das Orchester, löst eine geradezu fröhliche Spiellaune aus. Die Mienen der Akteure spiegeln diese kreative Nonchalance wieder. Diese beflügelnde, sympathische Wechselwirkung auf der Bühne überträgt sich wiederum auf das Publikum im Saal.

Der Dirigent weckt mit seiner herzlichen Art die Potenziale des in Weiden nicht unbekannten Orchesters (zuletzt bei "Singing Witt"). Der Dirigent bringt sogar die schlummernden "stillen Reserven" zum Klingen. Das Orchester macht die Nuancen der Nussknacker-Suite akustisch fassbar: mal beherzt und stramm, voller "Muskeln", dann wieder melodiös wiegend, klagend und schmelzend, mit forderndem Blech. Selbst der reichlich abgenudelte "Blumenwalzer" hat Schmackes.

Es hieße "Wasser in die Naab" zu tragen, Tschaikowskys meist aufgeführtes Werk beckmesserisch zu filetieren, ebenso die märchenhafte Reise von Humperdincks populärer Oper "Händel und Gretel" mit ihren Ohrwürmern und ergreifenden Passagen. Wie entfesselt entfaltet das längst den regionalen Grenzen entwachsene Orchester unter der Leitung Lindners seine Dynamik.

Reger grazil und fein

Ein glückliches Händchen zeigt die "Programm-Regie" mit Max Regers Ballett-Suite (op. 130). Das kaum aufgeführte, etwa 20-minütige Stück in seinen sechs Sätzen wirkt selten monumental, dafür aber grazil und fein - und beim Walzer am Ende sogar recht temperamentvoll. Dieser musikalische Schwung motiviert den Dirigenten zu einer wettkampftauglichen halben Drehung. "Hätte Reger doch mehr solcher Werke komponiert", dürfte mancher Besucher an diesem Abend seufzen.

Dieser leicht-bekömmliche Reger setzt ein Ausrufezeichen hinter das in Weiden zelebrierte Max-Reger-Jahr, dessen nicht einfaches Unterfangen es war, "Max Reger den Menschen näher zu bringen": "Dieses Ziel haben wir ein Stück weit erreicht", bekennt tapfer Weidens Bürgermeister Lothar Höher. Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz ruft auf, sich auf Reger einzulassen. "Das kann unwahrscheinlich viel Freude bereiten." Dirigent Wildner erkennt in der Ballett-Suite eine Art "Weihnachts-Reger": von wegen schwermütig, sondern mit viel Humor. Ganz in Reger'scher Manier freut sich der Dirigent über ein von Höher überreichtes dunkel gebrautes Bier, "das den morgigen Abend nicht überleben wird".

Als Zugabe fällt die Wahl des Dirigenten ebenfalls auf einen Zeitgenossen Regers, auf den französischen Komponisten Jules Massenet mit der berühmten Meditation aus der Oper "Thais": Bevor das Orchester "Stille Nacht" anstimmt, und die Besucher euphorisiert mitsingen.
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