08.12.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ida Gard und Anne Kirstine Winkler begeistern bei "Klein & Kunst" in Weiden Humorvoll, intim und voller Kraft

Soll man sich mit der Frisur von Ida Gard beschäftigen? Mit den zwei markanten Haarknoten oben auf dem Kopf, die unweigerlich ins Auge fallen? Nun, Ida Gard nimmt einem die Antwort ab. Sie erzählt nämlich davon, wie es dazu gekommen ist.

Fulminantes Duo in der Max-Reger-Halle: Ida Gard (links) und Anne Kirstine Winkler begeistert die Zuhörer. Bild: Stiegler
von Holger Stiegler (STG)Profil

Es ist in vielen Dingen ein bemerkenswerter "Klein & Kunst"-Abend im Untergeschoss der Max-Reger-Halle. Auf der Bühne stehen die dänische Sängerin Ida Gard und Drummerin Anne Kirstine Winkler, die 90 Minuten lang eine furiose Performance darbieten. Einen Auftritt, der im positiven Sinn des Wortes aus der Reihe fällt. Zusätzlich zur Aufklärung ihrer Haar-Geschichte packt die Sängerin das Ganze dann auch noch in ein stimmiges Lied ("Good enough").

Perfekte Harmonie

Allein die Instrumente der beiden Künstlerinnen belegen dies - denn E-Gitarristinnen wie Ida Gard und Drummerinnen wie Anne Kirstine Winkler sind im Geschäft noch immer rar gesät. Doch nicht nur in diesem Bereich, auch stimmlich ergänzen sich die beiden Damen und erzeugen ein perfekt harmonisierendes Ganzes.

Mit dem Kunstwort "Indie-Rock" lässt sich wohl am ehesten beschreiben, wo die Musikerinnen zu verorten sind. Mal mit einer gehörigen Portion Blues, dann wieder kernigen Rock und individuell gestylten Pop ist ein Programm zusammengestellt worden, das die Zuhörer begeistert.

Kindheit auf dem Album

Die Stimmen der beiden sind gewaltig, die Melodieführung überrascht immer wieder mit einer bizarren Frische. Es wird mächtig laut auf der Kleinkunstbühne, Schlagzeug und E-Gitarre lügen nicht. Und dennoch erfreut sich der Zuhörer an einer idealen Saal-Akustik, bei der sich nichts überschlägt und nichts verschluckt wird. Im Zentrum des Abends steht Gards aktuelles Album "Womb", das - wie sie selbst erzählt - von dem Bestseller-Roman "Populärmusik aus Vittula" inspiriert wurde.

In ihren Liedern erzählt sie authentische Geschichten - von der verbotenen Schwan-Jagd mit dem Vater, von der Kindheit im kleinen Provinzdorf, das dann irgendwann zu eng wird, vom "Rocking Rodent", bei dem Gard das Publikum animiert, sich in die Lage einer Maus zu versetzen und dann kräftig mitzusingen. Es sind keine gekünstelten Texte, die die Songwriterin präsentiert, sondern solche, die treffsicher den Weg ins Ohr der Zuhörer finden und - kombiniert mit der Musik - eine ungeheure Dynamik entfalten. Das gilt auch für die einzige Fremdkomposition des Abends, die grandios und ganz eigen gecovert wird - Kate Bushs "Running up that hill".

Dem Charme der beiden Künstlerinnen mit so viel Spielwitz und Spielfreude kann man in keiner Sekunde des Abends entfliehen - man will es auch gar nicht. "He spoke to me" - a capella, nur begleitet von einer Kalimba, setzen die beiden Frauen einen Schlusspunkt hinter das Konzert. Viel Applaus für zwei Powerfrauen.

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