10.05.2010 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ingo Appelt präsentiert in Weiden den Mann als Dienstleister seiner "Göttin": "Verflixt und zugenäht noch mal"

von Autor UHProfil

Frauen wollen nur das eine: den weinerlichen Typen mit der harten Schale. Deshalb stehen sie auf Til Schweiger, auf diesen Widerspruch zwischen körperlichem Anspruch und Fistelstimme. "Was für ein schöner Mann. Nur wenn er seine Fresse aufmacht, kriegst du die Krise." Ingo Appelt in seiner liebsten Rolle - als Enfant Terrible der deutschen Comedy-Szene.

Mit seinem Programm "Männer muss man schlagen" kommt Appelt den intimsten Sehnsüchten der Frauen auf die Schliche. Frauen lieben Kerle wie Herbert Grönemeyer. Appelt fuchtelt mit den Armen, verkrampft, zieht Grimassen. "Diesen jämmerlichen Inbegriff männlicher Weinerlichkeit. So klingen Männer, wenn sie sich beim Zwiebelhacken in den Finger schneiden."

Der Mann als Dienstleister

Die Frau sieht sich gerne in der Rolle der "Göttin". Den Mann betrachtet sie als Dienstleister und Vorspielstrategen, für den es höchstens mal ein abfälliges "Mein Gott!" gibt, abends nach getaner Arbeit im Bett. Dazu kauft sie ihm Unterhosen ohne Seiteneingriff, die vorne so was von eng und "verflixt und zugenäht noch mal" sind. So viel zum sexuellen Leistungsdruck.
Appelt gastiert an diesem Abend im voll besetzten Haus der Evangelischen Gemeinde in Weiden und glaubt, am "Arsch der Welt" gelandet zu sein. "Wem's hier gefällt, dem gefällt's überall", sagt er. Sein Lieblingswort, das mit "f", will er nicht mehr aussprechen. Aber allein für die Begründung findet er zehnmal die Möglichkeit dazu. Viel lieber legt er das verflixte Wort einem anderen in den Mund. Guido Westerwelle, stramm beim Antrittsbesuch bei Barack Obama. Apropos Westerwelle: Dem hätte der Posten des Finanzministers viel besser gefallen, als der des Außenministers, meint Appelt. "Bei so einem Arsch an Schulden, hätte er sicherlich seinen Spaß gehabt."

Appelt hat längst kabarettistische Anleihen genommen. Munter parodiert er sich durch die deutsche Politik. Strauß, Brandt, Schröder - und Angela Merkel: Ja, was habe er früher über deren herunterhängende Wangenfalten gelästert. Inzwischen sei er schlauer geworden. "Stellt man sie auf den Kopf, dann lächelt sie." Angela Merkel, "die beste Kanzlerin, die wir hatten".
"Unsere Erschreckerin im Ausland. Die glauben doch alle, Deutschland besitzt biologische Waffen." Merkel, "die Aussitzerin": "Unsere Probleme in Deutschland lösen sich von allein. Nicht mal die wollen von ihr angepackt werden."

Alte Zopfmuster

Während seine Fäkalienwitze und Zopfmuster, zum Beispiel beim Sitzpinkeln die Klobrillen mit Papier auszulegen, blendend ankommen beim Publikum - auch die aktuellen Priesterwitze -, bleiben vielen Fans bei gar zu arg blasphemischen Kapriolen die Lacher dann doch im Hals stecken. "Ich glaub, das ist nix für euch."

Aber zurück zum Thema: "Wir müssen unsere Frauen anhimmeln. Sie sind ein Geschenk für uns. Warum hat eine Tochter eigentlich einen Vater? Doch nur, damit sie lernt, wie man einen Deppen um den Finger wickelt." Zu Appelts Handwerkszeug gehören auch das Klavierspiel und die Nachahmung deutscher Künstler. Und spätestens nach seinem "Striptease für Germany"-Auftritt und runtergelassener Hose wissen wir: Unterm Bäuchlein trägt er Glitzershorts.

 

 

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