Installtion des Oberpfälzer Kunstvereins (OKV) und der westböhmischen Union der Bildenden ...
"Metamorph" spektakulär inszeniert

Die Installation "quatre tableaux" aus vier alten Wirtshaustischen von Martina (Marthe) Leithenmayr thront ebenso über der Ausstellung wie der "Kronleuchter" (rechts oben) von Axel T. Schmidt aus Verpackungsmaterial. Unten einige OKV-Künstler: Martina Leithenmayr, Gerda Moser, Stefanie Stangl, Uwe Müller, Renate Kummert, Axel T. Schmidt und OKV-Vorsitzende Irene Fritz (von links). Bilder: cf (2)
 
Mit dem Kabinettsstückchen "Cowtime" überrascht Stefanie Stangl die Besucher.

Ein altes Straßenbahndepot schafft experimentellen Raum für junge Kunst: Die Kreativen des Oberpfälzer Kunstvereins (OKV) und die westböhmische Union der Bildenden Künstler stellen in Pilsen eine spektakuläre Installation auf die Beine. Fantasievolles Wirken kennt keine Sprach- und Länder-Grenzen.

Pilsen. Rund 50 Kunstschaffende aus der Oberpfalz und Westböhmen widmen sich dem Thema "Metamorph", dem stetigen Wandel und der Veränderung - denn "nichts bleibt, wie es ist". Seit 2015 betreibt Initiatorin und OKV-Vorsitzende Irene Fritz die Idee, mit einer gemeinsamen Ausstellung "Lust auf Veränderungen und Wechsel zu wecken": "Wir wussten nicht, was dabei rauskommen würde ..."

Vor zwei Jahren stand die gesellschaftlich aufwühlende Flüchtlingskrise mit ihren Auswirkungen als Triebfeder hinter "Metamorph". "Veränderung vollzieht sich zumindest in der Kunst", sagt die OKV-Vorsitzende heute lächelnd. Der industrielle Charme des einstigen Straßenbahndepots der Stadt Pilsen "vermählt" sich als Ausstellungsort mit der Experimentierfreude der oberpfälzisch-tschechischen Künstler-Gilde. Wie bei der Vernissage am Donnerstagabend zu bestaunen, brechen hier in der Tat schöpferische Formen auf, und "Materialien gehen neue Verbindungen ein" (Fritz).

Muhen über Kopfhörer

So wagten einige OKV-Kreative imposante wie pfiffige Installationen. Die bislang vor allem auf ihre international gehandelten Mohnblumen-Bilder reduzierte Martina (Marthe) Leithenmayr schuf aus vier alten Wirtshaustischen ein phänomenales "quatre tableaux": Sieben Meter über dem Boden schwebend, "erzählen" vier großformatige Porträts von gesellig-fröhlichen und traurigen Erlebnissen an den Wirtshaustischen.

Die für ihre Kuh-Bilder bekannte Stefanie Stangl unternimmt einen witzigen audio-visuellen Schnitt. Sie verwandelt einen ausgedienten Kleiderschrank in ein tiefschwarzes Kabinett: Hinter einem ebenfalls schwarzen Vorhang überrascht den Besucher das farbenfroh fluoreszierende Bildnis einer Kuh, die über den Kopfhörer frohgemut muht und wiederkäut. Tone Schmid kreierte das aus einem Gen-Labor entwischte Fabelwesen "Flugpferfantenschlange" (Flusspferd, Elefant, Schlange). Dieses "fliegende" Fantasiegeschöpf trägt einen Pferdesattel als Kopf mit einem prägnanten Sattel. Der Motor eines Staubsaugers haucht der Assemblage Leben ein. Der für seine kühnen Installationen renommierte Axel T. Schmid gestaltete einen besonderen Kronleuchter: aus Verpackungen einer beliebten tschechischen Keks-Marke. So demonstriert dieses recycelte Material eine neue Form der Metamorphose.

Wort-Schöpfungen

Auch die Wort-Findung ist kreativ: Westböhmische und ostbayerische Schriftsteller malen viele Werke mit literarischem Tiefgang aus, so schreibt Karla Erbová zu einem Bild: "Es gab nichts von jemanden abzuschreiben. Du musstest auf eigenes Risiko zwischen die Schlangen greifen." Tamara Koprivová philosophiert über ein Objekt: "Vielleicht finde ich dich in einer fremden Galaxie. Wie Staub aus dem Kosmos, der auf die Erde kam." Zum bayerisch-tschechischen Treffpunkt-Festival in Pilsen ist am Samstag, 21. Oktober, um 17 Uhr eine zweisprachige Lesung zu den Kunstwerken.

Am 22. Oktober können sich die jungen Besucher beim Familientag im Depot von 14.30 bis 16 Uhr kreativ mit den Kunstwerken beschäftigen. Die 50 Gemälde, Skulpturen, Installationen und Fotografien sind täglich bis 25. Oktober zu sehen. Beim komplizierten Aufbau der Installationen brachten sich besonders Hugo Braun.Meierhöfer, Otto Dünne, Axel T. Schmidt und Uwe Müller ein.
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