27.04.2018 - 14:56 Uhr
Oberpfalz

Interview mit Michael Mittermeier Auf der Suche nach einer besseren Wuchtl

"Lucky Punch - Die Todeswuchtl schlägt zurück" heißt das neue Programm von Comedian Michael Mittermeier. Ein Gespräch über Box-Begriffe und James Bond, Österreicher und Chinesen.

Michael Mittermeier, der bayrische "Karate Kid der Stand-Up-Comedy" fightet wie man ihn kennt und liebt: Schweben wie Bruce Lee und stechen wie Biene Maja. Ein Mann, ein Mikro, keine Regeln. Bild: Olaf Heine / mediaPool
von Andrea HerdegenProfil


Ihr Name ist Mittermeier, Michael Mittermeier. Aber auf Ihren neuen Pressefotos sehen Sie aus wie James Bond. Was steckt dahinter?

Michael Mittermeier: Na, ein Comedian kann doch auch mal cool aussehen. Es war einfach die Lust, mal ein großes Bild zu machen.

Haben Sie denn auch so viel trainieren müssen wie Daniel Craig, um gut auszusehen in dem Anzug?

Gott sei Dank nicht. Daniel Craig muss in jedem Film mindestens einmal aus dem Wasser kommen. Bei mir reicht's, wenn ich im Anzug die Wuchtl liefere. Dazu brauche ich mich nicht ausziehen.

Was ist das eigentlich, eine "Todes-Wuchtl"?

Wuchtl ist das österreichische Wort für eine nicht mehr zu toppende Pointe. Wuchtln sind Pointen, die aus dem Nichts kommen, dir hinten ins Genick klatschen, dich packen und du musst dich schütteln vor Lachen. Nur wenn einer wirklich lustig ist, sagen die Österreicher: "Dös wor a Wuchtl." Die Todes-Wuchtl ist dann im Grunde genommen die finale Wuchtl.

Worum wird es denn gehen im neuen Programm?

Es ist ein Rundumschlag durch die Welt. "Lucky Punch" erinnert mit diesem Hüpfen zwischen Welten und Themen an mein Programm "Zapped" von 1996. Aber: Es sind andere Themen. Ich zappe nicht mehr durch die Fernsehkanäle, sondern ich klicke mich jetzt durchs Internet.

Sie nehmen für Ihr Programm reale Geschichten aus dem Alltag. Begegnen Ihnen wirklich so viele Absurditäten?

Definitiv! Es ist ja der Job eines Comedians: Etwas zu beobachten und dann so in eine Schräglage zu bringen, die die Situation noch absurder aussehen lässt.

"Lucky Punch" ist ja ein Begriff aus der Boxer-Sprache. Er meint den einen entscheidenden Schlag des hoffnungslos unterlegenen Boxers, der einmal durchkommt und den übermächtigen Gegner zu Fall bringt. Sehen Sie sich als Comedian in dieser Underdog-Rolle?

Nicht als Comedian, sondern als Mensch. Wir sind doch generell die Underdogs. Im Gegensatz zu Regierungen, Systemen, Politikern.

Sie sind studierter Amerikanist und Politologe. Also sozusagen ein Doppel-Experte für das Phänomen Donald Trump. Wird der US-Präsident in Ihrem Programm vorkommen?

Nur sehr, sehr kurz. Weil ich schlicht anerkennen muss, wer der bessere Komiker ist. Die Wuchtln, die der raushaut, da können wir alle nicht mithalten. Ich habe einen seiner besten Witze drin: Bewaffnet die Lehrer, dann werden die Schulen sicherer! Das ist doch wie: Sauf noch mehr Alkohol, dann wirst du nüchterner!

Es scheint ein sehr internationales Programm zu werden. Was bedeuten denn die chinesischen Schriftzeichen auf Ihrem Tourplakat?

Die bedeuten: Glücklicher Schlag. Also: Lucky Punch.

Ein grafischer Vorgriff auf die China-Tournee?

Nein, die steht nicht an. Außerdem wäre sie wahrscheinlich relativ kurz (lacht). In Russland, wo ich ja schon gespielt habe, hatte ich nie das Gefühl, es säße jemand drin, der mich kontrolliert. China wäre da sicher sehr viel schwieriger. Aber China ist ja momentan sowieso der Wahnsinn.

Wieso das?

Na, es gibt ja das Phänomen der "augmented reality", also der erweiterten Realität. Da wird aufs normale Leben in der Realität ein virtueller Layer draufgepackt. Zum Beispiel: Man will essen gehen und weiß schon auf dem Hinweg, dass das Restaurant gute Bewertungen hat. Die Chinesen nutzen so etwas politisch, gerade mit Kaiser Xi. Die haben dieses Punktesystem, das einem tatsächlich Angst macht. Alles, was du im Netz machst, sieht immer auch die Partei - und bewertet es. Wenn du mal einen kritischen Ton anschlägst, landest du vielleicht sogar im Gefängnis. Das finde ich bedenklich. Wenn ich sehe, wie leichtfertig wir mit unseren Facebook-Daten umgehen und wie leichtfertig Facebook mit unseren Daten umgeht, dann fragt man sich schon, wo das hinführen wird.

Sie werden mit diesem Programm wieder zwei Jahre lang auf Tour sein. Wie viel verändern Sie während dieser Zeit?

Extrem viel. Bei "Wild" hat sich von dem Zweieinhalb-Stunden-Programm etwa die Hälfte über die Monate rausgespielt. Dafür kamen neue Nummern rein. Aber das ist ja der Punkt: Ich bin immer auf der Suche nach einer besseren Wuchtl.

Im Juli kommen Sie auch nach Wunsiedel auf die Luisenburg. Kennen Sie diese Freilichtbühne im Fichtelgebirge?

Mir wurde ein Bild gezeigt, und es hieß: "Da ist es ganz toll." Das war für mich Grund genug, dort zu spielen. Ich war vorher noch nicht da, aber ich freue mich sehr, denn diese Open-Airs haben immer etwas Besonderes. Das sind Locations, wo ich sage: Ja, das ist außergewöhnlich.

Die Luisenburg-Veranstaltungen sind ja immer schnell ausverkauft.

Darüber würde ich mich selbstverständlich sehr freuen.

Sie performen immer wieder in der Muttersprache der Stand-up-Comedy. Was reizt Sie an Auftritten in Englisch?

Es sind zwei Dinge. Das eine ist die Challenge, zu spielen, wo dich keiner kennt - und du kannst die Leute dennoch zum Lachen bringen. Dazu musst du aber auch komisch sein.

Das ist also die Herausforderung. Und der zweite Punkt?

Es ist eine Weiterentwicklung für meinen deutschen Stand-up. Im Ausland ist es sehr hart, aber man lernt extrem dazu für seine eigenen Sachen. Man macht den Kopf mehr auf für neue Themen. Man wird sich bewusster, wie man auf der Bühne steht.

Die Try-outs für "Lucky Punch" liefen sehr gut, oder?

Ja, die Presse war unisono gut (lacht). Das bin ich nicht immer gewohnt, es wird ja oft viel rumgemäkelt. Vor allem aber sehe ich es an den Leuten: Die konnten zum Teil nicht mehr klatschen, weil sie's geschüttelt hat vor Lachen. Für einen Comedian ist das die größte Auszeichnung. Ich liebe dieses Programm jetzt schon. Es ist ein wunderbarer Reigen durch die reale Welt. Mit einem virtuellen Layer drüber. Den lege ich mit den Wuchtln. Und dadurch wird's dann halt komisch.

Michael Mittermeier gastiert mit seinem Programm "Lucky Punch" live am Montag, 7. Mai (20 Uhr), in der Max-Reger-Halle Weiden und am Montag, 16. Juli (20 Uhr), auf der Luisenburg bei Wunsiedel.

___

Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter % 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/87290.

Im Porträt

Der 52-jährige Michael Mittermeier, geboren im oberbayerischen Dorfen, zählt zu den erfolgreichsten deutschen Komikern. Seit dreißig Jahren steht er inzwischen auf der Bühne, 1996 katapultierte sein Programm "Zapped - Ein TV-Junkie knallt durch" den studierten Amerikanisten und Politologen in die erste Riege der Comedians. Er erhielt zahlreiche Preise, darunter sechs Mal den deutschen Comedy-Preis, einen Echo und die Goldene Europa. 1998 heiratete der Comedian seine langjährige Freundin, die Sängerin Gudrun Allwang, auch bekannt unter ihrem Künstlernamen Somersault. Die beiden leben mit der zehnjährigen Tochter Lilly in München.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.