Interview mit Regisseurin Sonja Balk
"Boandlkramer Blues" schlägt ein

Regisseurin Sonja Balk und ihre Akteure von den "Lustigen Konradern" haben mit dem "Boandlkramer Blues" einen Volltreffer gelandet. Bild: Kunz
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
18.05.2017
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Etwas blass um die Nase. Kein Wunder, Ulrike Miserra steht zum allerersten Mal auf einer Bühne. Sie spielt den Boandlkramer und hatte nur drei Wochen Zeit, sich auf Rolle vorzubereiten. Bild: Kunz

Das Publikum ist begeistert. Theatervereine, die das Stück auch spielen wollen, stehen vor dem Pfarrheim St. Johannes Schlange. Sie wollen sehen, wie die "Lustigen Konrader" ihren "Boandlkramer Blues" auf der Bühne umgesetzt haben. Ein Interview mit Regisseurin Sonja Balk.

Von Helmut Kunz

Die Aufführungen der "Lustigen Konrader" waren heuer schon lange vor der Premiere ausverkauft. Worauf führen Sie das zurück?

Sonja Balk: Auf's Stück. Auf den "Boandlkramer Blues". Der hat scheinbar große Anziehungskraft und macht die Leute neugierig.

Gab es diesen Run auf die Karten in den letzten Jahren auch schon?

So extrem noch nicht. Zwar schon auch. Aber immer erst nach der Premieren-Kritik in der Zeitung.

Wie sind Sie überhaupt auf den Boandlkramer gekommen?

Im August wusste ich nicht mehr, was ich spielen sollte. Dann habe ich dieses Stück entdeckt. Das hat mich regelrecht angesprungen. Ich war mir aber damals nicht im Klaren darüber, wie ich das auf die Bühne bringen sollte. Ob ich überhaupt die richtigen Leute hierzu finden würde.

Das Lesen des Plots hat süchtig gemacht?

Ja, die Geschichte hat mich nicht mehr losgelassen. Wir haben das durchgezogen, mit aller Gewalt und Kraft.

Dazu brauchten Sie auch Musiker. Wie haben Sie die gefunden?

Das war gar nicht so einfach. Nach endlosen Telefonaten fanden sich die perfekten Musiker zum Stück: Gerd Arnold, Andreas Herrlein, Klaus Kuschel, Helmut Meier und Heiner Steinkohl. Denn was wäre ein Blues ohne die entsprechende Musik.

Gab es damals schon Kontakte zum Autor, der ja bei der Premiere zu Gast war?

Nein, erst telefonisch bei Probenbeginn. Und auch nur deshalb, weil ich mich vergewissern musste, ob die Lieder im Stück Gema-frei waren. Man muss an alles denken. Er und seine Frau sind ganz lustige Leute.

Wird das nächste Stück auch aus der Feder von Roland Beier sein
?


Das schaffen wir nicht. Das schreibt er gerade. Es geht um Bayern-Amazonen, um ein bayerisch-deftiges Stück. Sobald er grünes Licht gibt, sind wir dabei. Im übernächsten Jahr vielleicht.

Inzwischen stehen die Theaterschauspieler bei den Lustigen Konradern Schlange. Woran liegt das?

Wir sind Amateurtheater mit Leidenschaft. Das Team ist toll, da geht alles reibungslos ineinander. Es gibt keinen Stress. Natürlich suche ich immer talentierte Spieler und frage bei dem einen oder anderen schon mal nach, ob er nicht Lust hätte, Theater zu spielen.

Ihr erster Boandlkramer ist vier Wochen vor der Premiere ausgefallen. Was war das für ein Gefühl?

Das war zunächst mal ein Schock. Was tun? Wer kann den Boandlkramer spielen - sollte ich vielleicht selbst? Ich wollte unbedingt eine Frau für diese Rolle.

Und dann?

Dann ist Ulrike Miserra eingesprungen und hatte innerhalb von zwei Wochen den Text drauf.

Wo hat sie vorher gespielt?

Sie hat noch nie Theater gespielt und steht das erste Mal auf der Bühne. Das glaubt uns keiner. Halt, im Kindergarten hat sie mal gespielt. Sie ist eine Freundin von mir. Ich wusste, dass sie schnell lernen kann. Sie war ja schon mal Regieassistentin bei mir. Sie hat hinter der Bühne ausgeholfen und da ist mir aufgefallen, dass sie von jedem den Text konnte.

Damit haben Sie jetzt eine der Hauptrollen verpasst.

Ich bin froh. Ich behalte lieber als Regisseurin den Überblick. Die Leute haben keine Ahnung, wie sich jeder Mitwirkende einbringt, welche Arbeit hinter so einem Stück steckt.

Haben Sie die doch recht makabre Handlung eins zu eins vom Autor übernommen?

Nein, ich habe einiges gestrichen, was mir zu deftig erschien. Anderes hab ich drin gelassen, weil das Publikum schon einiges erträgt. Manches war aber zu hart, und das wollte ich nicht.

Wie oft wird der "Boandlkramer Blues" noch aufgeführt?

An den kommenden beiden Wochenenden noch vier Mal.
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