26.03.2018 - 20:00 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Interview mit Urban Priol Irrste Irrungen und Wirrungen

"gesternheutemorgen", das aktuelle Kabarett-Programm von Urban Priol verspricht "Tagesaktuelles Sofortverwursten irrster Irrungen und Wirrungen". Auch in diesem Jahr kommt der bekannte Kabarettist wieder nach Nordbayern.

von Susanne KempfProfil

Was Urban Priol von der politischen Wetterlage hält und um was es in seinem aktuellen Programm geht, hat er im Gespräch mit der Kulturredaktion verraten. Am Mittwoch, 18. April (20 Uhr), tritt er in der Fichtelgebirgshalle in Wunsiedel auf, am Donnerstag, 11. Oktober (29 Uhr), im Congress-Centrum in Amberg.

Wie viele Stunden hat Ihr Tag?

Urban Priol: Eigentlich immer viel zu wenige. Ich fange schon frühmorgens um 7 Uhr mit der Arbeit an, sehe das Morgenmagazin im Fernsehen. Im Laufe des Tages lese ich fünf Tageszeitungen, sehe Phönix, höre viel Radio. Durch die sechs Stunden Lektüre und dem daraus resultierenden Um- und Querschreiben des aktuellen Programms vor dem Auftritt am Abend habe ich meistens schon acht bis zehn Stunden gearbeitet, bevor die eigentliche Arbeit auf der Bühne beginnt.

Wie lange hält man das aus?

So lange es einen antreibt. Ich versuche viel Bewegung zu bekommen, gehe möglichst viel an die frische Luft. Die Bühne ist zudem mein Fitness-Studio.

Trump, Erdogan, Korea-Kim, Teresa May. Macht Ihre Arbeit noch Spaß oder möchten Sie manchmal alles hinschmeißen?

Das ist mir noch nie in den Sinn gekommen! Ein Wegducken ginge mir an die Berufsehre. Die spannenden Dinge, die derzeit ablaufen, kann man eigentlich nicht erfinden, sie sind satirisch fast nicht mehr zu toppen. Trump wird medial viel zu wichtig genommen, die Berichterstattung sollte auf ein gesundes Maß zurecht gestutzt werden. Er ist der Präsident eines Kontinents, der nur zufällig entdeckt worden war. Seine Wahl war letztendlich das Ergebnis weltfremder Politik der vergangenen 30 Jahre. Viele Entwicklungen und Stimmungen wurden von der Politik nicht mehr wahrgenommen. So wurde beispielsweise über gesellschaftliche und politische Entwicklungen in Italien kaum mehr nachgedacht und berichtet, das aktuelle Wahlergebnis bestürzt jetzt alle. Das Volk hat einfach die Schnauze voll.

Gibt es noch Meldungen in den Medien, die fröhlich machen?

Jaaaa, zwischendurch gibt es solche Meldungen mal. So habe ich zufällig gelesen, dass es in Zürich und Winterthur bei den Gemeindewahlen zu einem Linksrutsch gekommen ist! Das ist so eine kleine Meldung, die mir Freude macht.

Wird man bei der Fülle der täglichen politischen Irrsinnigkeiten von den Menschen um einen herum als Prophet oder Wahrsager angesehen?

Immer wieder sagen Leute "Ihr müsst in die Politik!" Das war jedoch nie Aufgabe von uns Kabarettisten. Wir begleiten und kritisieren die Politik der Herrschenden. Mir würde es gefallen, wenn es nach jeder Bundestagssitzung eine 15-minütige Zusammenfassung durch einen Kabarettisten geben würde.

Die Ankündigung Ihres aktuellen Programms gesternheutemorgen verspricht "Highlights der letzten Jahrzehnte".

Ich greife alte Nummern aus den letzten Jahrzehnten auf, die in die Tagesaktualität passen. Dabei bringe ich auch unseren Alt-Präsidenten Horst Köhler wieder ins Spiel.

Wer lähmte mehr: Kohl oder Merkel?

Die Kohl'sche Lähmung zeigte immerhin einige klare Sätze. Der Merkel'sche Mehltau zeichnet sich dagegen durch einstudierte Schachtelsätze aus, die einen meist vor Rätsel stellen. Unsere Kanzlerin ruht sich auf den verheerenden Agenda-Reformen Schröders aus. Durch die Entscheidung für die Neuauflage der Großen Koalition wird es bleiern lähmend weitergehen. Leider hat das Votum der SPD-Mitglieder die Chance für eine Minderheitsregierung verbaut. Diese Urform der Demokratie wäre spannend gewesen, die Aufhebung des Fraktionszwangs, die Suche nach Mehrheiten für jede Entscheidung hätten frischen Wind in die Politik gebracht, den Mehltau vertrieben. Auch wenn es vielleicht so scheint, die klassische SPD ist zwar nicht tot, aber doch zumindest auf der Intensivstation.

Was wird nach Merkel kommen? Macht die Zukunft Sorgen?

Die Pastorentochter aus der Uckermark wird uns noch eine ganze Weile erhalten bleiben. Für die Zeit nach ihr hoffe ich, dass es kein konservatives Roll-back mit Politgrößen wie Jens Spahn, womöglich in Kombination mit der FDP und einigen Wirtschaftsfetischisten geben wird. Die JU schafft es, bereits im jugendlichen Alter im Hirn vergreist zu sein. Die Jusos hingegen wirken frischer und widerspenstiger. Ich bin trotz allem optimistisch, was die Zukunft angeht, bis dahin sollte man jeden Tag genießen.

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter % 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/87290.

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