12.06.2017 - 15:58 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Italienischer Orgelvirtuose mit Vorband in der Josefskirche in Weiden Wilder Tanz auf Tasten und Pedalen

Orgelmusik wird oft mit Erhabenheit und gepflegter Langeweile in Verbindung gebracht. Das Konzert des italienischen Orgelvirtuosen Paolo Oreni in St. Josef in Weiden räumte diese Vorurteile aus dem Weg.

Markus Bäumler, Tobias Rebhan, Julian Woiwode, Paolo Oreni, Jürgen Brakert und Simon Holzwart (von links) sorgten für ein besonderes Orgelkonzert Weiden . Bild: Bäumler
von Harald BäumlerProfil

Allein über die einleitende Trias "Toccata, Adagio und Fuge in C-Dur BWV 564" könnte man Seiten schreiben, denn Oreni bürstete dieses oft gehörte Werk so gründlich gegen den Strich, dass man sich eher in einem Bachschen Orchesterwerk wähnte. In rhetorischem Ductus arbeitete er die zahlreichen "Frage-Antwort"-Passi heraus und lies mit einem virtuosem Pedalsolo die sensationelle Wirkung des Orgelspiels nachfühlen.

Virtuose und Pädagoge

Im Adagio erschien ein Barockorchester vor dem geistigen Auge; mit feinsten Nuancen in Registrierung und Artikulation schwang sich die Solostimme in den weiten Raum der Josefskirche. Die Fuge wurde zum virtuosen Kabinettstück weit jenseits der an dieser Stelle gewohnten Plenumsseligkeit. Die Fähigkeiten des Pädagogen Oreni bewiesen vor dem eigentlichen Konzertprogramm sechs Teilnehmer des Orgelmeisterkurses, die quasi als "Vorband" einen überzeugenden Stand ihrer Kunst darbrachten. Tobias Rebhan, Markus Bäumler, Julian Woiwode, Andreas Feyerer, Simon Holzwarth und Jürgen Brakert zeigten eindrucksvoll, wie abwechslungsreich und vielfältig Orgelmusik klingen kann.

Farbiger Höllenritt

Die "Fantasie und Fuge über B-A-C-H" gilt schon in der Originalversion von Franz Liszt als schwer - aber paraphrasiert durch den Pariser Organisten Jean Guillou wird daraus ein virtuoser Höllenritt der besonderen Art, den man optisch nachverfolgen hätte müssen. Oreni nutzte alle zur Verfügung stehenden Farben der Josefsorgel und scheute auch nicht die zahlreichen Farben der Aliquote.

Nach einem fast als Erholung erscheinenden Allegro vivace von Widor brachte Oreni in einer viersätzigen Improvisation über zwei liturgisch passende Themen aus dem Publikum die Orgel der Josefskirche noch einmal richtig zum Glühen. Starker Beifall der vielen Besucher war der Lohn für das besondere Orgelkonzert.

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