13.11.2017 - 20:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Konzert des Sinfonieorchesters der Stadt Weiden: "Stürmischen Abend" würdig gemeistert

Schon der Beginn ist gewaltig. Das Sinfonieorchester der Stadt Weiden eröffnet sein Konzertprogramm mit der Ouvertüre zum Trauerspiel "Coriolan" von Ludwig van Beethoven. Ein schlimmes Schicksal wird hier musikalisch umgesetzt.

Das Sinfonieorchester der Stadt Weiden präsentiert sich mit gekonntem Spiel in einem vielseitigen Programm in der Max-Reger-Halle. Bild: Kunz
von Reinhold TietzProfil

Beethoven gelingt es, mit dem wuchtigen Hauptthema den herrischen Charakter des Feldherrn darzustellen und mit der sehnsuchtsvollen Melodie des Seitenthemas sein Gewissen anzudeuten. Zwar siegt das Gewissen, der Betroffene geht aber an diesem Widerspruch zugrunde: Das Hauptthema zerbricht in den letzten Takten der Musik. Es gelingt den Interpreten unter bewährter Leitung ihres Dirigenten Dieter Müller, diese Darstellung glaubhaft in Musik umzusetzen.

Ein im Zusammenspiel gelungener Beginn des Konzerts, das zum Jubiläum des 25-jährigen Bestehens dieses Orchesters stattfindet. Oberbürgermeister Kurt Seggewiß freut sich darüber und dankt der städtischen Franz-Grothe-Musikschule für ihr diesbezügliches Engagement. Als nächstes Stück erklingt die Orchesterfassung vom "Morceau Symphonique" für Posaune und Orchester von Alexandre Guilmant. Man fragt sich, warum die Posaune so lange orchestral vernachlässigt wurde, wenn sie so edel klingt, wie sie Thomas Brüderer ertönen lässt.

Virtuose Soloklänge

Auf eine langsame volltönende Einleitung folgt ein schneller Satz, der dem Solisten viele virtuose Soloklänge abverlangt, die er souverän meistert. Die "Suite für Orchester "Pelléas et Mélisande" op 80 von Gabriel Fauré schließt sich an. Ein verhalten klingendes "Prélude" eröffnet sehnsuchtsvoll, "La Fileuse" folgt lebhaft mit einer großen Melodie der Blasinstrumente, die stets von schnellen Läufen der Streicher untermalt wird.

Die berühmte "Sicilienne" beeindruckt durch die Bläsermelodie, die erst behutsam von der Harfe begleitet wird, bevor sich die anderen Instrumente hinzugesellen. Eine traurige Stimmung vermittelt das Finale "La Mort de Mélisande", in dem der Schmerz über den Verlust einer geliebten Person musikalisch angedeutet wird. Das Orchester vermittelt diese Stimmungen mit großem Einsatz.

Nach der Pause erklingt zuerst die Festouvertüre "Ein feste Burg ist unser Gott" op 31 von Otto Nicolai. Hymnisch und erhaben im Tempo zieht die bekannte Melodie des Kirchenliedes vorüber. Dann beginnen die Variationen, stets vom Anfangstempo und dessen wehrhaftem Gedanken ausgehend. Im Glauben an Gott lebt man so sicher wie in einer Burg und lässt sich nicht von Trends bis in die Fundamente des Denkens und Glaubens beeinflussen. All das stellt Nicolai dar und verwirklicht das Orchester tonal.

Liebliche Tonfolgen

Von Edvard Grieg folgt die "Zweite Peer-Gynt-Suite" op 55. Der erste Satz beschäftigt sich mit dem "Brautraub" und "Ingrids Klage" darnach. Ein "Arabischer Tanz" lenkt mit einer Balletteinlage ab. "Peer Gynts Heimkehr" wird durch den "Stürmischen Abend an der Küste" erschwert. Das Schiff zerschellt. Peer Gynt hat sich gerettet, darüber freut sich Solvejg und singt "Solvejgs Lied" von ewiger Liebestreue zu Peer Gynt in der allseits bekannten Melodie. Das Orchester spielt immer angemessen, vor allem die lieblichen Tonfolgen des Finales erklingen bewundernswert. Hier wie in allen anderen Stücken dirigiert Dieter Müller stets mit vollem Einsatz.

Ein sinfonisches Porträt für Orchester beendet die Programmfolge: "The Story of Anne Frank" von Otto M. Schwarz beleuchtet den Lebensweg des Mädchens und hebt die Grausamkeit seines Schicksals musikalisch hervor, betont aber auch ausgleichend das Gedenken an Anne Frank. Das Orchester widmet sich mit vollem Einsatz diesem Werk. Darüber hinaus ist noch die Solo-Violinistin Johanna Luther mit ihrem feinsinnigen Spiel zu erwähnen. Damit geht ein würdiges Jubiläumskonzert zu Ende, nach dem man nur wünschen kann, bald weitere Konzerte mit diesem Ensemble zu erleben.

 

 

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