Landestheater Oberpfalz eröffnet Herbstsaison mit "Malala"
Ein Mädchen mit Buch

Doris Hofmann schafft es, die Verbindung zwischen der Autorin und der Hauptfigur des Stückes bemerkenswert darzustellen. Bild: Julian Struck/LTO
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
13.10.2017
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Das Landestheater Oberpfalz eröffnet seine Herbstsaison mit Nick Woods "Malala" - und Hauptdarstellerin Doris Hofmann schafft es, das Publikum zu fesseln.

Die pakistanischen Schülerinnen werden am 9. Oktober 2012 bei einem Anschlag auf ihren Schulbus von Taliban beschossen. Die 15-jährige Malala Yousafzai wird in den Kopf getroffen, ihre Mitschülerinnen leicht verletzt. Das schreckliche Ereignis hat Entsetzen ausgelöst, auch bei einer jungen Autorin, die gerade eine Schreibblockade hat.

Sie entschließt sich, der Frage nachzugehen, wie es sein kann, dass ein erwachsener Mann auf ein Schulmädchen mit Buch schießt. Sie recherchiert, deckt die Hintergründe auf, zeichnet das Lebensbild der jungen Frau, die schon als Elfjährige in einem Blog für die BBC über die Taliban berichtete und diese sich zu Feinden gemacht hatte. In dem Stück "Malala - Mädchen mit Buch" ist zusammengefasst, was die Recherchen ergeben. Mit diesem Stück hat das Landestheater Oberpfalz am Donnerstagabend vor einem vollen Haus in der Regionalbibliothek Weiden sein Herbstprogramm eröffnet.

Malala will Politik machen

Als der Uno-Generalsekretär als erste Reaktion auf das Attentat meinte, ein Mädchen mit Buch habe sich als der gefährlichste Feind der Terroristen erwiesen, machte er der Autorin, die tief in die Geschichte eintaucht, klar, in welchen Dimensionen sie sich bewegt. Bereits als Elfjährige war Malala unter dem Pseudonym Gul Makai bekannt geworden, weil sie über ihren Alltag mit den Taliban berichtete. Die Autorin erfährt, wie sich die Bewegung der islamischen Terroristen aus der Geschichte des Landes und aus den speziellen Strukturen heraus entwickelt hat. Die Welt hat verfolgen können, wie die Sowjets in Afghanistan scheiterten und die Islamisten die Scharia durchsetzten, unter der vor allem Frauen zu leiden haben.

"Was die Erwachsenen nicht tun, müssen die Kinder tun", sagt Malala. Sie wird unterstützt von der Familie. Das Mädchen will mitwirken. Das alles offenbart sich der Autorin, die, bevor sie zu schreiben beginnt, Informationen sammelt. Dabei zeigt sich, dass die Malala, die nach dem Attentat nach der langwierigen Genesung in Birmingham zur Heldin geworden ist, ein normales Mädchen ist.

Konsequenz der Ereignisse

Viel entnimmt die Autorin der Autobiographie, die Malala veröffentlichte. Es sind persönliche Dinge, die da zutage kommen. Eine Fülle von Details sammelt sich auf dem Schreibtisch der Autorin, die sehr bemüht ist um Wahrhaftigkeit und auch um Vollständigkeit. Schließlich geht es um die Konsequenz aus den Ereignissen, darum, dass es Dinge gibt, die man nicht tun darf, darum, dass es sich lohnt, Widerstand zu leisten. Malala hatte bewiesen, dass der Terrorismus nichts mehr fürchtet als ein Mädchen mit Buch.

Es kommt dem Stück zugute, dass es eine Autorin ist, die das Leben der Malala recherchiert. Doris Hofmann, die als Charakterdarstellerin herausragendes geleistet hat, vermag die Zuschauer zu fesseln. Obwohl sie nicht die Malala spielt, kommt sie ihr nahe, und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Verbindung zwischen der Autorin und der eigentlichen Hauptfigur des Stückes bemerkenswert ist. Die Zuschauer dankten der Darstellerin und auch Regisseur Till Rickelt mit begeistertem Applaus.
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Bernd Edelhardt aus Weiden in der Oberpfalz | 15.10.2017 | 01:01  
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