19.02.2018 - 13:44 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Landestheater Oberpfalz zeigt "Die Wanze" Auch Insekten sind nur Menschen

Ausgangspunkt für Paul Shiptons Insektenstück "Die Wanze" ist ein Garten, der zu einer Art "Sin City" wird, in der surreale Geschichten erzählt werden. Von Ausrichtung und Inhalt her das richtige Projekt für das Landestheater Oberpfalz. Der ultracoole Privatdetektiv Muldoon, genannt "Die Wanze", die einen Umsturz im Insekten-Universum verhindert, wird großartig von der glänzend aufgelegten Doris Hofmann gespielt.

Großartige Leistung: Doris Hofmann schlüpft gleich in 15 Rollen. Bild: Kunz
von Autor UZProfil

Natürlich ist die Leistung einer Schauspielerin nur so gut wie es die Person hergibt, die sie verkörpert. In diesem Falle sind es sogar gleich 15 Krabbler, die Hofmann spricht. Ihre Rollen sind mit denkwürdigen Texten durchsetzt. Von der einen Figur zur anderen sattelt sie um, indem sie ihren typischen Sherlock-Umhang fallen lässt, die Brille wechselt oder einfach nur Mimik, Ausdruck oder den Dialekt.

Ein tierischer Thriller im Thronsaal eines Ameisenhügels und Wespennests. Tatsächlich sitzt das Publikum nicht aufgereiht wie in einem Theatersaal, sondern an einer lockeren Ansammlung runder Tische. Die Bühne ist der komplette Saal unterm Dach der Regionalbibliothek. Wie tief sie auch ins Innere der Insektenwelt eintaucht, der Freiheit und Gerechtigkeit willen, Hofmann muss sich geschickt durch die Tischreihen manövrieren. Oft tut sie das bei Dunkelheit mit ihrer Taschenlampe. Wanze Muldoon heißt zwar "Wanze", ist aber ein Käfer und hat alle Eigenschaften eines guten Privatdetektivs. Er ist klug, mutig, ziemlich vorlaut und verdammt cool.

Als ihn einige Ohrenkneifer bitten, einen verschwundenen Freund zu suchen, zögert Muldoon nicht lange und übernimmt den Fall. Bei seinen Recherchen stößt er auf allerlei Widersprüche im Insektenvolk. Er legt sich an mit aufständischen Ameisengruppen, kämpferischen Wespen und einer mörderischen Riesenspinne. Eine Stunde lang hat er Zeit, um den Fall zu lösen.

Doris Hofmann spielt die Rolle stark, feilte im Vorfeld an jeder einzelnen Figur, so dass sich das Publikum mit ihr identifizieren kann. Sie ist "Die Wanze", genauso wie sie die Ameisenkönigin ist oder Jake, der gerne Schokolade nascht. Eine Stunde lang allein auf der Bühne, ständig sprechen und agieren: Das ist in vielerlei Hinsicht weit mehr, als ein normales Theaterstück. Eine für alle. Alle für eine.

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