Maria Rupprecht kommentiert den Jahrestag der Verbrennung „undeutscher“ Literatur
Die Macht der Bücher

Nach Meinung von Maria Rupprecht haben Bücher und Sprache viel Kraft. Bild: Luber

Weiden/Vohenstrauß. Heute vor 84 Jahren, wurden in Berlin und in anderen Universitätsstädten große Feuer entfacht. Studenten, Professoren und Mitglieder der nationalsozialistischen Partei warfen Zehntausende Bücher auf den Scheiterhaufen, von bekannten Denkern wie Karl Marx, Erich Maria Remarque, Sigmund Freud und Erich Kästner.

"Wider den undeutschen Geist" nannten sie diese Literatur. Kästner war Zeuge der Verbrennung seiner eigenen Werke. "Ich (...) sah unsere Bücher in die zuckenden Flammen fliegen und hörte die schmalzigen Tiraden des kleinen abgefeimten Lügners. Begräbniswetter hing über der Stadt", beschrieb er die Stimmung später. Die Germanistin, Soziologin und Buchhändlerin Maria Rupprecht spricht darüber, was diese sogenannte "Hinrichtung der Bücher" für sie bedeutet.

Heute jährt sich die Bücherverbrennung unter den Nationalsozialisten von 1933. Was empfinden Sie, wenn Sie daran denken?

Maria Rupprecht: Bei der Bücherverbrennung wurden Schätze vernichtet, Bücher, die dem nationalsozialistischen Regime nicht passten. Die Bücherverbrennung machte die Unterdrückung der freien Meinung deutlich. Sie wurde ja auch richtig zelebriert. Wenn ich mir vorstelle, dass Erich Kästner dabei war und mit ansehen musste, wie seine Bücher verbrannt wurden - das muss furchtbar gewesen sein für ihn.

Heinrich Heine schrieb 1821: "Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen." Was sagen Sie dazu?

Die Prophezeiung Heinrich Heines wurde ja leider bald Wirklichkeit. Die Bücherverbrennung macht deutlich, mit welch grausamer Konsequenz die Nationalsozialisten ihre Gegner bekämpften. Dieser Akt zeigt auch, welche enorme Kraft Bücher und Sprache überhaupt besitzen. Sonst würden diktatorische Regime sie auch nicht so vehement verbieten.

Die Bücherverbrennung ist 84 Jahre her. Denken Sie, auch heute wäre so eine Hinrichtung unbeliebten Gedankengutes noch möglich?

Wenn freie Meinungsäußerung nicht möglich ist, sollte uns das auf jeden Fall auch heute aufrütteln.
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