04.12.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Mitgliederausstellung im Kunstverein Weiden: Widerstand aus dem Blickwinkel der Kunst

"Kunst sollte die Beunruhigten ermutigen und die Wohlhabenden beunruhigen", sagt der Streetart-Künstler Banksy, der bekannt dafür ist, politisch zu polarisieren und den gesellschaftlichen Spiegel an Mauern und Brücken zu sprühen. So fühlt es sich an, wenn man die Galerie des Kunstvereins Weiden betritt.

Claudia Kneidl schafft eine Ecke des Vergänglichen und der unendlichen Weiten ihrer Utopie.
von Dagmar WilliamsonProfil

Unter dem Motto "Passt XII - es waar einmal" eröffnet am Freitag Wolfgang Herzer die Vernissage, die das Irren und unter anderem das noch in der Luft schwebende Thema WAA zum Ausdruck bringt. "Es waar einmal" entführe nicht nur allgemein in eine Märchenwelt, sondern nach Wackersdorf und dem Super-Event der regionalen Zeitgeschichte, die vom unerschöpflichen Energie-Fluss qua Kernspaltung erzähle, erklärt Vorsitzender Herzer.

"Macht oder Ohnmacht"

Empfangen wird der Besucher vom roten "WAAhnsinn", eine Schlag-ins-Gesicht-Acryl-Arbeit von Rosemarie Hys. Aufgeteilt in drei quadratische Leinwände und einem Rechteck, die unbeirrbar "WAA" buchstabieren und signalisieren. Aufmerksamkeit erregend, alarmierend, auf den Punkt gebracht. Ambivalent, nennt es Herzer. "Macht oder Ohnmacht". Ebenso den Nagel auf den Kopf getroffen hat es Claudia Kneidl auf ihre Weise. Symbolisch mit zwei Weckern und Streichhölzern öffnet sie ein Fenster, zwischen dem was war und was sie sich wünscht. Ein historisches Foto der WAA-Demonstration und ein Foto ihrer selbst mit einer Freundin als Eisbären verkleidet bei der jüngsten Umwelt-Demo in Weiden.

Im Hintergrund erstrahlen die Leuchten des Begleitschutzes. Die Frage, ob sie vollvermummt bleiben wolle bejahte sie. Daraufhin stellte die Polizei ihre Personalien sicher, erklärt Kneidl das Bild. Die mit "es war einmal" beschriebenen Streichholzschachteln stellen Kneidls Wünsche dar: Eine Welt ohne Krieg mit gelebter bedingungsloser Liebe in Einklang mit der Natur und Fantasie. Eine Vorstellung der politisch ungewollten Utopie lässt es fünf vor 12 anklingeln.

Politische Kunst

Mit einer Blume bewaffnet stellt sich ein Knirps den Staatsdienern, deren antike Helme an die alten Römer erinnern. "Ungenehmigte Demonstration" ist der Titel dieser Seidenmalerei aus dem Jahr 1989. Der Künstler Uwe Müller zeigt zum einem die engstirnige Partizipation in ausgerufenen Befehlen der Oberen und zum anderen ein wohlwollendes Entgegenkommen derer, die sich moralisch verpflichtet fühlen, dem entgegenzuwirken. Widerstand wird auch mit Stefan Ulrichs "Flucht vor dem Schrei" gezeigt. Vor einer Oberpfälzer Landschaft sammelt sich eine Gruppe Undefinierbarer, wie es seiner Zeit Edvard Munch malte. Widerstand gegen eine imaginäre Angst, die gesellschaftlich immer mehr zunimmt und Flucht vor dem Schrei, der mittig versteckt dargestellt wurde. Ulrich möchte auf das, was die Wohlstandgesellschaft hat, aufmerksam machen: Familie und Idylle in der Oberpfalz.

30 Mitglieder des Kunstvereins Weiden sind zusammen politisch kritisch und führen durch eine Odyssee des menschlichen Irren, Narzissmus, und in ein Märchen, das Historisches mit dem Zeitgenössischen verschwimmen lässt. Modern, skurril und voller Wahrheit des Einzelnen. Zwischen dem eitlen Pferd, einem Stammbaum-Stuhl und dem Trump-Trampolin kommt der Besucher auf seine anarchistischen Kosten. Bis Mittwoch, 14. Februar, können die 70 Exponate in der Galerie des Kunstvereins Weiden, Ledererstraße 6, betrachtet werden.

 

 

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