23.02.2018 - 13:42 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Musikalische Wiedervereinigung: Das "Emminger-Hahn Quintett" gastiert beim Jazz-Zirkel-Weiden Ideen und Klangvorstellungen besser verwirklichen

1994, bei der Gründung des "Sunday Night Orchestra" in Nürnberg, haben sich Norbert Emminger und Jürgen Hahn kennengelernt. Während Emminger lokale Gefilde bevorzugte, verschlug es Hahn nach Berlin. Beide widmeten sich ihren eigenen musikalischen Aktivitäten und Projekten, bald aber entstand die Idee zu einer Wiedervereinigung.

Brüder im Geiste: Jürgen Hahn (Trompete) und Norbert Emminger (Baritonsaxofon) orientieren sich mit ihrem Quintett am klassischen Hardbop-Stil, lassen aber auch lateinamerikanische Rhythmen und den groovenden New Orleans Stil in ihre Kompositionen einfließen. Bild: exb
von Louis ReitzProfil

Mit Bernhard Pichl (Klavier), Rudi Engel (Kontrabass) und Florian Kettler (Schlagzeug) fanden sich ideale Mitstreiter und im Juni 2015 wurde eine neue CD mit dem Titel "Reunion" aufgenommen.

Die Kompositionen stammen von Norbert Emminger und Jürgen Hahn und spannen den Bogen von Swing über Latin bis zu Funk-orientierten Stücken, New-Orleans-Grooves und Hardbop. Die Kombination von Baritonsaxofon und Trompete erinnert an große Vorbilder: Art Pepper & Donald Byrd, oder Gerry Mulligan & Chet Baker. Am Freitag, 2. März (20 Uhr), kommen sie wieder mit einem gemeinsamen Projekt zum Jazz-Zirkel ins Bistrot Paris nach Weiden. Im Gespräch erläutert Norbert Emminger seine musikalischen Ambitionen und Ideen.

Sie studierten klassisches Saxofon in Nürnberg und Frankfurt. Wie sind Sie zum Jazz gekommen?

Norbert Emminger: Ich habe schon vorher Jazz gespielt und in Nürnberg gab es nur die klassische Ausbildung. Angefangen habe ich als 13-Jähriger in der Schul-Bigband. Wir hatten einen sehr guten Musiklehrer, der uns an Jazz heranführte.

Was macht den Unterschied zwischen klassischer Spielweise und Jazz aus?

Der Sound und die rhythmische Auffassung sind komplett anders: Der Jazz ist eher am Groove orientiert, in der Klassik eher an der Melodie.

Wie sind Sie zum Bariton gekommen? Spielen Sie ausschließlich dieses Instrument?

Ich spiele natürlich auch Tenor und Alt und all die anderen Saxofone. Zum Bariton bin ich 1994 im Sunday Night Orchester gekommen. Es gab niemand, der dieses Instrument spielte. Es faszinierte mich so, dass ich schließlich dabei blieb. In unserem Quintett spiele ich ausschließlich das Bariton.

Sie spielen überwiegend mit großen Formationen, unter anderem mit dem Sunday-Night-Orchestra und der Thilo-Wolf BigBand. Was macht den Reiz einer Combo aus?

Man hat eine größere Freiheit und kann seine eigenen Kompositionen spielen. Auch kann man seine Ideen und Klangvorstellungen hier besser verwirklichen.

Wie unterscheiden sich ihre eigenen Kompositionen von denen ihres Co-Leaders Jürgen Hahn?

Jürgen macht viel traditionellen Jazz. Dixieland und New Orleans Rhythmen fließen in seine Kompositionen mehr ein, meine Kompositionen sind eher moderner. Aber die Grundlinie ist natürlich sehr ähnlich. Ich sehe meine Wurzeln vor allem in der Hardbop-Tradition: Pepper Adams und Donald Byrd! Ich habe aber auch viel Latinjazz und modernere Formen gespielt, was sich natürlich auch auf meine Kompositionen auswirkt.

Wie kam es zum Quintett mit Pichl, Engel und Kettler?

Mit Bernhard habe ich schon vor 25 Jahren im Sunday-Night-Orchester zusammen gespielt. Er ist einer der besten Begleiter, die es am Klavier gibt. Er bildet mit Rudi eine eingeschworene Rhythmusgruppe. Sie haben mir auch den Florian vorgestellt, und das hat von Anfang an super funktioniert.

Fast alle Mitglieder des Quintetts unterrichten an Musikhochschulen. Kann man als Freelance-Musiker überhaupt noch überleben?

Ich unterrichte in Frankfurt an der Hochschule, Bernhard und Rudi unterrichten in Würzburg und Nürnberg, Jürgen an der Hochschule in Dresden. Es gibt wenig Jazzmusiker, die nur vom Spielen leben können. Entweder man hat eine fester Anstellung in einer Rundfunk-Bigband oder unterrichtet. Florian ist auch noch mit Popmusik unterwegs und versucht, nur vom Spielen zu leben.

Was dürfen wir beim Konzert in Weiden erwarten? Stehen ausschließlich eigene Kompositionen auf dem Programm?

Wie spielen nur unsere eigenen Kompositionen, keine Standards. Die Stücke der CD werden natürlich immer wieder verändert und erweitert. Auch bauen wir gerne Zitate aus bekannten Nummern in unsere Improvisationen ein.

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter % 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0, www.nt-ticket.de und an der Abendkasse.

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