04.01.2018 - 15:58 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nach erfolgreicher Konzertsaison 2017 Neue "Sünde" gesucht

Die dritte "Sünde"-Saison ist beendet. Mit acht ausverkauften Konzerten war sie die bisher erfolgreichste. Trotzdem wissen die Macher vom "Sündikat" nicht, wie und wo es im Herbst 2018 weitergeht. Wie immer.

von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Der 30. Dezember "war unser Silvester", erzählt Lukas Höllerer: Erst zündete das Duo "Ströme" ein Electronic-Feuerwerk, dann feierte das "Sündikat" Saisonabschluss und Abschied von der "Sünde" im Josefshaus. So ausgiebig, dass manches Mitglied des Kulturvereins von irgendwelchen Feierlichkeiten zum eigentlichen Jahreswechsel in der folgenden Nacht nichts mehr wissen wollte. Inzwischen sind alle gut erholt und wieder arbeitsfähig. Am Freitag und Samstag räumen sie den Kellerraum des Josefshaus aus. Zwei Saisons hintereinander diente er ihnen als Pop-up-Club "Die Sünde".

Mit ständig wachsendem Erfolg. Im Herbst 2017 blieben kaum noch Veranstalterwünsche offen: Acht von elf Konzertabenden seit 2. Oktober waren restlos ausverkauft, insgesamt über 1000 Tickets hat das "Sündikat" abgesetzt - und "bei jedem Konzert waren zusätzlich zum Stammpublikum andere, neue Leute da". Mehr als 100 Kästen Bier ("inklusive Eigenverzehr") wurden geleert, auch das ein Rekord. Kurz: Der junge Kulturverein, kürzlich geadelt durch den bayerischen Popkultur-Preis, kommt erneut auf seine Kosten. Wobei er den Erfolg ja nicht am Finanziellen festmacht. Höllerer: "Es geht darum, dass uns die Veranstaltungen Freude bereiten müssen, und nicht, dass wir am Ende des Jahres auf eine Excel-Tabelle schauen."

Unentgeltliche Hilfe

"Am Ende geht es auf Null aus", sagt Lino Molter. Er verweist auf hohe Fixkosten bei der Betreuung der Künstler - Gagen, Übernachtungen, Verpflegung, aber auch viel unentgeltliche Hilfe durch Freunde und Förderer. Bleibt tatsächlich Geld übrig, stecken es die Organisatoren in neue Ausrüstung, beispielsweise einen Bühnen-Aufbau.

Den Raum im Untergeschoss des Josefshaus überließ Harald Rippl dem "Sündikat" wieder mietfrei. Für die Zwecke des Vereins sei er ideal gewesen, sagt Höllerer. Nah an der Innenstadt, ausgelegt für 120 Besucher und geeignet, Akustik und Optik voll auszureizen. Gerade bei der Technik habe man nochmal eine Schippe draufgelegt, meinen die "Sünde"-Macher und danken dafür besonders Michael Körberich. Lob gab's schon mal aus berufenem Munde. So hätten beispielsweise die Youngsters von "Giant Rooks" (Platz 6 in der Hitliste der besten "Newcomer 2017" im aktuellen "Rolling Stone") gestaunt: "Ist das geil hier ...!" Eindruck machte vor allem der Vorhang aus Lichterkugeln im Hintergrund der Bühne.

Bei ihren persönlichen "Sünde"-Favoriten 2017 sind sich Höllerer und Molter einig: "Chris Gall, Van Holzen, KUF". Letztere mischten in jeder der bisherigen drei "Sünde"-Saisons mit - "und dürfen auch in Zukunft gerne kommen". Wie bei "Ströme" gab es für das Konzert schon einige Wochen im Voraus keine Karten mehr. Das Konzept geht auf: Kunst auf Großstadt-Niveau in besonderem Ambiente - und in bekömmlichen Portionen, die Lust auf mehr machen. "Das sind ja keine abendfüllenden Sachen", weiß Molter. "Sie sollen ein Appetizer sein, das Vorprogramm für den Abend."

"Erstmal Pause"

Jetzt wächst zunächst der Hunger auf die Saison 2018. Satt sind die Macher noch lange nicht. Einer neuen "Sünde"-Saison stünde also nullkommanichts im Wege - falls sich eine neue "Sünde" findet. Sicher ist, dass der Pop-Up-Club das Josefshaus nach dessen Verkauf verlassen muss. Kein Drama, sondern ebenso unausweichliches wie einkalkuliertes Schicksal. Noch haben die Organisatoren kein Domizil für den Herbst 2018 in Aussicht. Molter und Höllerer bleiben gelassen: "Wir machen jetzt erstmal Pause, um uns zu sammeln. Dann sehen wir weiter." Möglicherweise starten sie im Frühjahr einen öffentlichen Aufruf, um, so Höllerer, "eine neue coole Sünde zu finden".

Bisher halfen Glück, Geschick und Geistesblitze: Als ihnen nach dem Abschied von der Metzgerei-Filiale auf der Allee partout keine Nachfolge-"Sünde" einfallen wollte, setzten sich drei "Sündikat"-Männer kurzerhand ins Auto. Höllerer: "Wir fuhren zusammen die Innenstadt ab. Nach einem Vormittag hatten wir eine neue ,Sünde'."

Serenade mit "Sündikat"?

"Das Sündikat" ist nicht nur die "Sünde", jener Pop-up-Club, der seit dem Jahr 2015 den Weidener Kulturherbst bereichert. Die 15 Mitglieder greifen mittlerweile auf ein bewährtes Jahresprogramm zurück, das sie immer wieder mit neuen Zutaten verfeinern. Auch 2018 stellen sie die stets ausverkauften Juz-Partys "Ei! Ei! Ei!" (Ostern) und "Ho!Ho!Ho!" (Weihnachten) auf die Beine. Dazwischen gibt es möglicherweise Einzelkonzerte (wie 2017 "Klez.e" im Jugendzentrum) sowie wohl eine zweite Auflage der erfolgreichen Bürgerfest-DJ-Area auf dem Marienbad-Platz. "Eine gute Gelegenheit, um uns bekannter zu machen", glaubt Lukas Höllerer.

Das könnte auch auf neue Pläne zutreffen: Möglicherweise gestaltet das "Sündikat" eine Folge der städtischen Serenaden im Max-Reger-Park. Die Gespräche mit den Verantwortlichen der Stadt laufen. (rg)

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