Neue "Sünde"-Saison startet am 2. Oktober
Schnelles Comeback fürs Josefshaus

Kultur
Weiden in der Oberpfalz
21.08.2017
649
0
 
Mit "Mockemalör" geht's los.

Alles ist bereit für den "Sünden-Fall" Nummer drei. Die jungen Kulturfreunde vom "sündikat" suchten lange nach einer neuen Bleibe. Jetzt machen sie erneut das Josefshaus zum Independent-Konzertsaal auf Zeit.

Erst war das ausgediente Capitol-Kino im Gespräch. Dann ein Keller in der Christian-Seltmann-Straße und andere Räume - "die uns aber nicht zugesagt haben", wie Lukas Höllerer erzählt. Lange hielten er und seine Mitstreiter vom "sündikat" vergeblich Ausschau nach einem neuen Domizil für den Pop-Up-Club "Die Sünde". Dann ergab sich eine eigentlich naheliegende Lösung: eine zweite Konzert-Saison im Josefshaus, nachdem dieses - entgegen den ursprünglichen Plänen von Besitzer Harald Rippl - noch immer nicht abgerissen ist. Dort, in angegliederten Geschäftsräumen an der Asylstraße, feierte das "sündikat" eine durchaus erfolgreiche Konzertserie im vergangenen Herbst. Die zwölf Veranstaltungen - von "Sea & Air" über Shooting-Star Ami bis hin zu "A Tale of Golden Keys" - waren laut Höllerer und Christian Gold "zu 80 Prozent gut besucht".

Vertrautes Josefshaus

Eigentlich sieht das "Sünde"-Konzept jährlich wechselnde Orte vor, die "Zugabe" im nun vertrauten Josefshaus kommt den Machern dennoch alles andere als ungelegen: "Wir stecken jetzt alle tiefer im Berufsleben, haben weniger Zeit für die Organisation", sagt Gold. "Im Josefshaus wissen wir, wie es läuft und wo wir hinlangen müssen." Und, ganz wichtig: "Mit den Nachbarn haben wir überhaupt keine Probleme."

Zwölf Termine gab es im vergangenen Jahr, elf sind es heuer ab 2. Oktober. Weniger deshalb, weil nach dem 9. Oktober (Indie-Rock mit "Giant Rooks") eine größere Lücke im Veranstaltungskalender klafft. Grund: Die "Sündikat"-Macher besuchen Mitglied Rick Jäger in Australien, der dort promoviert. Weiter geht es erst am 17. November mit Hip-Hopper Simon Grohé. Er tritt nur mit einem Schlagzeuger auf. Allein an diesen beiden Konzerten lässt sich die enorme stilistische Bandbreite ablesen. Das "sündikat" serviert Varieté-Pop ebenso wie Hardcore und Elektro-Jazz - und eine Lesung gibt's auch wieder, diesmal mit komödiantischen Einlagen. Größere Namen wie "Van Holzen" wechseln sich ab mit Geheimtipps wie Cellistin Mela. Ein Muss für die Macher: "KUF". Die drei Elektro-Jazzer sind "Sünde"-Stammgäste seit der ersten Saison 2015 in der Allee-Metzgerei.

Frechheit siegt

Acts wie "Van Holzen" spielen normalerweise auf Festivals oder in 500-Mann-Sälen. Die "Sünde" fasst gerade mal 100 Fans. Frechheit siegt, meint Höllerer. Er frage halt einfach mal bei den Managements an - und manchmal, wenn's in den Tour-Kalender der Bands und ihnen auch sonst in den Kram passt, erhält er sogar eine Zusage. Verlassen können sich er und seine Mitstreiter aufs Publikum. Neben "immer wieder neuen Gesichtern" kommt eine Reihe von Stammbesuchern in schöner Regelmäßigkeit, egal, was gespielt wird. "Es gibt sogar ,Sünde'-Fans, die kaufen sich gleich alle Tickets im Paket", weiß Christian Gold. Die Kartenpreise seien zwar im Vergleich zu 2016 leicht erhöht, aber weiterhin "echt günstig", bewegen sich im Gros zwischen 10 und 15 Euro. Gold: "Wir tragen uns selbst und haben keine finanziellen Probleme."

Die "Sünde"-Serie 2017 endet einen Tag vor dem Jahreswechsel: Das Duo "Ströme" sorgt am 30. Dezember mit "handgemachter elektronischer Musik" für Spannung. "Sie stehen mit dem Rücken zum Publikum, so dass man den beiden beim Stecken und Schrauben zuschauen kann", kündigt Lukas Höllerer an. Ein letzter Beweis dafür, dass Auftritte in der "Sünde" stets die "etwas anderen Konzerte" sind.

Ohnehin könne heuer "alles passieren", meint Höllerer mit leuchtenden Augen. "Kann sein, dass 100 Leute weinen, weil Mela alleine auf ihrem Cello rumfiedelt. Kann sein, dass ,Van Holzen' so Gas geben, dass das Josefshaus einstürzt ..." Dann aber müsste das "sündikat" wirklich noch einen neuen Standort finden.

"Sünde 2017": Zehn Mal Live-Musik und eine Lesung2. Oktober: Mockemalör. Was darf's denn sein - Elektropop, Chansons oder Varieté? Oder gleich alles zusammen? Mit dieser Kombi sind die Berliner wahre "Riesen" - und so heißt dann auch ihre neue Platte.

6. Oktober: Mela. Auch für Cellistin Marie Spaemann sind die musikalischen Grenzen fließend. In diesem Fall zwischen Klassik und Pop, Soul und Jazz. Der preisgekrönte Musiker tritt solo auf.

9. Oktober: Giant Rooks. Nach eigener Einschätzung spielen sie "Art-Rock". Klingt verkopft, ist aber erstens gitarrenlastig und zweitens tanzbar - und drittens mit dem "popNRW-Preis" für die besten Newcomer bedacht.

17. November: Simon Grohé. Vor Jahren trat der Hip-Hopper mal bei "Live im Stadtbad" auf. Diesmal bringt er zur Unterstützung Schlagzeuger "Stix" mit, der schon Größen wie Marteria und Sido mit dem richtigen Wumms versorgt hat.

23. November: "Tiere streicheln Menschen". Es wird lustig. Actionleser Martin "Gotti" Gottschild und das selbsternannte singende Erotikum Sven van Thom wechseln sich ab. Die beiden Berliner versprechen eine "Live-Show des entwürdigenden Wahnsinns, 20 000 Meilen unter der Gürtellinie".

2. Dezember: KUF . Drei Mal Sünde, drei Mal "KUF". Ohne die Elektro-Jazzer geht's nicht mehr, meint wohl nicht nur das "sündikat", sondern auch das Weidener Publikum.

8. Dezember: Van Holzen. Seit ihrem Debüt "Anomalie" gelten sie als einer der spannendsten neuen Acts aus Deutschland. Vier Jungspunde lassen bei Hardcore mit Melodie und intelligenten deutschen Texten gehörig Dampf ab.

10. Dezember: Tim Neuhaus. Normalerweise trommelt er für Leute wie Clueso oder Glen Hansard. Nach Weiden kommt er aber als sensibler Sänger und Songwriter.

23. Dezember: Open Stage. Nach dem munteren Stelldichein von 2016 ergeht auch heuer die Einladung an alle, die Bühne zu entern.

28. Dezember: Chris Gall Trio. Ob beim Jazz-Festival Montreux oder im Wiener Konzerthaus - der Münchener Chris Gall und sein Trio begeistern überall. Auch in der "Sünde"?

30. Dezember: Ströme. Das Duo holt elektronische Musik nicht aus dem Laptop, sondern frickelt sie live aus Modularsystemen, Synthesizern und Vocodern.

Alle Konzerte beginnen um 20.30 Uhr, Einlass eine Stunde früher. Weitere Informationen und Karten auf www.sündik.at. (rg)

Bild: exb

Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.