20.09.2013 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Neuer Geschäftsführer Philipp Kaufmann kündigt neues Konzept an - Parkhaus wird saniert, ...: "Ein starkes City-Center ist gut für Weiden"

Ein Hesse soll frischen Wind ins City-Center bringen. 34 Jahre ist Philipp Kaufmann jung und bringt in seiner Branche doch schon reichlich Erfahrung mit: Vier Jahre führte er in Bad Hersfeld die City-Galerie und war zugleich Stadtmarketing-Manager der 30 000-Einwohner-Stadt. Als Chef des City-Centers will er nicht ausharren und abwarten, was 100 Meter weiter bei Hertie passiert. Das könne Jahre dauern. "Bis dahin lebt diese Stadt weiter. Wir müssen schauen, dass wir weiterkommen."

Philipp Kaufmann, neuer Geschäftsführer des City-Centers in Weiden, hat sich schon gut eingelebt. Jetzt ist auch die Immobilienfrage gelöst, seine Familie kann nachziehen (ein sechsjähriges Kind). Bild: Steinbacher
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Regenwetter - Einkaufscenter-Wetter. Schön für Sie, oder?

Philipp Kaufmann: Ja, auf jeden Fall. Wobei ich noch nicht ganz zufrieden bin.

Ich höre ein "noch".

Kaufmann: Ich sehe viel Potenzial. Wir sind hier vor Ort das größte Haus. Die Lage der Stadt nahe der tschechischen Grenze, der Stützpunkt Grafenwöhr und das sehr gute Einzugsgebiet bieten gute Voraussetzungen. Ich denke, dass man in der Konzeption der Max-Reger-Straße insgesamt noch mehr rausholen kann, um noch attraktiver für den Kunden zu werden.

Es wurde in Bad Hersfeld als Paukenschlag bewertet, als Sie im Frühjahr Ihren Abschied ankündigten. Sie waren fest verwurzelt, laut lokaler Zeitung "bekannt wie ein bunter Hund". Was war für Sie ausschlaggebend, in Weiden neu anzufangen?

Kaufmann: Ich überlege das in den letzten Tagen auch, vor allem weil ich innerlich schon einen gewissen Abstand zu meiner Heimatstadt habe. Ich fühle mich hier unglaublich wohl. Die ganze Sache lief über eine Personalvermittlungsfirma, die mich über das Internetportal XING angeschrieben hat. Ich hatte mich gefreut, dass man auf mich als jungen Mann in Bad Hersfeld kommt. Ich hatte nicht vor zu wechseln, bin aber neugierig geworden und wollte mal testen, wo mein "Marktwert" liegt. Nach mehreren Gesprächen passte alles zusammen. Was wollen Sie als erstes angehen?

Kaufmann: Als ich zum ersten Mal nach Weiden zum City-Center gefahren bin, hab' ich natürlich in der Tiefgarage geparkt. Es hieß, ich müsste in Turmsoundso...

Lassen Sie mich raten: Dann haben Sie das Management gesucht.

Kaufmann: Richtig. Du stehst hier als Fremder auf verlorenem Posten: was sagt mir Turm A, B, C, D? Letzte Woche haben wir freigegeben, dass wir ein internes Leitsystem einführen. Was steckt hinter welcher Tür? Wir werden zudem das Parkhaus nächstes Jahr komplett sanieren müssen. Als Frau zum Beispiel würde ich auch nicht gerne reinfahren wollen. Es ist dunkel, teilweise im Winter zu nass. Wir werden das komplett neu gestalten, heller, freundlicher und auch die Parktarife werden wir korrigieren.

Ihr zweites Parkdeck U2 ist manchmal komplett leer.

Kaufmann: Ja, wobei wir hier in den letzten Wochen doch recht zufrieden sein können, es liegt wahrscheinlich hauptsächlich am Wetter. Übrigens überlegen wir, für Anwohner und Interessierte einen Nachttarif einzuführen, zum Beispiel für Berufstätige von abends 18 Uhr bis morgens um 7 Uhr oder so die Richtung. Der Teppich in Ihrem Büro könnte an die 20 Jahre alt sein. Wie groß ist der Sanierungsbedarf im Haus?

Kaufmann: (lacht) Ja, der hat es hinter sich und wird auch gerade ersetzt. Das Haus selber hat eine sehr gute Substanz. Da ist nichts, was sofort gemacht werden muss. Aber es gibt einige optische Geschichten. Gemeinsam mit der Werbeagentur Aera Media bei uns im Haus haben wir einige Ideen zu unserer Hausfarbe Mint entwickelt. Man merkt überall eine gewisse Aufbruchstimmung im Haus.

Mit Ihren Mietern haben sie im September eine Afterworkparty auf dem Dach des City-Centers gefeiert. Wie kam die an?

Kaufmann: Die Mieter aus den Bürotürmen hatten ihre 20, 30 besten Kunden eingeladen. Wir haben die Leute zum lockeren Smalltalk zusammengeführt. Manche kannten sich gar nicht. Netzwerken - das ist mein Ding. Es gibt so viele Leute, die etwas können. Wenn man die zusammenführt, gibt es am Ende ein Top-Ergebnis. Wir müssen nach draußen tragen, dass wir auch ein Business-Center sind. Wir haben auf unseren Büroflächen unheimlich kompetente Mieter. Das City-Center ist Kompetenz-Center - Business und Shopping. Das ist die neue Richtung, die wir zügig angehen werden. Die Afterworkparty hat für Aufmerksamkeit gesorgt. Haben Sie noch mehr solche Ideen auf Lager?

Kaufmann: Von den Gästen heraus entstand die Idee, gleich im Winter eine "Glühweinparty" nachzuschieben. Ich kann mir da einiges vorstellen. Das City-Center soll ein Zentrum sozialer und geschäftlicher Kontakte werden. Public Viewing in der Tiefgarage, die Präsentation der Eishockey- oder Fußballmannschaften hier im Haus. Oder ein "rotes Sofa" mit bekannten Menschen aus der Region im Sommer mit Live-Interviews. Musikalisch könnte ich mir Supergeschichten vorstellen - also wer Ideen hat, kann sich jederzeit bei uns melden.

Bald werden Sie hier auch bekannt sein wie ein "bunter Hund".

Kaufmann: Ich wäre nicht verlegen, wenn es nicht so wäre. Es geht doch auch nicht um mich hier, sondern darum, dass wir ein starkes und interessantes City-Center in Weiden präsentieren können. Aber natürlich nimmt man am gesellschaftlichen Leben teil und das wird mir sehr einfach gemacht, es gibt viele nette Menschen hier. Wie viel Zukunft hat der Einzelhandel in Zeiten von Amazon und Zalando?

Kaufmann: Ich denke, die Zeiten werden nicht unbedingt leichter. Meiner Meinung nach hat der Internethandel seinen Höhepunkt noch nicht erreicht. Wenn man überlegt, dass Zalando einen Umsatz von über 700 Millionen Euro gemacht hat und das ohne einen Quadratmeter Einzelhandelsfläche, dann kann einem schon Angst werden. Wir haben allerdings einen Riesenvorteil gegenüber dem Internet: Wir haben als Einzelhändler noch die große Chance, den Kunden wirklich zu befriedigen, ihm ein gutes Gefühl zu geben. Im Internet kann ich bestellen, aber ich werde nicht beraten. Ich kann reklamieren, aber ich bekomme kein Feedback. Das ist die Stärke des Einzelhandelns. Diese Karte müssen wir spielen.

Wie Sie wissen, ist in Weiden seit Jahren eine große Shoppingmall auf dem Hertie-Areal in Planung. Wie gehen Sie damit um?

Kaufmann: Ich habe überhaupt keine Angst, wenn ein neues Center kommt. Ich wünsche Fondara ein glückliches Händchen. Ergänzendes Programm verträgt diese Stadt absolut. Da muss man ansetzen und Firmen, Marken, Produkte holen, die wir hier noch nicht haben. Tragen Sie Sorge, dass Ihnen der große Magnet Müller abwandern könnte?

Kaufmann: Nein, ich denke nicht! Müller weiß, was sie an uns haben, und wir wissen es zu schätzen, einen solchen Mieter als Partner zu haben.

Ist es realistisch, dass man Centerbetreibern reinreden kann?

Kaufmann: In letzter Konsequenz natürlich nicht, aber man hat Möglichkeiten, als Stadtverwaltung entsprechend zu reagieren. Ich übertreibe jetzt mal bewusst: Wenn der Müller, der Wöhrl und der H&M 200 Meter weiter in ein neues Center gehen, wäre für die Stadt Weiden nichts erreicht. Wir kommen nur weiter und bekommen zusätzliches Publikum hierher, wenn wir das Angebot erweitern.

Am "runden Tisch" zum Einkaufszentrum hoffte man, Einfluss auf das Sortiment nehmen zu können.

Kaufmann: Das hätte man vielleicht gern. Das ist ein freier Markt. Aber man kann an die Vernunft des Bauherrn appellieren. Es bringt ihm nichts, aus Weiden Geschäfte zu verlagern, um seinen Laden vollzukriegen. Das macht die Stadt nicht attraktiver. Es geht darum, dass es nachhaltig funktioniert - es bringt nachher niemanden was, wenn wir ein schickes neues Center haben und der Rest der Innenstadt tot ist.

Macht Ihnen eine Shopping-Mall keine Angst? Positioniert sich das City-Center schon jetzt neu für den Fall der Fälle?

Kaufmann: Das belastet mich nicht. Wir werden uns innerlich stärken und auch teilweise neu ausrichten. Und selbst wenn sich Bauherr und Grundeigentümer irgendwann einigen, müssen wir abwarten, was vielleicht im Jahr 2015, 2016 oder erst im Jahr 2017 passiert. Bis dahin lebt diese Stadt weiter. Und wir müssen schauen, dass wir weiterkommen. Wenn wir ein starkes Center haben, kommt das Weiden zugute.

 

 

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