"Nick & June" bei "Klein und Kunst"
Spannend, in andere Richtungen zu gehen

"Once in a Life" heißt die neue EP, die "Nick & June" als "Oberpfalz-Premiere" in Weiden präsentieren. Zum Konzert bei "Klein & Kunst" bringen die Nürnberger Musiker auch einen Schlagzeuger mit. Bild: hfz

Kein Krach und Remmidemmi, sondern weiche Akustik-Sounds begleitet mit leisen, aber prägnanten Stimmen. Man könnte "Nick & June" gut unter Neo- oder Indie-Folk einordnen. Das wäre aber zu einfach.

Mit ihren atmosphärischen Sounds und einem zweistimmigen Gesang, der unter die Haut geht, heben sie sich ab von der inflationären Singer/Songwriter-Gilde. Am Donnerstag, 12. Januar (20 Uhr), spielen die beiden Nürnberger bei "Klein und Kunst" in der Max-Reger-Halle (Untergeschoss). Die Kulturredaktion hat sich mit Nick unterhalten.

Sie haben gerade erst Ihre neue EP "Once in a life" an den Start gebracht, wie fühlt sich das an?

Nick: Es ist natürlich sehr schön und unheimlich spannend. Das ist ja ein Ergebnis monatelanger Arbeit. Das Schreiben, Arrangieren, Aufnehmen - das ist alles auf die Veröffentlichung ausgerichtet. Aber natürlich ist es nicht ganz so spektakulär. Die CDs sind ja schon vorher da. Aber es ist etwas Besonderes. Und am 24. März kommt dann schon das neue Album raus, auf dem zwei Titel der EP vertreten sein werden. Das ist ein Schritt in die Zukunft.

Wie wird sich der zweite vom ersten Longplayer unterscheiden?

Wir werden uns ein bisschen von dem klassischen Singer/Songwriter-Sound entfernen. Bisschen anders, bisschen schwieriger auch da reinzukommen, auch sphärischer.

Auf Ihrer ersten LP gibt es eine Art Bonus-Track. Das ist eine Alternative Version von "Solve my Mistery", die so ein bisschen anelektrisiert worden ist. Wollen Sie in Zukunft weitere Elemente einfließen lassen?

Es ist schon so, dass meine Leidenschaft und mein Herz beim klassischen Songwriting liegen. Aber wir finden es spannend, mal in andere Richtungen zu gehen. Gerade im Elektronischen haben wir mit Leuten aus dem Freundes- und Bekanntenkreis zusammengearbeitet. Es wird in naher Zukunft zwei weitere Remixe geben von einem Freund aus Berlin und von unserem Schlagzeuger. Aber das Hauptaugenmerk legen wir auf unseren Sound.

Ihre Songs sind auf CD wieder sehr sanft und unaufgeregt, wie ein sehr intimes Duett. Bohren Sie die Instrumentierung auf?

Es wird auch live melancholisch und ruhig, stellenweise sphärisch und reduziert bleiben. Ich bin auch musikästhetisch ein großer Freund davon, einzelnen Tönen ihren Raum, die Musik atmen zu lassen und nicht zu überfrachten. Auch wenn wir zu viert auf der Bühne stehen. Das Live-Bild entspricht schon dem Sound auf CD. Auch Schlagzeug und Bass werden reduziert eingesetzt. Kurz: Unsere Live-Auftritte werden keine Indie- Rock-Show.

In Weiden spielen Sie auf einer recht überschaubaren Bühne. Aber Sie spielen auch auf Festivals, wo naturgemäß mehr Platz ist. Fühlt man sich so minimalistisch reduziert nicht ein wenig verloren.

Ja und nein. Das stimmt schon, gerade auf Festivals ist das manchmal der Fall, wenn man zu zweit auf der Bühne steht und seine gezupften Singer/Songwriter-Nummern vorträgt. Auf der anderen Seite ist man sich bewusst, dass das die Musik ist, die man machen will. Wir haben nie mit dem Gedanken gespielt, für große Auftritte die Songs zuzuladen und aufzublasen, mit dem Hintergedanken, so kommt das bei einer breiteren Masse besser an. Trotzdem ist es angenehm, wegen der Dynamik. Da kann ich mich drei Minuten hinstellen und einen Song solo singen, weil ich weiß, dass als nächstes ein Stück kommt, das ein bisschen ausbricht.

Journalisten verpassen Bands immer gerne Etiketten. In Texten, die ich über Sie gelesen habe, geht das in die Richtung Singer/Songwriter, Neofolk oder Indie Folk. Können Sie sich damit identifizieren?

Ja, schon. Letztlich. Es ist immer ein zweischneidiges Schwert, wenn es um Referenzen geht. Man selber empfindet das nie so. Wir finden Swell Season und Damian Rice auch super, haben aber das Gefühl, dass wir schon in eine andere Richtung gehen und eine andere Ästhetik haben. Andererseits ist es schon gut, wenn Leute dich entdecken sollen und da etwas Greifbares ist. Deswegen haben wir schon Verständnis, dass in einem Artikel Referenzen stehen müssen.

Mich erinnern Sie an so Bands wie "Belle & Sebastian", die es ja geschafft haben, im pickepacke vollen Singer/Songwriter-Genre einen besonderen Sound zu kreieren. Guter Vergleich?

Das ist eine Referenz, die ich sehr positiv finde. Gerade die frühen Sachen gefallen mir wirklich super. Die haben nämlich eine Ästhetik, die ich sehr mag. Auf dem neuen Album haben wir sogar einen lyrischen Hinweis untergebracht. Vielleicht fällt es ja beim Hören mal auf.

Sie sind ziemlich fleißig am Touren. Das kostet Zeit, haben Sie nebenbei noch Jobs?

Nein, wir machen tatsächlich seit Ende des Studiums nur Musik und können damit auch Geld verdienen, auch wenn manchmal eher schlecht als recht. Aber im Großen und Ganzen haut es hin. Man muss sich dann eben ins Auto setzen und viel live spielen. Das ist heute die Haupteinnahmequelle eines Musikers. Uns ist bewusst, dass das so nicht passieren wird: Die Vorstellung, dass ein kleines Independent-Ding eine Platte macht, sie dann 10 000-mal verkauft und groß mitverdient. Der kommerzielle Erfolg ist ein nettes Zubrot, dass wir damit unser Leben finanzieren können, aber auch wenn das nicht so wäre, wäre es kein Beinbruch. Da geht es schon in erster Linie um das eigentliche Verwirklichen. Man schreibt Songs, weil es gar nicht anders geht, weil sie da sind.

Wie jede bekannte Rockband umgibt Sie ein Mythos. Kein Mensch weiß, ob Sie auch abseits der Bühne ein Paar seid. Heute wäre die perfekte Gelegenheit für ein Coming-Out.

Das ist lustig, dass sich das zum Mythos entwickelt hat. Wir haben uns da einen Spaß draus gemacht, immer zu sagen "Oh, verraten wir nicht. Das ist uns zu privat". Aber wir haben es schon in ein paar Interviews gesagt: "Nein, wir sind kein Paar."

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