19.06.2011 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Roland Jezussek verrät, wie er seine Passion für das schottische Nationalinstrument entdeckte Ein Highlander im Oberpfälzer Wald

Roland Jezusseks große Liebe begann mit einem Klischee. "Ich war in meiner Jugend begeisterter Highlander-Fan", erinnert er sich zurück. Das Bild Schottlands, das der Hollywood-Film zeichnet, beeindruckte den Weidener. So sehr, dass er nach dem Abitur zu einem Urlaub in die schottischen Highlands aufbrach, um den Mythos vom unterdrückten und dennoch stolzen und unbeugsamen Underdog aufzuspüren.

von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Viele Schotten habe er bei dieser ersten Reise in den Norden der britischen Insel 1993 nicht getroffen, "nur Touristen und Leute, die vom Tourismus lebten", sagt er. Aber mit etwas typisch schottischem kam er dennoch in Kontakt: "Auf dem Weg zum Gipfel des Ben Nevis, dem höchsten Berg der Insel, habe ich zum ersten Mal ganz bewusst einen Dudelsack gehört", erinnert sich Jezussek.

Great Highland Bagpipe

Der charakteristische Ton der Great Highland Bagpipe, wie der Dudelsack original heißt, hat sich eingebrannt und den heute 39-Jährigen nicht mehr losgelassen. In den 18 Jahren, die seither vergangen sind, hat er selbst gelernt, den Dudelsack zu spielen - und zwar so gut, dass er mit der Crossed Swords Pipeband, einer internationalen Gruppe von Musikern, die sich zu einer traditionellen schottischen Militärkapelle zusammengefunden haben, 2010 bei einem Militär-Musikfestival in Moskau auftrat. Und ein weiterer Höhepunkt für Dudelsack-Musiker steht im kommenden August bevor: Jezussek und seine Mitmusiker sind zum Edinburgh Military Tattoo eingeladen, einem dem größten und bedeutendsten Militärmusikfestivals weltweit.

Kein leichter Weg

Der Weg dorthin war aber nicht leicht - gerade zu Beginn. Von seinem Schottlandurlaub brachte Jezussek zwar viel Begeisterung, aber kein bisschen Hintergrundwissen mit. Ansprechpartner in Deutschland kannte er nicht, Internet war noch nicht erfunden. "Nach ein paar Wochen fiel mir eine Zeitungsanzeige auf, die original schottische Militärdudelsäcke mit Spielanleitung bewarb", erzählt Jezussek. Begeistert bestellte er - und setzte damit 360 Deutsche Mark in den Sand. "Das Teil war absolut unspielbar. Ich bekam kaum einen Ton heraus", beschreibt der Weidener seine Enttäuschung. Schnell wanderte der Fehlkauf zu den Faschingsrequisiten und das Kapitel Dudelsack war beendet - vorerst.

Ganz losgelassen hat das Instrument Jezussek nämlich nicht. Als 2000 das Internet Einzug hielt, nutzte er die neue Möglichkeit, um sich zu informieren - und um ein Lehrbuch, eine Übungsflöte und ein neues Instrument zu kaufen. 420 Euro kostete der zweite Dudelsack bei Ebay. Eine erhebliche Verbesserung zu seinem ersten Kauf, "aber eigentlich war es wieder Geldverschwendung".
Das war ihm damals aber nicht klar. "Ich hab die Übungen aus der Spielanleitung gemacht und für mich klang alles perfekt." So perfekt, dass Jezussek anfing, große Töne zu spucken: "Ich hab meinem Bruder erklärt, dass ich bei seiner Hochzeit ,Amazing Grace' spielen werde. Dabei hatte ich keine Ahnung, dass er tatsächlich schon die Heirat plante." Es blieben wenige Monate zum Üben, und die reichten für einen halbwegs gelungenen Auftritt. Durch Mundpropaganda hätten sich weitere Auftritte bei ähnlichen Anlässen ergeben. "Nach und nach wurde mir dabei aber klar, dass ich alleine und ohne Lehrer nicht weiterkomme."

Regelmäßig nach Nürnberg

Regelmäßige Fahrten zum Dudelsack-Lehrer nach Nürnberg ab 2005 waren die Folge dieser Erkenntnis. "Ich musste mit ihm von vorne anfangen. Das begann beim Dudelsack und endete bei der Fingertechnik", sagt Jezussek. Sein Instrument, so erfuhr er, ließ sich nicht stimmen, ein Zusammenspiel mit anderen Dudelsäcken war deshalb unmöglich.
Nach zwei Fehlkäufen tat Jezussek nun einen Glücksgriff. "Ein unglaubliches Schnäppchen", wie er sagt. Sehr günstig sei er an einen hervorragenden Dudelsack von vor 1920 gekommen. "Der ehemalige Dudelsack-Weltmeister Robert Watt wollte mir das Instrument auf der Stelle abkaufen", sagt Jezussek. Neben dem neuen Dudelsack brachte ihm sein neuer Lehrer Kontakte zu Gleichgesinnten. Es folgten Besuche bei Treffen und Kursen überall in Deutschland aber auch beim College of Piping in Glasgow. Inzwischen gibt Jezussek selbst Unterricht.

Doch auch er hat noch nicht ausgelernt, nimmt Unterricht und übt. "Zwei bis drei Stunden täglich beschäftige ich mich mit dem Instrument", sagt er. Die Übungszeiten seien genau mit den Nachbarn abgesprochen. "Als ich anfing, hatten die eine harte Zeit", sagt Jezussek und schmunzelt. Am liebsten spiele er sein Instrument aber ohnehin im Freien. Dafür sei der Dudelsack ursprünglich auch entwickelt und gebaut worden.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.dudelsack-oberpfalz.de/

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