Rosa Wolken auf der Kulturbühne
Queer, schrill und temporeich

Die Frage, ob Lametta oder nicht wird sich für Leo und Alex noch als kleinstes Problem des Abends herausstellen. Bild: Otto
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
21.12.2016
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Herbert Herrmann, Jochen Busse oder Simone Rethel - Boulevardtheater war einmal große Abendunterhaltung im deutschen Fernsehen. Heute muss man zurück zur Quelle, zur Theaterbühne. Das kann daneben gehen, aber auch sehr unterhaltsam sein - wie zum Beispiel am Dienstagabend auf der Kulturbühne.

Die Zuschauer erleben in der Max-Reger-Halle einen Wirbelwind von einem Stück: "Rosa Wolken" - queer, schrill und temporeich. Klar ist das keine Hochkultur, sondern unkomplizierte Screwball-Comedy - und eine ausgezeichnete Gelegenheit, das Weihnachtskarussell anzuhalten und sich entspannt auf die Feiertage einzustimmen.

Streit um Baumbehang

Früher war mehr Lametta - der Satz wird Weihnachten mindestens einmal in der Familie zitiert. So auch in der Story des homosexuellen Paares Leo (Hubertus Grimm) und Alex (Chris David Gebert), die am Heiligabend anstrengenden Besuch erwarten: die Familie. Da ist der Streit um den Baumbehang noch das harmloseste Hindernis.

Leos Mutter (Johanna Liebeneiner) ist überspannt, dominant und rücksichtslos. Dazu kommen ihr wehrloser und ein wenig langweiliger Gatte (Holger Franke), das naive Töchterchen Nicola (Julika Wagner) und ihr heißblütiger italienischer Freund Fabio (Tobias Herrmann). Statt einer besinnlichen Weihnachtsfeier gerät das Stelldichein der Egomanen außer Kontrolle.

Das Setting von "Rosa Wolken" gleicht allerdings auch einem Mienenfeld: Alex erwartet eine Entscheidung von Leo - für eine Familie mit adoptierten Kind. Nicola ist schwanger, Fabio soll nichts erfahren. Und Vater Günther plant seiner egozentrischen Gattin Edda zu gestehen, dass er ein Verhältnis hat. So viel: Es endet zunächst in der Notaufnahme.

Bekannte Darsteller

Was die Qualität des Stückes ausmacht, ist die Leichtigkeit mit der Regisseur Holger Berg seine Truppe um emotionale Eisberge schippert - und eine wirklich gute Besetzung, zum größten Teil erfahrene TV-Darsteller. Johanna Liebeneiner kennt man beispielsweise aus dem "Tatort", "Liebling Kreuzberg" oder "Der Bergdoktor", Holger Franke aus "Polizeiruf", "Die Wache" oder "Rosa Roth". Hubertus Grimm ist vielen bekannt als Jan aus der Daily Soap "Verbotene Liebe". Im Stück ist er nicht nur als Leo in die Handlung verstrickt, sondern, als erweiterter Schauspieler, so etwas wie ein Conférencier. Immer wieder greift er in die Handlung ein, spult vor oder zurück und kommentiert zum Publikum gewandt charmant das Bühnengeschehen.

Wie es einer anständigen Boulevardkomödie würdig ist, endet "Rosa Wolken" mit einem Happy End. Die Zuschauer dankten den spielfreudigen Darstellern für Gags, Tempo und Timing mit reichlich Applaus. Bleibt nur noch festzuhalten: Boulevardkomödien können lustig sein, das Weihnachten anderer, kann immer noch schlimmer sein als das eigene und: Früher war mehr Lametta.
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