Sänger und Schauspieler Johannes Kirchberg über Erich Kästner
Erschreckend aktuell und zeitlos

In seiner Hommage an Erich Kästner macht Johannes Kirchberg eine tiefe Verbeugung vor dem Dichter und präsentiert eigene Vertonungen von dessen zeit- und gesellschaftskritischer Lyrik. Bild: Gesine Born

Er zählt zu den bekanntesten deutschen Schriftstellern des 20. Jahrhundert, besonders seine Kinderbücher sind regelrechte "Klassiker". Dabei war Erich Kästner in erster Linie auch ein gesellschaftskritischer Autor.

Der Sänger und Schauspieler Johannes Kirchberg nimmt in einem Programm "Ein Mann gibt Auskunft" das Werk und das Leben Kästners unter die Lupe - in erster Linie auf eine musikalische Art und Weise. Er gastiert damit am Dienstag, 17. April (19.30 Uhr), bei der Kulturbühne Weiden in der Max-Reger-Halle. Zuvor hat sich die Kulturredaktion schon einmal mit ihm über Erich Kästner unterhalten.

Wer an Erich Kästner denkt, dem fallen meistens seine Kinderbücher "Emil und die Detektive", "Das doppelte Lottchen" und "Das fliegende Klassenzimmer" ein. Warum ist das so?

Johannes Kirchberg: Weil man tolle Eltern oder Großeltern hatte, die einem das vorgelesen haben. Und weil Kästner mit "Emil" seinen großen Durchbruch hatte. In diesem Buch haben sich die Kinder wiedergefunden. Und die Erwachsenen schätzen bis heute an dem Buch die feine Sprache, die Menschlichkeit, den Humanismus und die Freundschaft. Kästner Kinderbücher begeistern bis heute. Weil sie authentische Geschichten erzählen. Und weil sie einfach gut geschrieben sind. Man liest Kästner gern. Und man weiß: Mit Kästner kann man nix falsch machen.

Erich Kästner war ja in erster Linie auch ein pointierter Gesellschaftskritiker und ein Dichter mit feinem Humor. Welchen Erich Kästner wollen Sie in Ihrem Programm vorstellen?

Genau den. Da kann man ja keine Trennung vornehmen. Kästner betrachtete die allermeisten Dinge immer auch mit einer Portion Humor. Deshalb wahrscheinlich sind seine Werke ja bis heute aktuell. Gebrauchslyrik im besten Sinne. Politisch werde ich in dem Programm nur an den Stellen, an denen es auch Bezug zum Heute hat. Ich werde natürlich biografische Bezüge herstellen. Um das mittlerweile durch den Fernsehfilm berühmte 'blaue Buch' wird es gehen. Ich erzähle Anekdoten, berichte von seinem Verhältnis zur Mutter und erzähle eine wunderbare Geschichte darüber, dass Einladungen eine schreckliche Sache sind. Für die Gäste. Und weil es ein sehr musikalischer Abend ist, ist er kurzweilig.

Wie ist eigentlich Ihr persönliches Interesse für Erich Kästner entstanden?

Meine Liebe zu Kästner begann mit der "Lyrischen Hausapotheke". Ein wundervolles Buch! Eins für jede Lebenslage. Und dann bekam ich 1999 das Angebot am Schauspielhaus Leipzig einen Abend zu Kästners 100. Geburtstag zu gestalten. So fing es an. "Ein Mann gibt Auskunft" ist mein mittlerweile 3. Kästner Programm. Immer wieder entdecke ich Neues für mich. Kästner ist für jede Generation relevant. Und es ist ja verblüffend, dass man Kästner spricht, ohne immer zu wissen, dass es Kästner ist. Er hat so viele kleine Vierzeiler geschrieben, die heute Sprachgebrauch sind. Das berühmteste Epigramm ist wohl "Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es."

Was leitet einen dazu an, Werke von Kästner zu vertonen? Und wie muss sich der Zuhörer dies vorstellen?

Musik macht die Gedichte zu meinen eigenen Liedern. Dadurch wird es persönlich, und durch meine Musik gelingt es mir, dem Zuhörer einen überraschenden Zugang zu den Texten zu ermöglichen. Wenn ich ein Gedicht lese, das mich berührt, komme ich nicht umhin, es zu vertonen. Das ist in mir genetisch angelegt.

Wie würden Sie den Stellenwert von Erich Kästner für die deutsche Literaturgeschichte charakterisieren?

Kästner gehört natürlich zu den Großen, er überdauert die Zeiten und hat seinen festen Platz in der Literaturgeschichte. Seine Werke sind manchmal so erschreckend aktuell, dass man Gänsehaut bekommen kann. Und wenn mal Texte nicht aktuell sind, dann sind sie zeitlos. Wunderbar und herzergreifend.

Was meinen Sie: Was würde Erich Kästner wohl zur heutigen politischen Lage in Deutschland einfallen?

Sehr viel. Und wohl nicht nur Gutes. Kästner war immer ein politischer Mensch. Hat sich nach dem Krieg in der Friedensbewegung engagiert, hat fürs Kabarett geschrieben. Er hat viel über den Riss geschrieben, der durch die Gesellschaft ging. Damals in den 30er Jahren. Heute spaltet die Politik wieder die Familien und die Küchentische. Freundschaften gehen auseinander. Ich würde den Dresdner Erich Kästner gern in einer Diskussion mit Uwe Tellkamp sehen.

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter % 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/87290, www.nt-ticket.de und Abendkasse.

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